• Startseite
  • „Wenn wir über optimierte digitale Verwaltung reden, ist mehr Breitband erforderlich“ – Interview mit Jörg-Peter Nowack, Ortsamtsleiter Blumenthal

„Wenn wir über optimierte digitale Verwaltung reden, ist mehr Breitband erforderlich“ – Interview mit Jörg-Peter Nowack, Ortsamtsleiter Blumenthal

Die Verkehrs-Infrastruktur des Bremer Stadtteils Blumenthal ist seit dem 29. Oktober 2017 um ein Objekt reicher. An diesem Tag wurde der Blumenthaler Busbahnhof eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Über seine Rolle für das Bremer Verkehrskonzept und Chancen, die sich aus E-Mobilität und dem Breitbandausbau für die Bremer Bevölkerung ergeben, sprachen wir mit dem Ortsamtsleiter von Blumenthal, Jörg-Peter Nowack.


Breitbandbüro des Bundes: Welche Bedeutung hat die Umgestaltung des Blumenthaler Busbahnhofs für das zukünftige Bremer Verkehrskonzept?
Jörg-Peter Nowack: Mit dem neuen Busbahnhof optimieren wir die Umsteigezeiten an einem Verkehrsknotenpunkt für tausende Pendler und weitere Nutzer des ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr). Wir sparen bei jedem Umsteigevorgang – insbesondere ins und vom Regio-S-Bahn-Netz – bis zu drei Minuten Wegezeit. Das wird dazu führen, dass wir auf Dauer mindestens auf einen, wahrscheinlich sogar auf zwei dieselbetriebene Gelenkbusse verzichten können. Damit sparen wir auf die Lebensdauer eines Busses mindestens eine Million Euro für Kauf und Betriebskosten und wir erreichen eine nachhaltige Wirkung für die Umwelt, weil wir erheblich weniger Schadstoffe emittieren. So leisten wir einen erheblichen Beitrag zu den Zielen des Bremer Verkehrskonzeptes ohne die Qualität für die Nutzer einzuschränken.

Breitbandbüro des Bundes: Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie für Bremen bei dem Thema E-Mobilität?
Jörg-Peter Nowack: E-Mobilität ist die große Herausforderung für die Zukunft. Es muss gelingen, den derzeitigen Strommix massiv zugunsten der erneuerbaren Energien zu verändern. Gerade die Nähe Bremens zur Nordsee schreit förmlich nach Nutzung des Windes zur Energieerzeugung. Diese Energie muss auch dazu genutzt werden, um Akkus für Pkw, Busse und Lastkraftwagen herzustellen und damit die CO2-Bilanz der E-Mobile zu verbessern. Bremen sollte Flächen für eine solche Fabrikationsanlage zur Verfügung stellen und seine Beteiligung am Energieerzeuger swb (Stadtwerke Bremen) nutzen, um ein Speicherkraftwerk zu bauen, damit die überschüssige Energie gespeichert werden kann. Parallel dazu muss die Ladeinfrastruktur verbessert werden und Fahrern von Elektroautos müssen deutliche Vorteile gegenüber anderen entstehen (z. B. geringere Nutzungsgebühren für innerstädtische Parkflächen u. ä.). Bremen hat durch den Werkssitz eines deutschen Automobilherstellers eine große Chance, auch bei der E-Mobilität in der Reihe der fortschrittlichen Großstädte ganz vorn zu landen.

Breitbandbüro des Bundes: Wie sehen Sie Bremen hinsichtlich der Integration digitaler Anwendungen im Städtevergleich aufgestellt?
Jörg-Peter Nowack: Bei den digitalen Anwendungen versucht Bremen derzeit eine Modernisierungskampagne. Es gibt noch deutlich „Luft nach oben“ wenn man betrachtet, wie weit wir mit digitaler Vernetzung der Behörden und der Möglichkeit digitaler Antragstellung und Bearbeitung durch und mit den Bürgern sind. Es gibt viele Städte, die dort bereits erheblich weiter sind, weil sie nicht in gleichem Maße mit der Finanzierung anderer Aufgaben belastet sind. Bremen ist durch die schwierige Lage als Stadtstaat und gleichzeitig als Oberzentrum für eine Region mit rund zwei Millionen Menschen durch die deutsche Politik schlechter gestellt als vergleichbare Großstädte. Eine gut funktionierende Digitalisierung erfordert hohe Investitionen in die digitale Infrastruktur und die Qualifizierung der Mitarbeiter.

Breitbandbüro des Bundes: Bei welchen zukünftigen Projekten wird die Bremer Bevölkerung von den Vorteilen des Breitbandausbaus profitieren?
Jörg-Peter Nowack: Eine flächendeckende Versorgung mit Breitband wird den Menschen helfen, sich in der zunehmend digitalisierten Welt besser zurecht zu finden und Chancen zu nutzen, die sich bieten. Besonders an den Rändern der Stadt gibt es noch erheblichen Nachholbedarf. Wenn jeder Haushalt über einen Breitbandanschluss verfügt, können berufstätige Menschen beispielsweise die Möglichkeit zur Tele-Heimarbeit nutzen und damit täglich lange Wege zum Arbeitsplatz und zurück sparen. Das hat zur Folge, dass sie die Arbeitszeit freier einteilen und insbesondere das Verhältnis von Familie und Beruf optimieren können. Gerade wenn wir über optimierte digitale Verwaltung nicht nur bei der Stadt, sondern auch bei Unternehmen reden, ist mehr Breitband erforderlich.


Foto: Jörg-Peter Nowack, Ortsamtsleiter Stadtteilmanagement, Blumenthal.
Fotocredit: Ortsamt Blumenthal.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.



Breitbandbüro des Bundes
T 030 60 40 40 6-0
F 030 60 40 40 6-40
E kontakt(at)breitbandbuero.de



Postanschrift
Postfach 64 01 13
10047 Berlin