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Meilensteine der Planung des Breitbandausbaus

Für die effiziente und zielführende Umsetzung eines Breitbandausbauvorhabens hat sich folgendes Schema bewährt:

Meilensteine Bild

Die Kommunen als Initiatoren des Ausbaus sollten in allen Phasen aktiv sein, um die Prozesse zu kontrollieren und in die gewünschten Bahnen zu lenken. Dabei ist es wichtig, dass die Mitarbeiter der Verwaltung permanent einen Überblick über den Prozess haben und diesen steuern. Oftmals ist für das Gelingen eines Projektes Beratung von außen notwendig, um zusätzliches, in den Kommunen nicht vorhandenes Know-how einzubringen und eine objektive Sicht auf Stärken und Schwächen, die Potenziale der Region und die notwendigen Schritte zu erhalten.

Die Landeskompetenzzentren und das Breitbandbüro des Bundes stehen als erste Ansprechpartner bereit, wenn ein Projekt initiiert wird.

Handlungspläne entwickeln und Prioritäten setzen

Dort, wo Kommunen sich für den Breitbandausbau engagieren, bestehen gute Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung. Die Aktivitäten der Kommune können alles, von der Initiierung und Planung des Prozesses, der dem Netzausbau vorgeschaltet ist, bis hin zur tatsächlichen Verlegung von passiver Netzinfrastruktur umfassen. Hier soll es zunächst um die Planungsprozesse gehen. Geschäfts- und Trägermodelle für den konkreten Ausbau mit und ohne öffentliche Beteiligung werden separat behandelt. Die Planung umfasst mehrere Aufgaben, die auf unterschiedlichen Verwaltungsebenen behandelt werden und hier im Überblick zusammengefasst werden:

Akteursebene 1:

Kommune
Akteursebene 2:

Landkreise oder andere Verwaltungsgemeinschaften
Akteursebene 3:

Länder und Landesbehörden
Benennung eines Breitbandpaten oder Breitbandverantwortlichen (z. B. Ehrenamt oder Bürgermeister)Benennung eines Breitbandkoordinators mit entsprechenden Kapazitäten (z. B. anteilige Arbeit der Wirtschaftsförderung des Landkreises)Einrichtung eines Landeskompetenzzentrums (und Benennung von externen Breitbandberatern)
Aufnahme von Geodaten des Gemeindegebietes, z. B. für die Erstellung eines Infrastrukturatlas oder eines BaustellenkatastersVerarbeitung von Geodaten der am Projekt beteiligten Gemeinden, z. B. für die Erstellung eines Infrastrukturatlas oder eines BaustellenkatastersRückkopplung mit Landesdaten sowie Landesinfrastrukturen und, falls vorhanden Austausch mit breitbandspezifischen Geodiensten
Organisation von BürgerworkshopsGespräche mit Anbietern und UnternehmenInformationsveranstaltungen zu aktuellen Themen
Durchführung von Umfragen, z. B. zur BedarfserhebungEinpflege der Daten in ein Geoinformationssystem, Auswertung der DatenErste Umsetzungsberatung bzw. Beratung zur Vorgehensweise
Organisation von Zugängen zu bereits vorhandenen örtlichen InfrastrukturenOrganisation von Zugängen zu eigenen Infrastrukturen, Zusammenfassung der Daten aus allen BereichenMöglichkeiten der Bereitstellung landeseigener Infrastrukturen
Überwachung der Umsetzung vor Ort bzw. zeitnahe Rückkopplung mit der Ebene 2Gespräche mit überregional verantwortlichen Stellen, z. B. Landeskompetenzzentrum, Anbieter, FördermittelstellenGespräche mit überregionalen Unternehmen und/oder Unternehmen anderer Sektoren, wie z. B. überregionaler Energieversorger
Gespräche und Kooperationsanbahnungen mit kommunalen VersorgernKoordination übergreifender Planungen, z. B. beim Zusammenschluss kommunaler UnternehmenOrganisation von Netzwerkveranstaltungen
Interne Projektorganisation

Nur wenige Kommunen haben direkt ausgewiesene Verantwortlichkeiten im Breitbandbereich. Der Breitbandausbau berührt viele Handlungsfelder, z. B. Finanzen, Bau, Soziales, Verwaltung, Bildung. Für interdisziplinäres Arbeiten und Handeln sollte eine interessierte Kommune daher zunächst interne Kompetenzen festlegen und Arbeitsgruppen/Projektteams für den Gesamtprozess bilden.

