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Kosten, Einnahmen und Rentabilität des Breitbandausbaus

Kosten

Beim Aufbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen sind nicht nur die erheblichen Investitionen in den Netzaufbau (Kapitalkosten – CapEx), sondern auch die späteren regelmäßig anfallenden Betriebskosten (OpEx) zu berücksichtigen.

Die Kosten für alle drei Wertschöpfungsstufen (Aufbau der passiven Infrastruktur, Betrieb der aktiven Infrastruktur, Angebot und Verwaltung von Diensten) eines Breitbandausbauprojektes setzen sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher Elemente zusammen.

Planungs- und Vorbereitungskosten

Bereits in der Planungs- und Vorbereitungszeit entstehen Kosten. Zu den Vorbereitungs- und Planungskosten gehören u. a. Aufwendungen für:

  • Bedarfsanalysen,
  • Markterkundung,
  • Machbarkeitsstudien,
  • sonstige Beratung wie z. B. Rechtsberatung.

Für die Netzplanung, z. B. die Planung eines Leerrohrnetzes, fallen weitere Kosten an. Netzplaner, Architekten und Bauingenieure fertigen entsprechende Pläne an und unterstützen bei der Formulierung von Ausschreibungen.

Es kann jedoch notwendig sein, aufgrund der Spezifika des Breitbandsektors besondere Anforderungen zu formulieren. Hierfür sind Kosten für Berater und Fachplaner einzukalkulieren. Auch Juristen werden oftmals für eine Prüfung des Trägermodells oder eines Vertragsabschlusses mit einem Anbieter herangezogen. Diese Kosten sollten ebenfalls in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einfließen.

Ein wesentlicher Anteil der Planungskosten kann als notwendig für die Herstellung der Infrastruktur angesehen werden und somit auch entsprechend bilanziell aktiviert werden. In einigen Förderprogrammen sind diese Kosten zuwendungsfähig, so dass die Beauftragung eines Fachberaters zur Qualitätssicherung erleichtert wird.

Investitions- und Betriebskosten – CapEx und OpEx

Für jede Wertschöpfungsstufe sind unterschiedliche Ausgaben notwendig, zum Beispiel für Tiefbauarbeiten und Materialkosten für Rohre und Kabel in der ersten Stufe, Mieten für Immobilien für Server und Verteiler in der zweiten Stufe oder Kundenbetreuung und Entwicklung von Diensten in der dritten Stufe. Diese Kosten lassen sich grundsätzlich in CapEx (Kapitalkosten) und OpEx (Betriebskosten) unterscheiden.

CapEx umfassen die Ausgaben für längerfristige Anlagegüter und damit Investitionen in die Ausstattung und grundlegende Infrastruktur für den Aufbau von Breitbandnetzen. Hierzu zählen mit wesentlichem Anteil auch die Kosten für die Baumaßnahmen (z. B. Ausheben von Erdreich, Verlegen der Kabel, Legen der Hausanschlüsse). Beispielsweise können diese beim Ausbau von FTTH-Netzen bis zu 70-80 Prozent der gesamten Investitionskosten betragen, wie es in den neuen Leitlinien der EU für die Anwendung der Vorschriften über staatliche Beihilfen im Zusammenhang mit dem schnellen Breitbandausbau (PDF) vom 26.01.2013 (Randziffer 29) beschrieben ist.

Unter OpEx werden dagegen sämtliche laufenden Kosten verstanden, die für den Betrieb eines Systems erforderlich sind. Dazu gehören auch Energiekosten, Mieten für Räumlichkeiten oder Anlagen, Personalkosten und Verbrauchsmaterialien.

Die wesentlichen Kostenelemente, die beim Breitbandausbau und -betrieb anfallen, sind zum besseren Verständnis der CapEx und OpEx in der folgenden Tabelle aufgeführt.

 CapEx (Kapitalkosten)OpEx (Betriebskosten)
Stufe 1:
Infrastruktur-/ Netzaufbau
  • Infrastrukturausbau (Erstinvestitionen):
    • Erdarbeiten
    • Leerrohre, Lichtwellenleiter
    • Herstellung der Verbindungsstrecken (Tiefbau etc.)
  • Erhaltungsinvestitionen
  • Erweiterungsinvestitionen
  • Instandhaltung und Entstörung
  • Energiekosten
  • Verwaltungskosten
    • Personal
    • Büro und Ausstattung
Stufe 2:
Netzbetrieb
  • Herstellung der Anschlüsse der ab Betriebsbeginn zu versorgenden Objekte (Hausanschlüsse)
  • Erhaltungsinvestitionen
  • Erweiterungsinvestitionen
  • Herstellung zusätzlicher Hausanschlüsse während der Laufzeit
  • Projektierung (Netzwerkplanung)
  • Immobilien für Server-/ Verteilerstandorte
  • Hardware
  • Erhaltungsinvestitionen
  • Instandhaltung und Entstörung
  • Energiekosten
  • Verwaltungskosten
  • Personal
  • Büro und Ausstattung
  • Leasing der aktiven Komponenten
  • Marketing und Vertrieb
Stufe 3:
Dienste
  • Serverinfrastruktur
  • Hardware

