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„Der Breitbandausbau macht bestimmte Anwendungen erst möglich“ – Interview mit Tim B. Frank, Geschäftsführer VRtual X GmbH

Virtual Reality, Augmented Reality und 360°-Videos wie -Kameras sind Applikationen und Technologien, mit denen sich die Full Service-Agentur VRtual X GmbH nicht nur auseinandersetzt, sondern mit denen sie auch kreiert. So gestaltete das in Hamburg ansässige Unternehmen ein 360°-Video anlässlich der Elbphilharmonie-Eröffnung Anfang dieses Jahres. Über die Entwicklungen dieser Technologien und die Bedeutung des Breitbandausbaus für seine Firma, sprachen wir mit Tim B. Frank, Geschäftsführer von VRtual X.

Breitbandbüro des Bundes: Die VRtual X GmbH ist eine Full Service-Agentur insbesondere für die Bereiche VR (Virtual Reality) und AR (Augmented Reality). Seit wann sehen Sie die Entwicklung in dieser Branche besonders schnell voranschreiten?
Tim B. Frank: Ich denke, die Entwicklung hat noch gar nicht richtig Fahrt aufgenommen. Wir stehen noch ganz am Anfang einer Technik, die gerade das Laufen gelernt hat. Virtual Reality ist mit der Einführung der VR-Brillen HTC Vive 2015 und Oculus Rift CV 2016 in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen. Zu dieser Zeit haben wir auch den ersten Boom erlebt. Aber damit wurde nur der Grundstein gelegt. Mitte dieses Jahres ist Apple mit dem iPhone X auf den Augmented-Reality-Zug aufgesprungen und hat ihn damit noch einmal ordentlich angeheizt.

Breitbandbüro des Bundes: Wie verändert sich die Erzählweise eines Videos durch VR, AR und 360°-Perspektive?
Tim B. Frank: In einem klassischen Film entscheidet der Kameramann, was der Betrachter sieht — der Zuschauer ist dem komplett ausgeliefert. Im 360°-Video kann er dagegen in alle Richtungen blicken, verpasst dadurch aber eventuell die Handlung, wenn er gerade in die falsche Richtung schaut. Hier helfen uns Tricks aus dem Theater und der Spieleentwicklung weiter: Wir schreiben dem Betrachter nicht vor, wo er hinschauen soll, sondern machen die wichtigen Inhalte durch Bewegungen, Farbigkeit, Beleuchtung, Raumakustik und Blickführung interessant und reduzieren die Reize in den übrigen Bildbereichen. Dadurch leiten wir den Betrachter suggestiv durch die Handlung.

Breitbandbüro des Bundes: Mit welchen Herausforderungen der Digitalisierung haben Sie sich bei Ihrer Arbeit auseinanderzusetzen?
Tim B. Frank: Die Datenmengen von 360°-Produktionen sind enorm größer als bei klassischen Filmen. Während üblicherweise ein Film in einer Auflösung von maximal 4k (ca. 4.000 horizontale Bildpunkte) produziert wird, arbeiten wir bei 360°-Filmen mit zweimal 8k (ein 8k-Bild pro Auge). Nach der Aufzeichnung muss das Rohmaterial für die Postproduktion aufbereitet werden („Stitching“), wodurch noch einmal riesige Datenmengen anfallen. Verwenden wir dann noch mehrere Kameras, fallen für ein mittelgroßes Projekt schon mal Datenmengen von vier bis acht Terrabyte an. Um diese Daten bewältigen zu können, benötigen wir die neuesten Festplatten- und Computertechnologien. Unsere Kunden sind in ganz Europa angesiedelt. Für Absprachen müssen wir Teile unserer Projekte per Internet zu unseren Kunden schicken. Daher ist das Internet für uns der Flaschenhals in der Produktionskette.

Breitbandbüro des Bundes: Wie profitiert VRtual X konkret von dem Breitbandausbau?
Tim B. Frank: Der Breitbandausbau ist für uns nicht nur eine große Erleichterung in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden, sondern macht bestimmte Anwendungen für uns erst möglich: Für 360°-Liveübertragungen fallen große Datenmengen an, die verzögerungsfrei vom Veranstaltungsort zum Endanwender übertragen werden müssen – egal wo beide sich befinden. Momentan ist das noch unser größter Risikofaktor bei der Planung solcher Events. Der Breitbandausbau ist also für uns entscheidend, um in Deutschland bei dem weltweiten Wettlauf um die großen 360°-Live-Produktionen mitzuhalten.

Breitbandbüro des Bundes: Wagen Sie für uns bitte einen kurzen Blick in die Zukunft von Virtual und Augmented Reality.
Tim B. Frank: 360°-Video, Virtual Reality und Augmented Reality fangen gerade erst an, massentauglich zu werden. In zehn Jahren wird das, was wir heute im Bereich AR und VR machen, uns vorkommen wie die zweite Generation der Smartphones. Während die Virtual Reality auch in Zukunft eher für Spezialanwendungen genutzt wird (Ausstellungen, Computerspiele, Ausbildung, Therapie etc.), sind von der Augmented Reality – durch Smartphones und alltagstaugliche HoloLens-Brillen – Massenanwendungen zu erwarten wie z. B. Navigation, Montageanleitungen, virtuelle Anproben und allgemeine Unterstützung im Alltag. Ich denke, dass 2018 der Siegeszug von Augmented Realitiy sein wird und spätestens 2020 die meisten mittelständischen und großen Unternehmen mit AR und auch VR so selbstverständlich umgehen werden, wie mit einer Firmenwebsite.


Foto: Tim B. Frank, Geschäftsführer VRtual X GmbH.
Fotocredit: Matthias Haupt.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.



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