Tipp: Definieren Sie Verantwortlichkeiten und Kompetenzen. Identifizieren Sie potenzielle Partner und einigen Sie sich auf interne und externe Kommunikationswege. Binden Sie Ihre Bürger ein und bauen Sie ein System zur Qualitätskontrolle auf.

Festgelegte Verantwortlichkeiten, Aufgabenbereiche und Kompetenzen ermöglicht eine klare Zuordnung einzelner Arbeitsschritte. Zuständigkeiten müssen vor allem dort definiert werden, wo sie nicht selbstverständlich sind. So muss möglicherweise festgelegt werden, wer zuständig oder Ansprechpartner für die Öffentlichkeit sowie die Presse ist, wer mit bestimmten Stakeholdergruppen kommuniziert, wer die einzelnen Kommunikationsmittel betreut (z. B. Website, Social Media, Veranstaltungen, Pressemeldungen, Printprodukte etc.) und wer die interne Kommunikation leitet (z. B. Dokumentenmanagement, Intranet, Projektplattform, Organisation von Arbeitstreffen, Rundschreiben, Protokolle).

Je größer das Planungsgebiet und je komplexer die jeweiligen Verwaltungsstrukturen sind (z. B. in einem interkommunalen oder überregionalen Kooperationsprojekt), desto wichtiger ist die eindeutige Festlegung der Aufgabenbereiche und die Benennung von Verantwortlichen.

Tipp: Integrieren Sie den Breitbandausbau auf der kommunalen Website und stellen Sie dort die Ansprechpartner für Investoren und Anbieter vor.

Sobald die Aufgaben feststehen, ist zu entscheiden, ob bestimmte Bereiche besser durch externe Berater abgedeckt werden sollten. Das Leistungsspektrum von Beratern/Beratungsfirmen kann verschiedene Bereiche abdecken:

  • Breitbandinfrastrukturplanung
  • Modellentwicklung
  • Kostenstrukturierung inklusive der Fördermitteleinbindung
  • Erstellung von Machbarkeitsstudien und Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen inklusive Risikoanalyse
  • Erstellung von Ausschreibungsunterlagen
  • Begleitung des Ausschreibungsverfahrens bis zur Vertragsunterzeichnung
  • Projektsteuerung

Tipp: Bei der Auswahl eines externen Beraters ist darauf zu achten, dass diese einschlägige Kenntnisse der Materie und im besten Falle auch der Region vorweisen können. Außerdem sollte konkret festgelegt werden, für welche Planungs- oder Umsetzungsschritte externer Sachverstand notwendig ist. Das Breitbandbüro des Bundes bietet gemeinsam etwa mit Landeskompetenzzentren Seminare zum Kompetenzaufbau an. Bitte fragen Sie bei Ihrem Landeskompetenzzentrum nach, falls Sie Listen von Beratern benötigen.

Kommunikation und Partizipation

Wichtige Voraussetzung für die Erreichung hoher Anschlussquoten ist eine gezielte Ansprache der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen vor Ort. Im Rahmen einer umfassenden Kommunikationsstrategie müssen aber auch die übrigen Stakeholder einbezogen werden. Um Kommunikationsmaßnahmen systematisch zu planen und die unterschiedlichen Kommunikationsbedarfe zu identifizieren, sollte zu Beginn eine Liste aller Stakeholder erstellt werden. Ein darauf aufbauender Kommunikationsplan (siehe nachfolgende Tabelle) enthält Regeln, welche Informationen wann nach außen kommuniziert werden und wer intern jeweils einbezogen werden muss.

