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Breitbandausbau und Digitalisierung in Sachsen – Ein Interview mit Staatssekretär Stefan Brangs

Anlässlich der Tour durch das Erzgebirge vor drei Wochen, bei der Stefan Brangs vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Förderbescheide für den Breitbandausbau an Kommunen der Region übergab, hatten wir die Gelegenheit dem Staatssekretär einige Fragen zum Thema Digitalisierung im Freistaat Sachsen zu stellen.


Breitbandbüro des Bundes: Herr Brangs, Was verstehen Sie unter „Digitalisierung“?

Stefan Brangs: Der Begriff Digitalisierung beschreibt für mich den bedeutendsten technologischen Aufbruch seit dem Beginn der Industrialisierung am Ende des 18. Jahrhunderts. Meiner Meinung nach ist sie eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Die Entwicklung ist durch eine umfassende intelligente Vernetzung gekennzeichnet. Dies führt zu einer bisher ungekannten Verschmelzung von virtueller und realer Welt. Digitale Technologien geben Impulse für vielfältige, tiefgreifende und strukturelle Veränderungen nahezu aller unserer Lebensbereiche. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied zu früheren Entwicklungsschüben. Die Entwicklungszyklen digitaler Technologien benötigen wesentlich kürzere Zeiträume als in der Vergangenheit. Als Folge wird Bestehendes nicht nur rasant optimiert, sondern Altbewährtes zunehmend auch von heute auf morgen in Frage gestellt – etwa auch, wie unsere Arbeitswelt in Zukunft aussieht. Die traditionelle Fixierung von Arbeitsplatz und Arbeitszeit wird immer weiter in den Hintergrund rücken. Das darf aber keinesfalls unseren sozialen Arbeitsschutzstandarts aufweichen. Deshalb müssen wir Modelle entwickeln, wie die Zukunft der digitalen Arbeit eine Zukunft guter Arbeit wird. Insofern verstehe ich die Digitalisierung als Auftrag zur Gestaltung. Wir, d.h. Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung in Deutschland, sollten diese Aufgabe aktiv annehmen. Auch wenn es natürlich an der einen oder anderen Stelle Vorbehalte gibt, bin ich dennoch sehr zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird. In Sachsen wollen wir für die erfolgreiche Gestaltung der Digitalisierung die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen und sind mit unserer Digitalisierungsstrategie „Sachsen Digital“ dafür sehr gut aufgestellt.

BBB: Aus welchen Gründen ist der Breitbandausbau für Ihre Region wichtig?

Stefan Brangs: Die sächsischen Großstädte Dresden, Leipzig und Chemnitz sind im Wesentlichen gut mit hochleistungsfähigem Breitband versorgt. Nachholbedarf gibt es dagegen in den ländlichen Gebieten. Auch dort wohnen, leben und arbeiten Menschen, die wir nicht abhängen dürfen. Schnelles Internet gehört für uns zur Daseinsvorsorge. Im ländlichen Raum gibt es eine Vielzahl an innovativen Unternehmen, für die schnelle Internetverbindungen ein Muss sind, damit sie ihr Potenzial voll ausspielen können.

BBB: Was werden die nächsten Schritte sein und in welchen Bereichen sehen Sie Handlungsbedarf?

Stefan Brangs: Für die Versorgung mit höheren Bandbreiten streben wir in Übereinstimmung mit EU und Bund kurzfristig zunächst eine ausreichende Grundversorgung bis 2018 an. Das Ziel ist ein flächendeckender Ausbau mit mindestens 50 Mbit/s. Das kann aber nur ein Anfang sein. Bis 2020 soll die Hälfte aller sächsischen Haushalte mit mindestens 100 Mbit/s versorgt sein. Im Jahr 2025 soll diese Bandbreite dann flächendeckend verfügbar sein.
Wir wissen, dass wir uns auch danach nicht zufrieden zurücklehnen können. Das zeigt unsere Förderrichtlinie DiOS-EFRE. Sie soll unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen fitmachen für die Herausforderungen der Digitalisierung und Ihnen eine bedarfsgerechte digitale Infrastruktur schaffen. Deshalb war es uns wichtig, hier klare Vorgaben im Hinblick auf besonders leistungsfähige Technologien zu geben: Gefordert werden 500 Mbit/s symmetrisch, also sowohl für den Downstream als auch den Upstream. Wir gehen also den nächsten Schritt in Richtung Gigabit-Netz.

