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„Die Digitalisierung bietet ungeahnte Möglichkeiten in der Projektabwicklung“

Die KKA GmbH ist ein weltweit agierender Hersteller von Produktionsanlagen zur Veredelung bahnförmiger Materialien. Zu den Maschinen, die das in Gölzau (Sachsen-Anhalt) ansässige Unternehmen fertigt, gehören Beschichtungswerke, innovative Trocknungssysteme und Druckanlagen. Mit Ingolf Uber, Managing Director bei KKA, sprachen wir über den Einsatz von Digitalisierung in seinem Unternehmen.

Breitbandbüro des Bundes: Die KKA GmbH ist ein weltweit agierendes Unternehmen für Produktionsanlagen.  Aus welchen Gründen ist Digitalisierung für Ihr Unternehmen ein Thema?
Ingolf Uber: Die KKA ist ein sehr exportorientiertes Unternehmen. 80 Prozent unserer Maschinen und Anlagen exportieren wir in die ganze Welt. Einer unserer Hauptmärkte ist hierbei der nordamerikanische Kontinent. Dieser Markt ist aus unserer Erfahrung Vorreiter im Hinblick auf die Nutzung neuer digitaler Technologien. Schon allein die geografische Größe, verteilt über mehrere Zeitzonen, erfordert in der unternehmensinternen Kommunikation unserer Kunden immer neue Lösungen. Dieser sich immer erneuernde Standard wird natürlich auch in der Kommunikation zu den Maschinenlieferanten vorausgesetzt. Hier darf man als Vertreter deutscher Technologie nicht ins Hintertreffen gelangen. Dementsprechend ist der Druck natürlich groß, permanent die Anforderungen zu übertreffen. Dies entspricht natürlich auch unserem eigenen Anspruch, dem unserer Mitarbeiter und natürlich auch dem unserer Lieferanten.
Die Digitalisierung bietet ungeahnte Möglichkeiten in der Projektabwicklung. Dabei ist die Konstruktion in 3-D schon eine Selbstverständlichkeit. Virtual Reality-Maschinenrundgänge sind möglich, bevor überhaupt eine Komponente gefertigt wurde. Live-Konferenzen in einer dreidimensionalen Umgebung können – neben der zu besprechenden Maschine – über mehrere Kontinente verteilt durchgeführt werden. Es existieren neue Fertigungsverfahren mit Teilen oder gar beweglichen Baugruppen, direkt und funktionsfähig aus einem 3-D-Drucker ebenso wie Maschinen, die ihren eigenen Zustand analysieren und den Serviceeinsatz auslösen bevor es zu einem Problem kommt. Auch ferngesteuerte Serviceeinsätze über Datenbrillen, bei denen der Kunde mit einen Servicemitarbeiter in Echtzeit die Probleme begutachtet und Lösungen anleitet, sind möglich. All diese Technologien sind bereits existent oder stehen kurz bevor.

Breitbandbüro des Bundes: Ihr Unternehmen setzt bei der Herstellung hochwertiger Produktionsanlagen auf Engineering Tools wie 3-D_CAD (computer-aided design) und FEM-Analysen (Finite-Elemente-Methode). Welche Vorteile bietet Ihnen der Einsatz digitaler Lösungen?
Ingolf Uber: Der Einsatz digitaler Lösungen ist in unserem Geschäftsbereich schon seit mehr als 20 Jahren Standard. Seit 10 Jahren setzen wir die 3-D-Konstruktion und damit verbundene FEM-Analysen ein. Der Vorteil solcher Systeme liegt in der deutlich besseren Früherkennung von konstruktiven Problemen wie Kollisionen und Instabilitäten. Zudem ermöglichen die Systeme dem Endkunden einen besseren Blick auf die Anlage. Im Bereich Marketing zeichnen sich die 3-D-Modelle, nach ihrer Aufbereitung in diversen Render-Programmen (Erstellung einer Grafik aus einer Skizze, einem Modell oder Rohdaten), als ein hilfreiches Mittel aus, um neue Kunden von unseren Produkten zu überzeugen.

Breitbandbüro des Bundes: Welche Herausforderungen haben Sie hierfür bewältigen müssen?
Ingolf Uber: Mit größer werdendem Datenvolumen, durch immer steigende Komplexität, zeigt sich zunehmend ein Engpass im Bereich des Datenaustausches. Zudem erfordert der Einsatz modernster 3-D-Programme auch immer die modernste Rechentechnik. Hier muss unser Unternehmen in regelmäßigen Abständen aktualisieren.

Breitbandbüro des Bundes: Welche digitalen Innovationen würden Sie gerne zukünftig im Unternehmen umsetzen?
Ingolf Uber: Wir arbeiten zurzeit an verschiedensten Technologien wie der Virtual Reality. Wir versuchen, eine Plattform zur Visualisierung unserer Anlagen in digitaler Realität aufzubauen. Neben dem 3-D-Print als Marketinginstrument, wird diese Technologie in nicht allzu ferner Zukunft auch in unseren Produktionsprozess integriert werden.

Breitbandbüro des Bundes: Welche Unterstützung erhoffen Sie sich von der Politik beim Thema Digitalisierung?
Ingolf Uber: Die Politik muss nicht nur die technologischen Grundvoraussetzungen zur Digitalisierung schaffen. Aus meiner Sicht ist es unabdingbar, dass ein Umfeld erschaffen wird, das es Start-up-Unternehmern ermöglicht, ihre risikobehafteten Ideen umsetzen zu können. Aus gesellschaftlicher und haftungstechnischer Sicht ist dies in unserer deutschen Umgebung kaum möglich. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Ohne Risiko und ohne einen entsprechenden Umgang mit den Gefahren wird es keinen Fortschritt geben. Dies trifft vollumfänglich auf die zunehmende Automatisierung in allen Lebensbereichen zu. Selbstfahrende Autos, eigenständige Maschinen, autonome Liefernetze (Drohnen, etc.) sind hier nur populäre Beispiele. Hierfür müssen die Rahmenbedingungen in Bezug auf die Gesetzgebung und Versicherer geregelt werden. Zweifelsohne werden sich in naher Zukunft weitere Berufsfelder durch digitale, automatisierte Lösungen ändern. Arbeitsmarkt und Berufstätige werden sich anpassen müssen. Die dabei neu entstehenden Berufe benötigen einen hohen Grad an Wissen. Der Grundstein für dieses Wissen müsste jedoch schon längst in den Schulen gelegt werden. Hier sehe ich das größte Defizit und die größten Herausforderungen. Hierfür ist der Großteil unserer Schulen nicht entsprechend ausgerüstet.


Foto oben: Günter Uber (Geschäftsführer KKA GmbH, vorne) und Ingolf Uber (Managing Director KKA GmbH, hinten) vor einer von der KKA GmbH gefertigten Maschine.
Fotocredit: KKA GmbH.
Fotos unten: Produktionsanlagen, hergestellt von der KKA GmbH.
Fotocredit: KKA GmbH.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.



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