Inhalte eines beispielhaften Kommunikationsplans:

Informationen
ZielgruppenInhalte und Ziele
ProjektinhalteAlle Zielgruppen, vorrangig MedienFrühzeitige Schaffung von Akzeptanz und Gewinnung von Unterstützern für das Vorhaben durch Darstellung der Vorteile des Ausbaus und der Kosten für die Endkunden


Beiträge in der lokalen/regionalen Presse flankieren eine sinnvolle Kommunikationsarbeit, sofern Artikel in regelmäßigen Abständen publiziert werden, z.B. um die Beteiligung an einer Bedarfserhebung zu erhöhen
TechnologienAlle ZielgruppenAbbau von Ressentiments, Finden von Alternativen, Finden von Synergiemöglichkeiten, Identifikation tatsächlicher (technischer) Möglichkeiten durch Erläuterung von Vor- und Nachteilen der fraglichen Technologien
BaukostenInvestoren und EntscheiderZeit- und Kostenrahmen, Entscheidungshilfen, Finanzierung möglicher Projekte, wirtschaftliche Nachhaltigkeit
UmsetzungsphasenAlle ZielgruppenSicherstellung von Mitsprache, Vermittlung/Dokumentation der Fortschritte des Projektes, Diskussion und Entwicklung von Strategien
ProjektfortschrittAlle externen Zielgruppen; interne BeteiligteKontinuierlicher Überblick über den Ausbaustand, wirtschaftliche Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit, Identifikation weiterer Chancen durch Hochleistungsanschlüsse
UmsetzungspartnerEntscheider und ÖffentlichkeitNotwendigkeit und rechtliche Bedingungen der Bedarfsanalysen, Erfordernisse für Bürger, Unternehmen und Anbieter (z. B. Mindestanforderungen für Bandbreiten, Mindestanzahl an Endkunden), Teilen von Erfahrungswerten
Rechtliche BestimmungenEntscheider und Projektbeteiligte(Formal-)juristische Bedingungen der Bedarfsanalysen, Betreibermodell, Möglichkeiten und Hindernisse der Nutzung von Synergien

Die Projektbeteiligten können im weiteren Verlauf der Arbeit den Kommunikationsplan ergänzend zur Strukturierung der Arbeitsgruppen und Gremienarbeit nutzen. Kommunikationsmaßnahmen lassen sich in Abhängigkeit von Sitzungen der kommunalen Entscheidungsträger, Meilensteinen im Projektfortschritt und besonderen Anlässen planen.

Wichtig: Ein regelmäßiger Austausch während der gesamten Projektlaufzeit mit Vertretern der lokalen Presse trägt zur Akzeptanz des Projektes bei, auch wenn es beispielsweise zu Verzögerungen kommt.

Projektbegleitung

Eine gute Planung dient auch dazu, die Umsetzung eines Projekts zu überwachen und die Ergebnisse auszuwerten. Wichtig sind vor allem eine gute Dokumentation aller Arbeitsschritte und eine zielführende interne Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

Die Dokumentation sollte vor allem in größeren Projekten nach einer klaren Struktur erfolgen. Sie umfasst regelmäßige Berichte (z. B. Quartalsberichte), in denen die Arbeitspläne (Soll) mit dem tatsächlich Erreichten (Ist) abgeglichen und ausgewertet werden. Wird ein solcher Bericht regelmäßig erstellt und von den jeweils Verantwortlichen überprüft, können Hindernisse (z. B. Personalengpässe, finanzielle Fragen, Terminschwierigkeiten von Auftragnehmern etc.) frühzeitig erkannt, in die weiteren Planungen einbezogen und beseitigt werden.

Tipp: Während der Bauphase sollte ein fachkundiger Projektleiter des Auftraggebers den Prozess begleiten und den Fortschritt dokumentieren.

Zur Projektbegleitung gehört auch eine Evaluation zur Überprüfung der Prozesse. Sie wird in der Regel nach der halben Projektzeit und nach Beendigung des Projekts durchgeführt. Dabei werden zum einen die vorhandenen Dokumente und dokumentierten Prozesse analysiert und bewertet. Zum anderen sollten auch die an der Planung und Umsetzung Beteiligten in die Evaluation einbezogen werden, z. B. Anbieter und Bürgerinnen und Bürger im Rahmen von Runden Tischen oder Strategieworkshops.

Bedarfserhebung

Sind die internen Prozesse festgelegt und implementiert, müssen die Grundlagen für den erforderlichen Netzausbau gelegt werden. Die unterschiedlichen Erwartungshaltungen der einzelnen Zielgruppen (Mandat der AG Interoperabilität des NGA-Forums (PDF), Bundesnetzagentur, S. 4.) sind zu erfassen.

