• Startseite
  • „Um effektiv zu kommunizieren, ist es notwendig, in allen Dimensionen mit der passenden Geschichte aufzutauchen“

„Um effektiv zu kommunizieren, ist es notwendig, in allen Dimensionen mit der passenden Geschichte aufzutauchen“

Thomas Wendt ist Kommunikations- und Marketing-Stratege für diverse Unternehmen aus der Instrumenten- und Pro-Audio-Branche, gleichzeitig Multiplikator in der Musikszene. Sein Netzwerk in der HiTech Musikbranche ist groß und gut. Grundlage dafür ist sein weiter thematischer Horizont, den sich Wendt im Laufe seines vielfältigen beruflichen Werdegangs erworben hat. In allen seiner Beschäftigungen hatte Wendt Berührungspunkte mit Computertechnologie, weshalb der Unternehmensgründer (Integrative Concepts) seine Kunden insbesondere im digitalen Kommunikationsmanagement berät. Thomas Wendt versteht den Computer wie auch das Internet als Werkzeuge für die kreative Arbeit und hat die Entwicklung der Digitalisierung von unterschiedlichen beruflichen Standorten aus kennengelernt. Daneben steht er auch als Musiker auf der Bühne und produziert eigene Alben (zum Album von Tom Wendt auf Spotify). Wir haben uns mit ihm unterhalten.


Breitbandbüro des Bundes: Sie haben einen sehr breiten beruflichen Background – u. a. als Musiker, Computerprogrammierer, Toningenieur sowie PR- und Kommunikationsstratege. In welchen dieser Bereiche hat sich Ihrer Meinung nach die Digitalisierung in den letzten Jahren am stärksten entwickelt?

Thomas Wendt: In allen Bereichen. Für Musiker sind mittlerweile vom Gitarrenverstärker, Konzertflügel, Sampler bis zum vollständigen Orchester alle Instrumente auch digital darstellbar. Für die Softwareentwickler stehen Entwicklungsumgebungen zur Verfügung, die das Programmieren in vielen Bereichen unterstützen. In Tonstudios und für den Livebetrieb stehen Toningenieuren ebenfalls „alle Tools der Welt“ zur Verfügung, verdichtet und maximal skalierbar, so etwa in Digitalmischpulten: 96 Instrumentenkanäle kommen über ein Kabel im Mischpult an. PR und Kommunikation schließlich finden schon lange digital statt: Bilder, Audio, Video, Skype-Meetings und als Wichtigstes, das Storytelling. Produktionsmittel, die früher nur den Medienunternehmen zur Verfügung standen, sind durch die Digitalisierung jedem durch sein Telefon zugänglich. Es liegt jetzt nur noch am Menschen, Produktionsmittel sind keine Ausrede mehr. Hans Zimmer sagt in seiner Masterclass: „A kid from the Bronx with an iPad can create the score for a Blockbuster!“

Breitbandbüro des Bundes: Sie gestalten für die Musikbranche Kommunikationskonzepte und sprechen von „4D Communication“. Was können wir uns darunter konkret vorstellen?

Thomas Wendt: Die Welt hat sich sehr verändert. Neben Print, TV und Hörfunk gibt es die verschiedenen Kanäle des Internets wie YouTube, Facebook, Twitter, Snapchat oder Blogs. Um effektiv zu kommunizieren, ist es notwendig, in allen Dimensionen und zum richtigen Zeitpunkt (die vierte Dimension) mit der passenden Geschichte aufzutauchen. Während in einer Print-Kampagne das Produkt kontinuierlich durchgesetzt wird findet gleichzeitig eine Testimonial-Serie auf Videoplattformen statt, die parallel in den Social-Media-Kanälen beworben wird. Punktuell platziert auf dem Zeitstrahl gibt es dazu TV- oder Radiobeiträge. Das heißt, die Unternehmensnachrichten müssen für unterschiedliche Medien aufbereitet vorliegen und nach einem strategischen Redaktionsplan platziert werden. Dadurch und mit Hilfe der Digitalisierung ist man jederzeit bereit für spontane Änderungen, z. B. den Einsatz von Krisen-PR.

Breitbandbüro des Bundes: Mit welchen digitalen Hilfsmitteln arbeiten Sie selber als Musiker „Tom Wendt“ im Studio und auf der Bühne?

Thomas Wendt: Es ist heute sehr gut möglich sein Hobby relativ professionell zu leben. Ein aktueller Laptop mit einer Software für 300 Euro bildet heutzutage ein komplettes digitales Aufnahmestudio ab, mit Drum Machines, Samplern, Orchestersounds etc. Ein Interface zum Anschluss von Keyboards, Mikrofonen und Gitarren gibt es schon für 200 Euro. Eine Songidee ist damit schnell skizziert. Um diese Skizze herum entwirft man das Arrangement mit Beats, Bass, Sounds, Effekten. Die Musik verlässt nie die digitale Ebene. Sie wird im Rechner gemischt, gemastert und kann direkt auf den digitalen Kanälen veröffentlicht werden. Auf der Bühne spielt man virtuelle Instrumente aus dem Rechner. Ich selbst spiele Gitarre über einen digitalen Verstärker und bin schon nur mit meinem Smartphone aufgetreten. Zusätzlich kann man mit dem Tablet einen digitalen Mixer mit professionellen Effekten steuern. Ich sehe auch hier die völlige Demokratisierung der Produktionsmittel mit folgender Konsequenz: Es gibt keine Ausreden mehr: Der Mensch macht den Unterschied, nicht das Equipment.

Breitbandbüro des Bundes: Blicken Sie gerne in die Zukunft Ihrer Branche: Wohin wird die Entwicklung der Arbeitswerkzeuge für Mediengestalter wie Sie gehen?

Thomas Wendt: Die Demokratisierung der Produktionsmittel schreitet weiter voran. Derjenige, der mit einem Smartphone eine Geschichte in Ton und Bild erzählt, steht dem TV-Team mit großem technischem Aufwand in nichts nach. Was zählt ist das Resultat und letztendlich die Reichweite. Wer hunderttausende Abonnenten auf seinem YouTube-Kanal hat, ist unter Umständen bald relevanter als die Tagesthemen. Doch darin liegt auch die Gefahr: Nicht alles, was für den einzelnen möglich ist, führt unbedingt zu etwas Gutem. Auch hier macht der Mensch den Unterschied. Diejenigen mit Hintergrundwissen und sozialer Verantwortung, sollten mehr Publikum erreichen als demagogische Schreihälse. Für mich heißt das vor allem, dass die 4-dimensionale Medienkompetenz der Menschen unbedingt gefördert und geschult werden muss.


Foto: Thomas Wendt, Gründer & Geschäftsführer von Integrative Concepts.
Fotocredit: Thomas Wendt / Integrative Concepts.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.



Breitbandbüro des Bundes
T 030 60 40 40 6-0
F 030 60 40 40 6-40
E kontakt(at)breitbandbuero.de



Postanschrift
Postfach 64 01 13
10047 Berlin