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Die Wertschöpfungsstufen des Telekommunikationsmarktes

Der Telekommunikationsmarkt umfasst grundsätzlich drei Wertschöpfungsstufen:

Stufe 1: Aufbau und Bereitstellung der passiven Netzinfrastruktur (Infrastrukturanbieter)

Der erste Schritt des Breitbandausbaus in einer Region ist die Schaffung der passiven Infrastruktur. Diese kann in der Hand des Netzbetreibers und/oder des Diensteanbieters liegen. Die Verlegung passiver Infrastruktur ist aber auch eine der möglichen Unterstützungsmaßnahmen der öffentlichen Hand für den Breitbandausbau.

Passive Infrastruktur

Die passive Infrastruktur umfasst die Kabelkanäle, Leerrohre, Funkmasten und eventuell notwendige Gebäude (z. B. zum Installieren von Sendern), Transportmedien für die Datenübertragung (z. B. Glasfaser in unbeschaltetem Zustand (dark fiber) oder TV-Kabel, also Infrastrukturelemente ohne eigene Stromversorgung). Dazu gehören auch notwendige Kopplungsgeräte, optische Verteilergestelle (Kabelverteiler, Netzverteiler), Spleißkassetten, Patch Panels und Abschlusselemente, also Elemente, die den Anschluss der Gemeinde an den Backbone oder Backhaul bzw. das nächstgelegene Glasfasernetz ermöglichen.

Der Aufbau der passiven Infrastruktur erfolgt durch einen Telekommunikationsanbieter, die Kommune bzw. kommunale Unternehmen oder interkommunal, z. B. durch einen Zweckverband. Der Errichter der Infrastruktur ist in der Regel auch deren Eigentümer. Er ist neben der Planung und Errichtung des passiven Netzes auch für dessen Wartung und Management verantwortlich.

Der Aufbau der passiven Infrastruktur bindet den größten Anteil des jeweiligen Projektbudgets und ist in der Regel mit hohem finanziellen, baulichen und organisatorischen Aufwand verbunden, vor allem, wenn keine bereits vorhandenen Infrastrukturen, z. B. Leerrohre für das Verlegen von Glasfaserkabeln, genutzt werden können. In diesen Fällen müssen Grabungen organisiert und ggf. mit anderen Erdarbeiten koordiniert werden (z. B. Straßen- oder Radwegebau oder Erneuerung der Strom- bzw. Wasserversorgung). Hilfreich sind hier - sofern verfügbar - Baustellenatlanten, die zentral verwaltet und aktualisiert werden.

Tipp: Mit Inkrafttreten des novellierten Telekommunikationsgesetzes (TKG) am 10.05.2012 wurde die verpflichtende Bereitstellung von Infrastrukturen der öffentlichen Hand geregelt - insbesondere der Bundesfernstraßen, Wasserwege und Eisenbahnnetze (§ 77 c-e) sowie alternativer Infrastrukturen (§ 77 b). Streitfälle werden durch die Bundesnetzagentur mittels Schlichterspruch (§ 77b) bzw. über eine verbindliche Entscheidung der Beschlusskammer (§ 77 c-e) geregelt.

Eine Übersicht der für die Bearbeitung von Mitnutzungsanträgen nach §§ 77c, d und e TKG zuständigen Stellen ist auf den Seiten der Bundesnetzagentur abrufbar.

Ferner wurde mit § 68 Abs. 2 TKG die Verlegung von Glasfaserleitungen oder Leerrohrsystemen, die der Aufnahme von Glasfaserleitungen dienen, in Abweichung der Allgemeinen Technischen Bestimmungen mit dem Verfahren des Micro- oder Minitrenching ermöglicht.

Das Microtrenchingverfahren wird in der Dokumentation der Ergebnisse zum 6. Nationalen IT-Gipfel (PDF) (München, 2011) näher erläutert.