  • So erwarten z. B. alle Endkunden die Verfügbarkeit neuer webbasierter Dienste und Applikationen bei höherem Datendurchsatz und hoher Qualität sowohl bei Mobil- als auch bei Festnetzanschlüssen. Der Wunsch nach geringen Kosten und Wahlfreiheit von Diensten und Anbietern ist in allen Nutzergruppen stark ausgeprägt.
  • Gewerbliche Nutzer erwarten eine hohe Qualität der Dienste und Zuverlässigkeit. Sie benötigen z. B. symmetrische Verbindungen, die für Up- und Download die gleichen Übertragungsraten bereitstellen können.
  • Öffentliche Haushalte wie Städte und Gemeinden erwarten flächendeckend Zugänge zu Breitbandinternet, um für Einwohner und Betriebe attraktiv zu sein.
  • Für Anbieter von Infrastrukturen, Zugangs- und Anwendungsdiensten wollen ihren Kunden erfolgreich gute Produkte zu günstigen Preisen anbieten. Für sie stehen daher effiziente Strukturen im Vordergrund.

Mit der Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Ausbaumodell werden zugleich mögliche Kooperationspartner, der finanzielle Rahmen und die generelle, nachhaltige und damit zukunftsorientierte Ausrichtung näher bestimmt. Damit werden auch die Voraussetzungen für eine gezielte Kommunikation der Aktivitäten gegenüber den relevanten Zielgruppen geschaffen.

Bedarfsanalysen sollten jeweils am Anfang einer Ausbauplanung stehen. Sie sind ein wichtiges Instrument, mit dem Informationen über die Bedürfnisse der Endkunden gewonnen werden können.

Ziele der Bedarfsanalyse
  • Erwartungshaltungen der Endkunden kennen (Gegenwart und Prognose)
  • Grundlage für weitere Planungen schaffen (z. B. Machbarkeitsstudie)
  • Eingrenzung des unterversorgten Gebiets (in Ergänzung zu den Daten aus dem Breitbandatlas siehe GIS-basierte Planungswerkzeuge)

Bedarfsabfragen richten sich an potenzielle Endkunden im Versorgungsgebiet, also an die Bevölkerung, ansässige Unternehmen, Bildungseinrichtungen und öffentliche Institutionen. Die Bedarfsabfrage kann in Form eines Fragebogens dem örtlichen Amtsblatt beigelegt werden oder an jeden potenziellen Endkunden (in der Regel die Haushalte, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen) in der betroffenen Region postalisch versandt und/oder online zugänglich gemacht werden.

Inhaltlich sind insbesondere Fragen hinsichtlich

  • der aktuellen Versorgungslage
  • des gewünschten Bandbreitenbedarfs
  • der Zahlungsbereitschaft für den Hochleistungsanschluss
  • des Status (Unternehmen/Privatperson) relevant.

Auf Basis der Bedarfsabfrage können Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchgeführt werden. Dazu sollten mindestens zehn Prozent der Haushalte und Unternehmen an der Umfrage teilnehmen. Durch eine frühzeitige Einbindung lokaler Medien kann eine hohe Beteiligung gewährleistet werden.

Tipp: Fragen Sie auch die Vertragsfristen ab, sprich: Wann ist ein frühestmöglicher Wechsel zu einem neuen Anbieter möglich? Besteht eine Wechselbereitschaft, und wenn ja, zu welchen Bedingungen?

Lokale Unternehmen und öffentliche Einrichtungen stellen oft erhöhte Anforderungen an einen Breitbandanschluss. Persönliche Gespräche mit ihnen ergänzen die Bedarfsanalyse. Positiver Nebeneffekt: Eine persönliche Ansprache weckt bei den Unternehmen das Interesse an einer aktiven Mitarbeit und gegebenenfalls auch finanziellen Beteiligung am Netzausbau.

Markterkundung und Interessensbekundungsverfahren

Im Anschluss an eine Bedarfserhebung sollte ein Markterkundungsverfahren stattfinden, um einen objektiven Überblick über die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten der Breitbandversorgung zu bekommen. Hierzu sollten alle regional tätigen Anbieter angeschrieben und um Mitteilung der Ausbauplanungen für die Region in einem absehbaren Zeitraum (z. B. drei Jahre) gebeten werden. Im Bedarfsfall kann die Abfrage auf andere mögliche Interessenten ausgedehnt werden. Informationen zu möglichen Investoren erteilen die jeweiligen Breitbandkompetenzzentren der Länder.

