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Digitalisierung heißt Freiheit und Engagement

Digitale Transformation, das bedeutet nicht nur Automatisierung, Cloudanwendungen und Datenfluten, sondern auch völlig neue Optionen, Arbeit zu gestalten. Mobilität und zeitliche Unabhängigkeit sind dabei die offensichtlichsten Aspekte. Das Büro immer dabeizuhaben ist heute beinahe schon Normalität. Wir haben eine Unternehmerin kennengelernt, die den Zugewinn an Freiheit durch die Digitalisierung sehr schätzt. Mit der Ideenspinnerei verwirklicht Birgit Meusel ihre ganz persönliche Vorstellung unabhängigen Arbeitens und zeigt dabei, wie gut dies im digitalen Zeitalter funktionieren kann. Wir erfuhren Details von der engagierten Social Media-, Projekt- und Netzwerkexpertin aus Erfurt, für die Beteiligung ein Schlüsselwort bei der positiven Bewertung des Digitalisierungsprozesses ist.


Breitbandbüro des Bundes: Frau Meusel, Ihr Unternehmen hört auf den eingängigen Namen „Ideenspinnerei“. Wie kam es zu dieser Bezeichnung und was verbirgt sich dahinter konkret?

Birgit Meusel: Ich bin in meiner zweiten Rolle politische Beraterin. Immer wenn ich zu Projekten gerufen wurde, hieß es: „Frau Meusel, können wir mal ein bisschen zusammen spinnen, um Ideen, neue Wege oder Lösungen zu finden?“. So schien mir der Name Ideenspinnerei einfach passend zu sein, denn er umschreibt das, was ich in den drei Bereichen des Unternehmens mache: Im Bereich „Projektmanagement“ neue Lösungen finden, Wege testen, Ideen ausprobieren. Im Bereich „Evaluation“ geeignete Strategien und Konzepte für individuelle Erhebungen mit meinen KlientInnen zusammen spinnen und im Bereich „Social Media-Strategie“ neue PR-Konzepte denken, neue Wege einschlagen, Ideen für UnternehmerInnen und ihre Kommunikationsstrategien partizipativ mit den Beschäftigten oder ehrenamtlichen MitarbeiterInnen denken und bestenfalls umsetzen. Da ich viel im Bereich „Non-Profit und Mittelstand“ unterwegs bin, sind da natürlich monetäre und humane Ressourcen nicht unerheblich. Aber, um es mit Mark Twain zu sagen: „Jeder Mensch mit einer neuen Idee ist ein Spinner, bis die Idee Erfolg hat.“ Und das trifft auf alle innovativen Tätigkeiten der Ideenspinnerei zu – für jedes Anliegen gibt es eine individuelle Lösung oder mehrere.

BBB: Welche Rolle spielt für Sie als Unternehmerin die Digitalisierung?

BM: Als ich mich das erste Mal selbstständig gemacht habe, direkt nach dem Studium, war alles, was ich brauchte ein Laptop, Internetzugang und mein Kopf. Praktischerweise hatte mir die Uni gerade bestätigt, dass ich in der Lage war meinen Kopf zum Denken einsetzen zu können; einen Rechner und Internetzugang hatte ich auch, also konnte es losgehen. Klar, hier und da mal eine aktuelle Software, eine neue Festplatte, eine gute Kamera oder ein schnelleres Smartphone – aber das sind Dinge, die ich sowieso benötige.

Im Prinzip erfasse ich meine Arbeitszeiten für alle Projekte digital. Meine Kontoführung ist digital – weil die ortsansässigen Sparkassen einfach zu unattraktive und teure Konditionen haben. Meine Notizen schreibe ich zwar noch ganz klassisch in Notizhefte, aber das Endergebnis ist immer digital verfügbar. Ob als Blogbeitrag, Analyse, Schriftstück, Protokoll – selbst Rechnungen versende ich in der Regel ohne sie zu drucken. Wenn ich qualitative Analysen mache, verwende ich Software um die Interviews auszuwerten, die Interviews werden natürlich digital aufgezeichnet. Bei quantitativen Evaluationen mit klassischen Fragebögen werden diese von meinen GeschäftspartnerInnen digital eingelesen und so schon zusammengefasst. Das ist eine sehr effektive Arbeitszeiterleichterung. Workshops oder Vorträge, basieren in der Regel auf digitalen Hilfsmitteln. Da ich meistens über digitale Themen referiere, ist das für die Menschen in den Workshops auch völlig normal.

Kurz: Auch heute nach fast sechs Jahren Selbstständigkeit und der bereits zweiten Gründung ist eigentlich immer noch alles, was ich benötige: Kopf, Laptop/Smartphone und Internetzugang. Damit bin ich eigentlich jederzeit und überall orts- und grenzunabhängig arbeitsfähig, wenn ich es möchte. Das Einzige, was bei mir nicht digital geht, ist die Terminplanung, da habe ich noch kein besseres Modell als den alten Terminkalender gefunden, in dem ich händisch meine beruflichen, familiären und ehrenamtlichen Aktivitäten koordiniere – da sind mir alle digitalen Hilfsmittel noch nicht gut genug auf mich zugeschnitten oder auf die Dauer zu teuer.

