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„Wo immer Sprühprozesse ablaufen, möchten wir diese Prozesse digital miteinander vernetzen“

Die AOM-Systems GmbH setzt sich mit der Tropfen- und Partikelmessung auseinander und hat mit der SpraySpy-Technologie eine neuartige Methode für die Analyse und Qualitätskontrolle von Sprays und Zerstäubungsprozessen entwickelt. Was man sich genau darunter vorzustellen hat und in welcher Form digitale Lösungen in diese Arbeit integriert werden, darüber sprachen wir mit Dr. Meiko Hecker, Gründer und Geschäftsführer des in Hessen ansässigen Unternehmens.


Breitbandbüro des Bundes: Sie beschreiben sich als Experten für die Tropfen- und Spray-Analyse sowie als Entwickler der SpraySpy-Technologie. Was hat es konkret damit auf sich?
Meiko Hecker:: Die SpraySpy-Technologie ist eine von uns entwickelte Messtechnologie zur Tropfenvermessung. Wir sind damit in der Lage als weltweit einziger Anbieter, Tropfen im Flug in Bezug auf ihre Größe und Geschwindigkeit zu vermessen, egal bei welcher Flüssigkeit. Dies geschieht unter ATEX-Bedingungen (Atmosphères Explosibles, Richtlinien auf dem Gebiet des Explosionsschutzes). Damit sind wir in der Lage, dies auch in Produktionsprozessen anzubieten. Das ist insofern neu, weil bisherige Tropfenmesstechnologien nicht anwendbar in Produktionsprozessen waren. Unsere Technologie ist ganz neu entwickelt und basiert auf moderner Computertechnologie. Das ist insofern relevant, da es in der Industrie sehr viele sprüh- oder spraybasierte Produktionsprozesse gibt. Bei diesen werden heutzutage größtenteils keine Qualitätskontrollen im Prozess durchgeführt, was sich auf die Qualitätsanalyse von Sprühprozessen und deren Produkten negativ auswirkt.

Breitbandbüro des Bundes: Können sie uns Beispiele nennen wo wir im Alltag von den Ergebnissen Ihrer Arbeit profitieren?
Meiko Hecker:: Da gibt es zwei sehr plastische Beispiele. Wir vermessen AdBlue-Düsen, die das AdBlue bei dem Diesel einspritzen. Dabei kommt es darauf an, dass das Einspritzen sehr fein und optimiert läuft damit eine große Effizienz erreicht wird. Wir vermessen die Düsen und sind dabei den Düsenherstellern behilflich, bessere Düsen zu entwickeln, damit wir in Zukunft einen sauberen Diesel haben.
Ein anderer Anwendungsbereich ist das Thema automobile Lackierung. Ein Automobilhersteller lackiert pro Tag mehrere Hundert Autos. Wir schauen bei der Lackierung in das Lackierspray hinein und beurteilen wie die Qualität des Sprays. Dadurch können wir sagen, ob das Spray in Ordnung ist oder nicht, was wiederum Auswirkung auf die Qualität der Oberfläche hat. Bisher war das so nicht möglich. Bisher konnte erst im der Produktion nachgeschalteten Prozess – circa eine Stunde nach Auftragen der Farbe – die Qualität geprüft werden. Wenn man aber eine Stunde nach dem Auftragen kontrolliert und einen Fehler bemerkt, etwa eine kaputte Düse, produziert man eine Stunde mit einer kaputten Düse. Dies entspricht 60-100 Autos, die fehlerhaft lackiert worden sind. Wenn man jedoch in Echtzeit bei dem Sprayauftragprozess kontrollieren kann, dann produziert man höchstens ein fehlerhaftes Auto. Die Effizienz, die dadurch erhöht wird, ist enorm.

Breitbandbüro des Bundes: Wo und in welcher Form finden bei der Messung von Sprühsystemen digitale Anwendungen ihren Einsatz?
Meiko Hecker:: Ein ganz großes Thema ist Industrie 4.0. Das heißt Gewinnung und Vernetzung von Daten, Datensammlung und -nutzung für verschiedene Anwendungen. Ein Automobilhersteller beispielsweise hat weltweit Werke und Zulieferer. Ein Außenspiegel etwa wird in der gleichen Farbe geliefert wie das Auto, wird aber nicht in demselben Werk und auch nicht vom gleichen Hersteller produziert. Wenn man dazu an allen Robotern die das Auto produzieren die Sprühparameter erfasst, kann man diese miteinander vergleichen und weiß sofort, ob die Parameter stimmen und ob das Ergebnis stimmen wird. Zusätzlich kann man auch noch im Nachhinein die Daten fünf Jahre später miteinander vergleichen, evaluieren und erheben. Die Digitalisierung ist also wichtig bei unseren Prozessen, um Industrie 4.0-Anwendungen z.B. in die Lackierstraße hineinzubringen.

Breitbandbüro des Bundes: In welcher Form profitieren Sie vom Breitbandausbau bei Ihrer Arbeit?
Meiko Hecker:: Ohne Breitband können wir nicht digitalisieren. Dafür ist der Breitbandausbau eine Grundvoraussetzung. Ein anderer Punkt ist unsere tägliche Arbeit im Büro. Wir sind eine moderne Firma, die sehr computer- und internetbasiert arbeitet. Wir sind weltweit vernetzt und arbeiten mit verschiedenen Partnern weltweit zusammen. Auch da sind wir auf eine gute Anbindung angewiesen.

Breitbandbüro des Bundes: Gibt es Produkte oder Verfahrensweisen, die Sie zukünftig durch den Einsatz digitaler Lösungen planen?
Meiko Hecker:: Ja. Wir möchten etwa mit unserem Sensor noch mehr in die Produktionsstraße hinein. Dies streben wir eigentlich bei jedem Sprühprozess an, sei es die Sprühtrocknung von Herstellung von Milchpulver oder Pharmazeutika, sei es das Lackieren von Autos, sei es die Entwicklung neuer Düsen. Wo immer Sprühprozesse ablaufen, möchten wir beteiligt sein und diese Prozesse digital miteinander vernetzen. Wir wollen der Industrie gerade beim Thema Industrie 4.0 helfen, den nächsten Schritt zu machen, noch effizienter zu werden, besser zu arbeiten.
Das kann auch eine Beispielanwendung sein, etwa das Thema Smart Maintenance. Bisher ist es so, dass Düsen und Düsenbauteile nach fixen Zyklen gewechselt werden, z.B. nach allen 1000 Betriebsstunden. Das ist aber sehr ineffizient. Perfekt wäre es, wenn Sie die Düse wechseln eine Sekunde bevor sie kaputtgeht. Das bedeutet beim Thema Smart Maintenance, der Nutzer gebraucht die Düse so lange wie er möchte und kann. Erst in der Sekunde wo die Drüse droht kaputtzugehen, registriert dies unser Sensor weil sich das Sprühbild verändert. Es gibt eine Warnmeldung und die Düse wird im richtigen Moment ausgetauscht und nicht vorsorglich viel zu früh. Das hebt die Effizienz, spart Kosten und schont die Umwelt.


Foto: Das Informationsmobil vor dem Unternehmenssitz der AOM-Systems GmbH in Griesheim, 30.08.2017.
Fotocredit: BBB/Jens Gowasch.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.



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