Hinweis: Eine Frist von vier Wochen zur Stellungnahme im Rahmen eines Markterkundungsverfahrens sollte für die Anbieter ausreichend sein.

Bei der Markterkundung sollten den Unternehmen möglichst genaue Rahmendaten zum Erschließungsgebiet zur Verfügung gestellt werden (z. B. Zahl der Haushalte, Siedlungsstruktur und -dichte, vorhandene Infrastrukturen, Anzahl und Namen der einzelnen Ortsteile, Übersichtskarten etc.).

Ein daran anschließendes Interessenbekundungsverfahren (IBV) sollte vor allem dann durchgeführt werden, wenn sich im Rahmen der Markterkundung kein Anbieter findet, der den Ausbau ohne (kommunalen) Zuschuss beziehungsweise anderweitige öffentliche Unterstützung durchführen kann. Neben der Vergabe direkter Zuschüsse können auch passive Infrastrukturen (z. B. Leerrohre) bereitgestellt oder Bürgschaften (Übernahme von Haftungsrisiken) gewährt werden. Vor der Durchführung des Interessenbekundungsverfahrens ist zu klären, welche Art der Unterstützung für den Ausbau geleistet werden kann.

Der Zeitraum für die Abgabe von Angeboten im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens sollte mindestens vier Wochen betragen (gegebenenfalls sind Besonderheiten im Rahmen von Förderprogrammen zu beachten). Die Veröffentlichung im Amtsblatt, auf der kommunalen Internetseite und auf einem einschlägigen Portal des Bundeslandes oder einer anderen übergeordneten Stelle sind dabei meist erfolgversprechend (Erfolgreiche kommunale/regionale Projekte zur Überwindung von Breitbandversorgungslücken (PDF), atene KOM GmbH i.A. des BMWT, 2010, S. 183f.).

SWOT-Analyse

Ein wichtiger Schritt zur Entwicklung von Projekten und Umsetzungsszenarien ist die Analyse der eigenen Stärken und Schwächen. Die genaue Kenntnis der vorhandenen Strukturen und möglichen Hindernisse für den Breitbandausbau ermöglicht eine sachgerechte Entscheidung über den Planungs- und Ausbauumfang. Ein bewährtes Instrument stellt die SWOT-Analyse dar, die gezielt die individuellen internen Vor- und Nachteile aber auch die externen Möglichkeiten und Chancen herausstellt.

Dabei beziehen sich die internen Aspekte zumeist auf Bereiche, die mit eigenen Mitteln verändert werden können. Auf die externen Aspekte hingegen kann kaum direkter Einfluss genommen werden. Die folgende Darstellung zeigt beispielhaft mögliche interne und externe Faktoren und erste Strategieansätze auf, die für eine Analyse zum Breitbandausbau relevant sein können.

Eckpunkte einer SWOT-Analyse zum Breitbandausbau

 Stärken (Strengths)Schwächen (Weaknesses)
Interne Faktorenz. B. gute Vernetzungz. B. wenig Kapital, unsichere Finanzierungsquellen
Externe Faktorenz. B. aktive Interessengruppen und Unterstützerz. B. hohe Ressentiments gegen einzelne Technologien

Chancen (Opportunities)SO-Strategie
(Stärken nutzen, um von Chancen zu profitieren)
WO-Strategie
(Schwächen eliminieren, um Chancen zu nutzen)
z. B. nutzbare Infrastruktur,
interkommunale Kooperation
z. B. verfügbare Trassen der Deutschen Bahn AG, gleichzeitige Verlegung bei Gas- und Fernwärmenetzenz. B. bei schlechter Haushaltslage verstärkte Zusammenarbeit und Synergienutzung

