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Agilität aus Jena für die digitale Transformation

Vergangene Woche lernten wir, wie sich das Bundesland Thüringen fit für die digitale Zukunft macht. Dass dabei nicht nur Akteure aus Politik und Wissenschaft helfen, erfuhren wir von
Christian Müller, Gründer von proagile.de aus Jena. Sein Start-up unterstützt Unternehmen bei der digitalen Transformation. Im Kern dreht sich dabei alles um Schnelligkeit, Flexibilität und das Aufbrechen alter Denkstrukturen, oder wie Christian Müller es nennt: um Agilität.


Breitbandbüro des Bundes: Erklären Sie uns bitte kurz, was proagile.de tut. Was ist die Kernkompetenz Ihres Unternehmens und wer sind Ihre Kunden?

Christian Müller: Ich bin überzeugt davon, dass Agilität einen zunehmenden Einfluss auf den Erfolg von Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung hat. Denn hohe Reaktionsfähigkeit, souveräner Umgang mit Komplexität und eigenverantwortliche Mitarbeiter sind Merkmale hochperformanter und erfolgreicher Organisationen. Wir befähigen, begleiten und unterstützen mittelständische Unternehmen auf ihrem Weg in das digitale Zeitalter. Das zeigt sich bereits bei unserer eigenen Arbeitsorganisation: Statt uns an klassischen Organisationsmodellen zu orientieren, arbeiten wir bei proagile.de als ein Netzwerk erfahrener Consultants aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zusammen. Wir haben viele Jahre Berufspraxis, teils in verantwortungsvollen Führungspositionen, und sind erfahren in der Begleitung von Transformationsprozessen.

BBB: Auf Ihrer Website schreiben Sie: „Mehr Erfolg durch agile und effiziente Prozesse“. Was genau ist damit gemeint und was hat Digitalisierung damit zu tun?

CM: Betrachten wir allein die Entwicklungen der letzten zehn Jahre, wird schnell deutlich, mit welcher enormen Geschwindigkeit die Digitalisierung voranschreitet. Viele Unternehmen sind auf diese Veränderung nicht ausreichend vorbereitet. Die gerade in Deutschland weit verbreitete Vorstellung, ein neues Produkt von Anfang bis Ende durchzuplanen, erweist sich immer häufiger als kapitaler Fehler. Eindrücklich lässt sich das momentan in der Automobilbranche beobachten. Galt es im Jahr 2014 noch als gesetzt, neue Modelle mit einem leistungsfähigen Dieselmotor zu planen, hat sich das Bild im Jahr 2017 bereits grundlegend gewandelt. Nach einem massiven Betrugsskandal und der furiosen Einführung massenmarkttauglicher Elektroautos, investieren die meisten Hersteller inzwischen massiv in die Elektromobilität (inklusive digitaler Vernetzung). Ein Gutteil der vor drei Jahren geplanten Dieselmodelle wird nicht mehr weiterentwickelt. Und das ist nur eine von vielen Momentaufnahmen, die gerade in nahezu allen Branchen sichtbar werden.
Wo klassische Planungsansätze versagen, brauchen Unternehmen Organisationsmethoden, die weniger auf der Vorhersagbarkeit bestimmter Ereignisse basieren. Und genau da kommen agile Methoden ins Spiel. Die zugrundliegenden Paradigmen lassen sich in Schnelligkeit, Flexibilität und Kundenzentriertheit zusammenfassen. An die Stelle zentralisierter, hierarchischer Kontrollstrukturen, treten eigenverantwortliche, unabhängige Teams, die neue Produkte mit deutlich kürzeren Planungsintervallen entwickeln können. Durch regelmäßiges Kundenfeedback nach jeder einzelnen Iteration, werden mögliche Planungsfehler zeitnah korrigiert, wodurch sichergestellt wird, dass das Endprodukt nah am Kundenbedürfnis bleibt.

BBB: Auf welche Veränderungen müssen wir uns im Zuge der digitalen Transformation Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren besonders einstellen (Suchen Sie sich gerne einen Beriech aus: Wirtschaft, Gesellschaft, Politik).

CM: Die möglichen Auswirkungen der Digitalisierung lassen sich bereits deutlich erahnen. Das Internet hat die Welt in eine digitale Stadt verwandelt, in der, dank Live-Übersetzung, nicht einmal mehr unterschiedliche Sprachen echte Barrieren darstellen. Ein Produkt kann auf der einen Seite der Welt entworfen und am anderen Ende mittels hochleistungsfähiger Druckverfahren nahezu in Echtzeit produziert werden. Derweil der Bedarf an individueller Mobilität weiter zunehmen wird, wird das eigene Auto immer mehr an Bedeutung verlieren. Wer von den heutigen Jugendlichen wird in 10 Jahren von der Potenzkraft eines Schaltgetriebes schwärmen, wenn selbstfahrende Autos nicht mal mehr einen Fahrer benötigen? Kaum ein Bereich wird von diesen Veränderungen unberührt bleiben. Und nur, weil die Auftragsbücher heute noch gut gefüllt sind, heißt das nicht, dass das auch morgen noch so sein wird. Mahnende Beispiele sind Unternehmen wie Nokia, Quelle, Kodak etc., die eben noch Marktführer waren und bereits wenige Jahre später oft nur noch als Fußnoten in den Feuilletons einzelner Wirtschaftsmagazine auftauchen. Und dabei hat die Entwicklung gerade erst begonnen…

BBB: Als Beratungsunternehmen müssen Sie ihren Kunden immer einen Schritt voraus sein, auch bei einem so dynamischen Prozess wie der Digitalisierung. Wie gelingt Ihnen das in Zukunft und welche Schritte stehen für Sie in dieser Hinsicht konkret an?

CM: Das ist eine sehr schöne Frage, die eindrücklich demonstriert, dass wir oftmals noch zu sehr von der Vorstellung geleitet sind, vorher alles wissen zu müssen. Die Digitalisierung ist ein komplexer Prozess, der sehr viele, schnelle Veränderungen mit sich bringt, deren Auswirkungen sich nicht seriös vorhersagen lassen. Daher verwenden wir auch nicht den Begriff „Beratung“ und sprechen stattdessen lieber von Befähigung und Begleitung. Wir beteiligen uns ganz bewusst nicht daran, in Zeiten erhöhter Unsicherheit ein Gefühl trügerischer Sicherheit zu verkaufen. Oftmals werden notwendige Reformen gerade dadurch weiter verschleppt. Stattdessen stehen wir unseren Kunden vertrauensvoll zur Seite, begleiten Sie als erfahrene Consultants und Coaches auf ihrem Weg von der Problemfokussierung zur Lösungsorientierung. Agilität ist vor allem ein Mindset, das nur entwickelt und nicht als Produkt eingekauft werden kann.

BBB: Bitte vervollständigen Sie den Satz: „Digitalisierung ist für mich…“.

CM: …eine Entwicklung, die nicht ausgesessen werden kann und viele Chancen birgt.

proagile.de


Foto oben: Christian Müller, Gründer von proagile.de
Fotocredit: Christian Müller/proagile.de

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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