  • Dienstekonfiguration
  • Abrechnung/Fakturierung
  • Energiekosten
  • Verwaltungskosten
    • Personal
    • Büro und Ausstattung

  • Marketing und Vertrieb

Wertminderung und Abschreibungen

Viele der für den Breitbandausbau wichtigen Infrastrukturkomponenten sind sehr langlebig und erfahren aber dennoch einen stetigen Wertverlust. Die Abschreibungen für die Investitionsgüter sind Teil der CapEx.

Die Abschreibungszeiträume betragen bei vielen Komponenten im Telekommunikationsbereich 10 bis 20 Jahre. Während beispielsweise für Glasfaserkabel die Nutzungsdauer auf 20 Jahre angenommen wird, beträgt sie für technische Einrichtungen für Breitbandverteilnetze oder stationäre Antennenanlagen 10 Jahre. In der offiziellen AfA-Tabelle für den Wirtschaftszweig „Fernmeldedienste“ des Bundesministeriums der Finanzen (PDF) lassen sich jedoch nicht für alle relevanten Anlagegüter Hinweise zur veranschlagten Nutzungsdauer finden. Diese Angaben fehlen zum Beispiel für breitbandspezifische Leerrohre.

Für Leerrohre gilt es, plausible Abschreibungszeiträume zu definieren, zum Beispiel in Anlehnung an die in der AfA-Tabelle für die Energie- und Wasserversorgung (PDF) aufgeführten Nutzungszeiträume für Rohrleitungen und Kanäle. Generell wird die Nutzungsdauer durch die erwartete „Lebensdauer“ des verwendeten Materials bestimmt; im Falle von Leerrohren können diese mehr als 30 Jahre betragen.

Einnahmen

Die Möglichkeiten der Finanzierung eines Breitbandprojektes sind stark abhängig von den zu erwartenden Einnahmen. Einnahmen können in drei Bereichen erzielt werden:

  • Durch das Erheben von Entgelten bei den Endkunden
  • Durch das Vermieten der Infrastrukturen an weitere Anbieter der Stufe 2 (aktive Infrastruktur/Netzbetrieb) und der Stufe 3 (Dienste)
  • Durch das entgeltliche Anbieten von Diensten und Dienstleistungen über die geschaffene Infrastruktur

Welches Trägermodell für welche Kombination geeignet ist, finden Sie hier.

Zur Entscheidungsfindung wird eine Kosten-Nutzen- bzw. Wirtschaftlichkeitsrechnung durchgeführt. Damit können der personelle, organisatorische und finanzielle Aufwand für verschiedene Betriebs- und Vermarktungsszenarien ermittelt und verglichen werden. Potenzielle Investoren und Kreditgeber erwarten einen möglichst genauen Überblick und umfassende Analysen zu den zu erwartenden Einnahmen aus einem Ausbauprojekt.

Während einige Träger auf eine reine Amortisierung der Investitions- und laufenden Kosten abzielen (z. B. Bürgervereine, Kommunen), sind andere (v. a. kommerzielle Anbieter in der dritten Wertschöpfungsstufe) an der Erwirtschaftung von Überschüssen interessiert.

Rentabilität

Hat man sich einen Überblick über Kosten und Einnahmen eines Projektes verschafft, kann die Frage beantwortet werden, ob ein rentabler Ausbau möglich ist.

Durch das Verhältnis von investiertem Kapital zu den zu erwartenden Gewinnen wird die Rentabilität von Breitbandausbauprojekten ausgedrückt.

Zur Verbesserung der Rentabilität sollten in die Kalkulationen und Finanzplanungen von Breitbandausbauprojekten sowohl die Erschließungsgebiete einfließen, in denen mit geringen Investitionen und/oder guten Gewinnaussichten gerechnet wird, als auch solche Gebiete, in denen der finanzielle Aufwand zur Erschließung und Versorgung mit Internet und Diensten deutlich höher ist und Gewinne kaum oder zu einem späten Zeitpunkt erwartet werden können. Die Relation von Einnahmen und Ausgaben ist relevanter als die Höhe der Investitionen.

Die Erschließungsbereiche innerhalb eines Ausbauprojekts sollen sich in finanzieller Hinsicht möglichst gegenseitig ausgleichen. Dieser Ausgleich kann zum Beispiel durch ein aus investiver Sicht positiv zu bewertendes Gewerbegebiet zugunsten einer allein eher unrentablen und daher unattraktiven Wohnsiedlung erfolgen. Wichtig ist das positive Gesamtergebnis, das sowohl für den Anbieter/Investor, als auch für die Endkunden akzeptable Kosten aufweist.



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