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Bildung muss Vorreiter für den digitalen Wandel sein

Joerg Becker, Referatsleiter des ThILLM

Als Kompetenzzentrum für Schulen und als führende Institution der Lehrerbildung hat sich das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (THILLM) vor allem die Medienkompetenzentwicklung auf die Fahnen geschrieben. Das THILLM ist damit deutschlandweit Vorbild für die Integration digitaler Prozesse in das Bildungssystem. Unter anderem betreibt es mit dem Thüringer Schulportal seit beinahe 10 Jahren eine digitale Plattform, die Lehrer mit Ideen, Lehrmaterial und Fortbildungsangeboten unterstützt und hilft, diese zu organisieren. Wir sprachen anlässlich unseres Besuches in Thüringen mit Referatsleiter Jörg Becker über Aufgaben des THILLM und die digitale Zukunft der Bildung.

Breitbandbüro des Bundes: Das digitale Schulportal, das Sie betreiben, wird im April 10 Jahre alt. Wenn Sie zurückblicken, welche Entwicklung hat dieses Angebot genommen und welche Erfolge können Sie verzeichnen?

Jörg Becker: Das Thüringer Schulportal war schon von Anfang an als Serviceplattform für den Bildungsbereich modular konzipiert. Wir haben im April 2008 mit wenigen Inhalten im Portal und dem Modul Schulporträt für alle Thüringer Schulen begonnen. Bereits im November kam dann die Mediothek mit kostenfreien Unterrichtsmaterialien, die man heute als OER bezeichnet, hinzu. Im Jahr 2008 hatten wir ca. 7.000 Nutzer.

In den Folgejahren wurden weitere Module in das Portal integriert, wie z. B. das Lehrerfortbildungsmanagement mit Onlinekatalog, der Internetauftritt des THILLM, das Studienseminarporträt und das regionale Unterstützungssystem. Bestehende Angebote, wie die Mediothek und der Fortbildungskatalog, wurden erweitert bzw. modernisiert.

Heute hostet das Thüringer Schulportal vielfältige Angebote für die in Kita und Schule Beschäftigten und für alle an Bildung Interessierten. Das Schulportal verzeichnet inzwischen monatlich 90.000 Nutzer mit über 1 Million Zugriffen. Wir sind mit einem Twitter- und einem Facebook-Account in den sozialen Medien aktiv und bieten dem Nutzer Apps für mobile Endgeräte zur Nutzung des Fortbildungskatalogs und der Mediothek an. Seit Anfang 2018 tritt das Thüringer Schulportal auch mit einem responsiven Design auf.

BBB: Man könnte das THILLM und seine Digitalstrategie als Best-Practice für digitale Bildung begreifen. Was können andere Bundesländer von Ihnen lernen?

Jörg Becker: Herzlichen Dank für diese Einschätzung! Alle Bundesländer gehen in der Entwicklung ihrer Bildungsserver seit den 90er Jahren eigene Wege. Thüringen hat mit dem Thüringer Schulportal an sich keine Sonderstellung. Allerdings haben wir Strategien verfolgt, die so nicht überall üblich sind.

Bspw. das Lernobjektkonzept in der Mediothek: Unterrichtsmaterialien werden fast überall als Einzelmedien angeboten. Wir haben dagegen inhaltlich strukturierte Container, die viele zusammengehörende Medien anbieten. Heute gibt es über 5.000 solcher Container mit ca. 35.000 Einzelmedien in der Mediothek des Portals.

Eine andere Besonderheit des Schulportals ist die Vielfalt des Angebotes auf einer einzigen Datenbasis. In Thüringen werden von Beginn an Angebote der Lehrerfortbildung vereint mit Informationen, Medien und Serviceleistungen als Gesamtpaket für die primäre Zielgruppe der Lehrerinnen und Lehrer bereitgestellt – das alles mit nur einem Login. Die Waben auf der Startseite im neuen Layout verdeutlichen dies.

Mit dem Schulporträt im Thüringer Schulportal bieten wir allen an Bildung Interessierten, also auch Eltern und Außenstehenden einen öffentlichen Auftritt aller Thüringer Schulen an, der nach vergleichbaren Kriterien die Thüringer Schullandschaft präsentiert.

Das Thüringer Schulportal bietet auch wichtige interne Serviceleistungen für Schulen, Schulämter und das Thüringer Ministerium Bildung, Jugend und Sport. So verfügen wir über ein leistungsfähiges Mitteilungsmodul, über das gesichert Nachrichten zwischen den Institutionen verschickt werden. Im Krisenfall können Entscheider verschiedener Institutionen über ein Modul zentral an wichtige Informationen zu den Schulen in Thüringen gelangen.

BBB: Welche Herausforderungen kommen angesichts der fortschreitenden Digitalisierung auf die Bildung zu und welche Lösungen kann es geben?

Jörg Becker: Alle Herausforderungen zu nennen ist kaum möglich und würde den Rahmen sprengen. Aber um einige auszuführen:

  • Der Bereich Lehreraus- und -fortbildung wird sich in Zukunft wandeln müssen. Lehrer müssen befähigt werden auf hohem Niveau mit neuen Technologien, digitalen Werkzeugen und multimedialen Onlineangeboten umzugehen. Daran arbeitet das THILLM schon sehr lange, daher auch das „M“ für Medien im Namen des Instituts.
  • Die Rahmenbedingungen für die Nutzung von digitalen Angeboten müssen für jeden Schüler und jeden Lehrer gleich sein. Das bedeutet eine erhebliche Erhöhung der bereit gestellten Ressourcen.
  • Die digitale Revolution ist vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks und der darauffolgenden flächendeckenden Nutzung von Büchern. Einen solchen Wandel vollziehen wir gerade wieder. Bildung muss hier Vorreiter sein. Es gilt, Vorhandenes zu nutzen und auszubauen. Es muss an den richtigen Stellen investiert werden, um diesen Wandel effektiv vollziehen zu können.

BBB: Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach schnelle Netze und die digitale Infrastruktur für diese Zukunft?

Jörg Becker: Am Beispiel des Thüringer Schulportals können wir schon seit Jahren die Probleme beobachten, die auf Seiten der Nutzer entstehen. Die Angebote die wir haben, müssen auch vollständig für alle abrufbar sein. Schulen brauchen bis in die Klassenräume hinein schnelle Internetanschlüsse und die entsprechenden modernen Endgeräte. Digitalisierung kann nur Erfolg haben, wenn eine flächendeckende Nutzung der neuen Technologien und der vielfältigen Angebote für Schule gesichert ist. Multimediale Inhalte müssen in der gleichen hochwertigen Qualität bei jedem Nutzer ankommen, wie Sie produziert wurden.

Blick auf den Sitz des THILLM in Bad Berka (Thüringen)


Foto oben: Jörg Becker, Referatsleiter des THILLM.
Foto unten: Blick auf den Sitz des THILLM in Bad Berka (Thüringen).
Fotocredits: THILLM.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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