Stufe 2: Aufbau und Betrieb des aktiven Netzes (Netzbetreiber)

Das aktive Netz umfasst alle Komponenten mit eigener Stromversorgung, die für das Empfangen und Senden von Signalen benötigt werden. Zu den aktiven Infrastrukturelementen gehören u. a. Switches (Verteiler bzw. Netzwerkweichen zur Verbindung von Netzwerksegmenten), Router, Satelliten für die extraterrestrische Datenübertragung und Access Points (Basisstationen für funkbasierte Datenübertragung).

Der Netzbetreiber ist in der Regel im Besitz der aktiven Netzkomponenten im Breitbandnetz bis zum Hausanschluss des Endkunden. Aufgabe des Netzbetreibers ist das Aufschalten der aktiven Netzkomponenten (z. B. Router) auf die passive Infrastruktur sowie das Bereitstellen des Zugangs für Endkunden und Reseller. Auch Überwachung, Wartung und ggf. Entstörung des Netzes werden durch den Netzbetreiber gewährleistet. Für das Geschäftsmodell ist entscheidend, ob Aufbau und Betrieb der aktiven Komponenten durch den Inhaber der passiven Infrastruktur realisiert werden oder ein Mietmodell vorliegt. Zudem kann der Anbieter der aktiven Komponenten diese an Diensteanbieter vermieten bzw. Transportdienste zur Verfügung stellen. Hierzu hat das NGA-Forum, eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern des Bundes, der Länder und von Anbietern unter der Leitung der Bundesnetzagentur, Vorschläge u.a. zu den Themen Open Access und Interoperabilität, gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen sowie Kooperationen erarbeitet, die beim Ausbau in Betracht gezogen werden sollten.

Stufe 3: Dienste (Diensteanbieter)

Das Angebot von Breitbanddiensten für Endkunden umfasst den Zugang zum Internet und weitere damit verbundene Leistungen wie z. B. sogenannte "Triple Play"-Angebote (Telefonie/Internet/TV). Für diese Angebote ist ein aktives Netz (Stufe 2) notwendig. Die Diensteanbieter mieten in der Regel die notwendige Infrastruktur des aktiven Netzbetreibers an und legen den Fokus auf Marketing und Vertrieb ihrer Produkte. Diensteanbieter müssen ein leistungsfähiges und umfangreiches System vorhalten, um beispielsweise Benutzeranmeldung und Benutzerverwaltung sowie die (Verbrauchs-) Datenerfassung zum Zwecke der Rechnungserstellung (Billing) effizient und nach geltendem Recht zu gewährleisten.

Tipp: Da der Aufwand, Dienste selbst zu entwickeln und zu verwalten, sehr groß ist, können Netzbetreiber z. B. auf "White Label"-Produkte zurückgreifen. Unter White Label-Produkten werden solche Produkte verstanden, die nicht unter dem Markennamen (Label) des Entwicklers, sondern unter dem Label des jeweiligen Anbieters vermarktet werden. Der Anbieter kauft in diesem Fall ein (fertiges) Produkt, das er an seine Kunden weitergibt. Der Vorteil für den Anbieter: Aufbau und Betrieb kostenintensiver organisatorischer und technischer Strukturen (z. B. Netzwerk Management, Support, Billing) können vermieden, die OpEx somit geringgehalten werden.


Die Wertschöpfungsstufen können je nach Geschäftsmodell kombiniert und durch einen oder mehrere Träger privat und/oder öffentlich erbracht werden.

Die in der folgenden Abbildung dargestellten drei Stufen der Wertschöpfungskette bauen aufeinander auf – Stufe 2 ist ohne Stufe 1 nicht zu realisieren, und Stufe 3 benötigt die Infrastruktur aus Stufe 2, um Dienste anbieten zu können.

Schema der Wertschöpfungsstufen des Telekommunikationsmarktes

Mit möglichen Trägermodellen und der Wahl des richtigen Geschäftsmodells sind hier die wesentlichen Kriterien für den Breitbandausbau und den Betrieb von Netzen zusammengefasst.



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