Risiken (Threats)ST-Strategie
(Stärken einsetzen, um Risiken zu begrenzen)
WT-Strategie
(Schwächen erkennen, um Risiken zu vermeiden)
z. B. starke Zersiedlung,
ungünstige Topographie
z. B. gebirgiges Hinterland, jedoch eine hohe Dichte an Funktürmen, geringe Bevölkerungsdichte, jedoch Bürgerinitiative mit mehr als 80 Prozent der Einwohner, die Breitbandausbau unterstützt/unterstützen könntez. B. geringe Bevölkerungsdichte in einem weißen Fleck erfordert hohe Penetrationsrate für das neue Netz

Nicht immer wird es nötig sein, eine solche Analyse von Grund auf neu durchzuführen oder zu beauftragen. Oft existieren bereits Gutachten, Pläne, Recherchen und Analysen, die wichtige Informationen bereithalten und die lediglich um aktuelle und breitbandspezifische Daten und Schlussfolgerungen ergänzt werden müssen. Landes- oder Stadtentwicklungskonzepte sind häufig eine gute Grundlage für eine SWOT-Analyse zum Breitbandausbau.

Ein Ergebnis einer SWOT-Analyse kann es beispielsweise sein, größere ländliche Gebiete mit geringer Besiedlung und ähnlicher Topographie (Threats) sowie guten, ortsübergreifenden infrastrukturellen Voraussetzungen (Strengths) zu einem Ausbaugebiet zusammenzufassen, um das Gebiet für einen Ausbau hinreichend attraktiv zu machen.

Ein anderes Beispiel: Um ein Wohngebiet mit zu geringer Nachfrage (Threats) erschließbar zu machen, werden angrenzende Gewerbegebiete einbezogen um ausreichende Nachfrage (Strengths) zu schaffen – oder umgekehrt.

Machbarkeitsstudien

Die Machbarkeitsstudie stellt die konkreten technischen, zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten für das jeweilige Ausbauprojekt dar. Sie untersucht ferner, ob Widersprüche zwischen dem Projektziel und bereits vorhandenen Erkenntnissen bestehen. Dafür werden alle bis dahin durchgeführten Untersuchungen herangezogen und auf Unstimmigkeiten geprüft. So können zum Beispiel nicht alle gewünschten Leistungsmerkmale mit den technischen und regionalen Möglichkeiten erreicht werden. Mithilfe von Machbarkeitsstudien lassen sich konkrete Ausbauszenarien darstellen und unter Beachtung der regionalen Entwicklungsstrategien eine technische sowie wirtschaftliche Umsetzungsplanung formulieren.

Machbarkeitsstudien werden auch von externen Beratern durchgeführt, die Landeskompetenzzentren können Ansprechpartner benennen.

Daten zu vorhandenen Infrastrukturen sind wichtige Grundlage für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie. Informationen hierzu finden sich etwa im Infrastrukturatlas oder – vereinzelt – in Breitbandatlanten der Länder (siehe GIS-basierte Planungswerkzeuge). Bestehende Infrastrukturen können in vielen Fällen für den Breitbandausbau genutzt werden. Dabei sind nicht nur bereits vorhandene Glasfaser- oder TV-Kabelnetze interessant, sondern auch im Zuge früherer Arbeiten verlegte Leerrohre oder Kabelkanäle, hohe und öffentliche Gebäude, Masten oder Schornsteine, Windkraftanlagen, Wasserpumpen etc. im Erschließungsgebiet. Die Nutzung dieser Einrichtungen kann zu hohen Zeit- und Kostenersparnissen führen.

Allerdings sollten nicht nur bereits vorhandene Infrastrukturen erfasst und katalogisiert werden. Auch Ausbaupläne von Versorgern, großen Unternehmen mit eigenen Infrastrukturen (z. B. Banken, Deutsche Bahn AG, Fertigungsbetriebe) und Telekommunikationsanbietern sollten erfasst und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit eruiert werden. Ein Leitfaden für die Verlegung von Glasfaserkabeln (PDF) bei Arbeiten am Stromnetz der Bundesnetzagentur erläutert insbesondere die Frage, ob und wie die bei der Mitverlegung entstehenden Kosten der Stromnetzbetreiber im Rahmen der Anreizregulierung berücksichtigt werden.

Tipp: Machbarkeitsstudien können durch verschiedene Förderprogramme finanziert werden. Eine Übersicht bietet die Broschüre Möglichkeiten der Breitbandförderung (PDF).



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