Best Practice – chocri

Name: chocri GmbH
Branche: Süßwaren
Mitarbeiter: je nach Saison zwischen 30 und 110
Ort/Region: Berlin

 

Geschäftsidee

Ein Präferenzatlas für Schokolade

Die Berliner Schokoladenmanufaktur chocri hat einen Präferenzatlas entwickelt, der hinunter bis auf einzelne Postleitzahlenbereiche identifizieren kann, welche bestreuten Tafel-Schokoladen die Deutschen am liebsten mögen. Gewonnen werden die Informationen nicht aus Marktforschungsanalysen, sondern aus realen Kaufentscheidungen. Die Idee zu chocri kam den Protagonisten Anfang 2008. Anfang September 2009 gewannen die Unternehmensgründer den Gründerpreis der Wirtschaftswoche.

Digitalisierung bei chocri

Anfang: Chocri ist 2008 als 100-prozentiges Mass Customization Start-up gestartet und die kundenindividuelle Massenfertigung im Stile eines Manufakturbetriebs ist bis heute unser wichtigstes Standbein. Kunden können sich bei uns auf der Website mittels verschiedener Konfiguratoren ihre Schokoladenwünsche ganz nach ihren persönlichen Vorlieben zusammenstellen und oft sogar noch die Verpackungen dazu individuell gestalten.

Aktion: Digital läuft bei uns fast alles ab: das Ordermanagement, die Bestellübermittlung, die Logistikabwicklung, die Finanzbuchhaltung, der Einkauf und so weiter und so fort. Wir fühlen uns immer noch als Start-up und das leben wir auch. Das Einzige, was bei uns aus Prinzip strikt analog abläuft, ist der Produktionsprozess unserer Schokoladen selbst. Wir produzieren jeden unserer eigenen Artikel ausschließlich in Handarbeit. Das wird in naher Zukunft – wir bieten nämlich demnächst unsere Produkte in ganz neuen Verpackungen an – mit dem Hinweis „Handbestreute Manufakturschokolade“ auch markentechnisch deutlich kommuniziert.

Um Erfolg mit der eigentlichen Handarbeit zu haben, gestalten wir alle Prozesse drumherum komplett lean und digital. Auch die Durchlässigkeit von Informationen und kurze Wege sind bei uns immer ein wichtiges Thema. Dabei behelfen wir uns natürlich ebenfalls gerne mit digitalen Lösungen, die unkompliziert sind und effektiv funktionieren.

Erfolg: Usability ist ein wichtiges Thema im digitalen Business. Da haben wir in den letzten neun Jahren viel Know-how gesammelt. Letztendlich geben wir unseren Kunden im Bereich individueller Schokolade wenig vor und lassen sie viel ausprobieren. Genau das ist auch der Quell unserer großen Datenbasis für den Präferenzatlas. Seit 2015 sind wir auch im stationären Fachhandel vertreten, aber der Großteil unseres Geschäfts läuft immer noch über das Internet und da immer noch über die individuellen Schokoladenprodukte. Wir benötigen deshalb gar keine komplizierten digitalen Instrumente, um uns über Kundenvorlieben zu informieren. Die teilt uns der Kunden bei jeder individuellen Kaufentscheidung nämlich freiwillig und direkt selbst mit. Das ist sozusagen eine Kaufentscheidung mit zielgenauer Marktforschung als Nebenprodukt. Wir mussten letztlich nur das Tool schaffen, mit dessen Hilfe wir quasi auf Knopfdruck die beliebtesten Variationen aus den etwa zwei Billionen Möglichkeiten herausfiltern. Das ist vergleichbar einer statistischen Normalverteilungskurve. Wir können im Zeitverlauf genau beobachten, an welchen Orten die beliebtesten Variationen deutlich herausstechen.

Mit einer relativ einfachen Datenbankverwaltung können wir in unserem Präferenzatlas sehen, was, wann, wo und wofür gekauft wurde. Dass wir die Datensätze dabei vorher anonymisieren und auch sonst alle Datenschutzvorgaben einhalten, versteht sich von selbst. Wir wissen zum Beispiel genau, wann die Zeit der Erdbeer-Schokolade beginnt und endet oder wann saisonale Zutaten wie Zimt, Bratapfelstückchen oder Minze verstärkt nachgefragt werden.

Zukunft: Ein nächster großer Schritt wäre, den Präferenzatlas so zu erweitern, dass sich daraus konkrete Produktionsprognosen ableiten lassen. Was wird in den nächsten Tagen von wem und wofür bestellt werden. Das Thema Predictive Analytics ist meiner Beobachtung nach einer der wichtigsten kommenden Big Data-Trends. Wir haben gerade mit einem neuen Projekt angefangen, unseren Präferenzatlas so zu ergänzen bzw., dass wir unseren Geschäftspartnern eben nicht nur sagen können, was aktuell gerade wo beliebt ist oder beliebt war, sondern dass wir ihnen auch relativ zuverlässige Empfehlungen geben können, was und vor allem in welchem Umfang beliebt sein wird. Wir möchten unseren Händlern gerne mit gutem Rat zur Seite stehen, beispielsweise: „Lege Dir bei Deinem Umsatzvolumen, Deiner geografischen Lage und Deiner Kundschaft rechtzeitig so und so viele Tafelschokoladen X oder Pralinen Y aufs Lager“. Denn die Kunden erwarten immer schnellere Lieferzeiten und das selbst bei ausgefallenen Wünschen oder individuellen Produkten. Wenn wir also heute schon ungefähr vorhersehen könnten, was die Kunden morgen im Kopf haben und bestellen möchten, könnten wir Teile bereits vorproduzieren. Der Zeitgewinn wäre immens.

Motto: Digitalisierung bedeutet für uns vorrangig nicht die Umwandlung analoger Werte in ein digitales Format, sondern im wortwörtlich übertragenen Sinne sogar das ganze Gegenteil. Digitalisierung ist für uns die Grundlage, um analoge Erfahrungen zu kreieren – nämlich handgemachte und individuelle Manufaktur-Schokoladen. Dazu zählen u.a. personalisierte Tafelschokoladen, Pralinen und Saison-Artikel. Kein Produkt ist wie das andere, jedes ist ein Unikat. Digital wird bei uns konfiguriert und übermittelt, analog wird produziert und vernascht. Digitalisierung ist für uns der treffsicherste Weg zum exklusiven analogen Geschmackserlebnis.


Foto oben: Jörn Schumann und Michael Bruck, beide Geschäftsführer der chocri GmbH (l-r).
Fotocredit: chocri GmbH

Impressionen unserer Informationskampagne zu den Themen Digitalisierung und Breitbandausbau finden Sie in unserer Mediathek.
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