Handwerk trifft Digitalisierung

Auch im klassischen Handwerk hat die Digitalisierung mittlerweile Einzug gehalten. Wir schauten uns dies mit der Informationskampagne vor ein paar Wochen im mecklenburgischen Rehna bei der Tischlerei Eigenstetter im Detail an.

Der Handwerksbetrieb fertigt seit über 25 Jahren vielfältige Möbel, Türen und Fenster. Wir sprachen mit Martin Eigenstetter, Projektingenieur bei der Tischlerei Eigenstetter GmbH, über den Zusammenhang von Digitalisierung und Tischlerhandwerk.


Breitbandbüro des Bundes: Unter einer Tischlerei verstehen viele nach wie vor einen traditionellen Handwerksbetrieb. Passt diese Vorstellung heute noch und wie würden Sie die Tischlerei Eigenstetter an dieser Stelle einordnen?

Martin Eigenstetter: Prinzipiell passt diese Sichtweise schon noch. Alte Handwerkstugenden wie Erfahrung und eine große Menge taziten Wissens – also diejenige Form des Könnens, die man nicht genau erklären kann, bei der man nicht in jedem Fall in der Lage ist, zu erklären, wie und warum etwas genauso und nicht anders funktioniert – sind nach wie vor die prägenden Elemente. Moderne Formen der Fertigung, die auf extensivem CAD-CAM-Einsatz beruhen, ergänzen diese notwendigen, althergebrachten Kompetenzen lediglich.

BBB: Können Sie uns erläutern, welche Rolle Digitalisierung ganz konkret bei Ihnen im Unternehmen spielt?

Martin Eigenstetter: Wir versuchen ein Alleinstellungsmerkmal einerseits dadurch zu erreichen, dass wir herkömmliche anspruchsvolle Produkte durch intelligenten Einsatz von CNC-Technik effizienter herstellen können. Andererseits versuchen wir komplizierte Formen für Kunden entweder zu erstellen oder mit viel Engineering Know-how weiterzuverarbeiten und dann eine Komplettlösung bis zum physischen Fertigprodukt zu bieten. Digitale Prozesse unterstützen uns hier bei der Planung und Durchführung unserer Produktion.

BBB: Auf der Website der Tischlerei ist vor allem von Qualität und Individualität der Produkte die Rede. Sind dies nicht Eigenschaften, die ohne digitale Prozesse besser zu realisieren sind, weil sie vor allem auf der Erfahrung des ausführenden Handwerkers beruhen?

Martin Eigenstetter: In der Tat gehören gegenwärtig beide Welten, die des klassischen Handwerks und die der modernen digitalen Prozesse, zusammen. Sie befruchten sich gewissermaßen in komplementärer Weise und ermöglichen so neue Herstellungsverfahren, die ohne eine dieser beiden Sphären nicht realisierbar wären. Um qualitativ hochwertige, zeitgemäße Produkte zu produzieren benötigen wir in unserem Tischlereibetrieb also sowohl individuell hervorragende handwerkliche Fähigkeiten als auch moderne, digitale Technologien.

BBB: Was denken Sie, wie wird sich das Tischlerhandwerk/Ihre Branche eingedenk der digitalen Transformation in Zukunft (weiter-)entwickeln?

Martin Eigenstetter: Es ist schwer, hier eine genaue Prognose abzugeben. Ich denke es kommt weniger darauf an, mit Zwang auf neue Technologien zu setzen. Vielmehr muss jeder Betrieb für sich entscheiden, was Sinn macht und welcher Weg gegangen werden soll. Eine Hauptfolge der digitalen Transformation könnte daher sicherlich eine deutliche Zunahme der Vielfalt und der Spezialisierung innerhalb der Branche sein.

BBB: Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: „Digitalisierung bedeutet für mich…“

Martin Eigenstetter: Digitalisierung ist die vielgestaltige Wanderung der Dinge von der dinglichen in die informationelle Sphäre.

BBB: Herr Eigenstetter, vielen Dank für das Gespräch.


Foto oben: Das Informationsmobil vor der Tischlerie Eigenstetter in Rehna am 07.08.2017.
Fotocredit: BBB/Jens Gowasch.
Fotos unten: Eindrücke aus der Tischlerei Eigenstetter.
Fotocredits: Tischlerei Eigenstetter.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.



Breitbandbüro des Bundes
T 030 60 40 40 6-0
F 030 60 40 40 6-40
E kontakt(at)breitbandbuero.de



Postanschrift
Postfach 64 01 13
10047 Berlin