BBB: Sehen Sie Ihre Aktivitäten als beispielhaft für andere Regionen?

Stefan Brangs: Wir versuchen zu allererst unseren erheblichen Nachholbedarf zu decken. Das machen andere Flächenländer auch. Wir denken allerdings auch voraus. Beispielsweise mit der Aufnahme einer WLAN-Förderung in unsere Förderrichtlinie DiOS . Außerdem berücksichtigen wir unsere Unternehmen, die schon jetzt oder in absehbarer Zukunft gigabit-fähige Netze benötigen.

BBB: Wie profitiert Ihre Region durch den Breitbandausbau?

Stefan Brangs: Breitband ist ja erst einmal „nur“ Mittel zum Zweck. Wir haben im Bereich der Industrie und der Dienstleistungen rund um digitale Produkte gute Voraussetzungen, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Das betrifft Sachsen als Automobilstandort, als Standort der Chipindustrie und als Forschungs- und Entwicklungslandschaft für Innovationen. Wir werden Heimat eines Software-Forschungsinstitutes.
Wir wollen aber vor allem die Synergien zwischen diesen Bereichen nutzen und konsequent ausbauen, also Forschungslandschaft, Unternehmen und Software-Dienstleister vernetzen. Als Katalysatoren dienen dann zwei digitale Hubs, je einer in Leipzig und in Dresden: der Smart Infrastructure Hub und der Smart System Solutions Enabling IoT-Hub. Die beiden Städte konnten sich erfolgreich in einem bundesweiten Standortwettbewerb des BMWi durchsetzen. Zielstellungen sind insbesondere Kompetenzen in der Industriedigitalisierung, dem Energie- und Gesundheitsbereich sowie von Smart City-Ansätzen.

BBB: Aus welchen Gründen sind die Themen „Digitalisierung“ und „Breitbandausbau“ für die Unternehmen Ihrer Region wichtig?

Stefan Brangs: Anfang 2016 haben wir als eines der ersten Bundesländer eine eigene Digitalisierungsstrategie entwickelt. Darin haben wir klargestellt, dass beide Bereiche zusammengehören. Die Verfügbarkeit leistungsfähiger Breitbandnetze ist der Enabler für die Digitalisierung. Breitbandnetze verstehen wir aber nicht nur als Festnetz, sondern im umfassenden Sinn digitaler Infrastruktur, also insbesondere auch von WIFI oder Mobilfunk. Dies wird für die neue Technologie des „5 G“, des Mobilfunks der fünften Generation relevant. Hier laufen die Technologien zusammen, werden also konvergent sein müssen. Und die Anwendungen werden nicht mehr in unterschiedlichen Netzen zu Hause sein, sondern in allen Bereichen wirken. Deutlich wird dies schon jetzt im Verkehrsbereich mit dem autonom fahrenden Fahrzeug, aber auch bei den „Smart Home“-Ansätzen. Hier zeigt sich immer deutlicher, dass alle Netze zusammenwachsen, das Netz der Verkehrsinfrastruktur mit den Netzen der Strom- und Telekommunikationsversorger. Und unsere Unternehmen müssen die Chance nutzen, sich diesen Megatrends zu öffnen, ihre Geschäftsmodelle darauf auszurichten und dadurch in der digitalen Welt erfolgreich und wettbewerbsfähig sein. Für den Übergang wird vielleicht noch ein Spagat zwischen analoger und digitaler Welt erforderlich werden. Wichtig ist dabei ein fester Stand. Und Sachsen will diesen als attraktiver nationaler und internationaler Standort bieten.

BBB: Herr Brangs, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Fotocredit: Staatssekretär Stefan Brangs

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