BBB: Viele Menschen stehen der Digitalisierung heute skeptisch gegenüber, andere sehen vor allem die Chancen und Erleichterungen. Wo würden Sie sich persönlich in diesem Spektrum einordnen und warum?

BM: Ich bin ganz klar Befürworterin der Digitalisierung, sofern der Datenschutz adäquat berücksichtigt wird. In Thüringen ist die Gebietsreform gerade ein heißes Thema. Im Rahmen digitaler Ämter sehe ich hier unglaublich viel Potenzial um mit Hilfe von E-Governement Erleichterungen zu erzeugen. Natürlich muss es auch dezentrale Verwaltungseinheiten geben, nach Möglichkeit mobile, damit die Menschen in den ländlichen Regionen nicht zwei Stunden zum nächsten Amt fahren müssen. Aber wenn solche mobile Einheiten über digitale Möglichkeiten vernetzt sind und so mehr Lebensqualität bringen, uns gegebenenfalls Kosten in der Verwaltung sparen können, dann wäre das doch für alle Akteure – Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft – erstrebenswert.
Auch im Bereich Schule sehe ich viele Möglichkeiten, aber zu wenig Geld für die nötigen Investitionen in Mensch und Material. Auch hier müssen die Gefahren digitaler Kommunikation besser vermittelt werden. Viele PädagogInnen oder Eltern schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie von Facebook, WhatsApp, Onlinespielen oder anderen digitalen Vernetzungsportalen hören. Dabei ist das realer Alltag für Kinder und Jugendliche. Ich finde es unverantwortlich, sich nicht damit auseinanderzusetzen und die Kinder in diesem digitalen Raum sich selbst und potentiellen StraftäterInnen zu überlassen. Auf dem Schulgelände und im Elternhaus sind Fremde unerwünscht. Aber über die Smartphones sind die Kinder und Jugendlichen längst in den eigentlichen Schutzräumen für StraftäterInnen jederzeit erreichbar.

Dennoch sehe ich mehr Positives in der Digitalisierung. Sie ist eben das, was wir daraus machen. Das Auto war zunächst auch neu und befremdlich, es gab Unfälle bis sich alle auf die Straßenverkehrsordnung geeinigt haben und man einsah, dass Autofahren erst erlernt werden muss, bevor man am Straßenverkehr teilnehmen kann und darf. Bei vielen digitalen Kommunikationsmitteln ist das gänzlich anders. Da lassen wir, sinnbildlich gesprochen, Kleinkinder auf Bobby-Cars auf die Rennstrecke mit bestmöglich ausgestatten Rennwagen. Das kann nur Unfälle geben – und da sind wir alle in der Verantwortung vorzubeugen. Wir brauchen eine Netzkultur, eine digitale Ethik und einen konstruktive-kritischen digitalen Diskurs.

BBB: Geben Sie für uns gerne einmal die Ideenspinnerin und schauen Sie in die Zukunft: Was sind für Sie als Unternehmerin die nächsten spannenden Entwicklungsschritte bei der digitalen Transformation?

BM: Ich freue mich auf mehr KlientInnen aus Thüringen. Meine KlientInnen kommen noch zu großen Teilen aus allen anderen Bundesländern. Ich freue mich darauf, die Geschäfte am Standort Erfurt beziehungsweise in Thüringen verstärkt auszubauen. Aktuell sind die Unternehmen hier in der Region noch sehr zögerlich und vorsichtig beim Einsatz von digitalen Kommunikationsmitteln oder sozialen Plattformen. Da geht noch was. Auch in den Bereichen Analyse, Evaluation oder Projektmanagement gibt es viele digitale Hilfsmittel, die zum Einsatz kommen könnten – sofern man sich traut und den Mehrwert für das eigene Unternehmen, den Verein oder die Organisation erkennt. Ein aktuelles Projekt von mir soll eine drohnengestützte Quartiersanalyse werden. Das ist aufgrund der Genehmigungen und Technik natürlich etwas aufwändiger, bietet aber auch einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert im sozialen Kontext.

BBB: Bitte vervollständigen Sie den Satz: „Digitalisierung ist für mich…“.

BM: … die Lebensqualität, meinen Lebensentwurf so gestalten zu können, wie ich es für mich und meine Familie möchte. Ohne digitale Kommunikationsmittel und Möglichkeiten, Arbeit anders als im „9 to 5“-Job zu erledigen, ist diese Lebensqualität für mich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht erreichbar. Ich organisiere auch ehrenamtliche Tätigkeiten online, zum Beispiel in einer Gruppe aus über 2000 Frauen, die ich mit fünf weiteren Frauen aus insgesamt drei Ländern betreue und administriere. Ich habe darüber Frauen vor Ort kennen gelernt im „realen Leben“ – und kann mich mit vielen anderen – egal wo sie leben oder herkommen, was sie sonst so im Alltag machen – digital austauschen. Digitales Engagement ist dazu ein weiteres Stichwort und eins meiner Herzthemen. Denn nur wenn wir uns auch digital einbringen, können wir den sozialen Charakter in den sozialen Netzwerken aufrechterhalten. Auch das ist für mich Lebensqualität: Beteiligung und Wahlfreiheit – das alles ist für mich Digitalisierung.


Fotos: Birgit Meusel/Ideenspinnerei

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.



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