Breitbandtag – Gigabit jetzt!

Dr. Tobias Miethaner (Abteilungsleiter Digitale Gesellschaft im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) spricht am 14.06.2018 in Köln beim Eröffnungsdialog des Breitbandtags unter dem Motto "Gigabit jetzt!" auf der Messe ANGA COM. Foto: BBB/Florian Schuh

Mit dem durch das Breitbandbüro des Bundes, den Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber e. V. (ANGA) und den Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM) organisierten „Breitbandtag – Gigabit jetzt!“ stand am 14. Juni auf der ANGA COM in Köln erstmals ein kompletter Kongresstag ganz im Zeichen des Gigabit-Ausbaus in Deutschland.
In insgesamt sechs Strategie- und Praxispanels beleuchteten Experten aus Verwaltung und Wirtschaft die Situation des Breitbandausbaus, erörterten praktische Handreichungen und entwickelten Maßnahmen und Zukunftsstrategien.

Eröffnung des Breitbandtages und Keynote

Zur Begrüßung am Morgen erläuterte Dr. Peter Charissé (Geschäftsführer ANGA COM) die Ziele des Breitbandtages. Es gehe darum, tief in Details aus der Praxis des Breitbandausbaus einzusteigen. Jürgen Grützner (Geschäftsführer VATM) betonte die Bedeutung der Veranstaltung im Rahmen der ANGA COM. Die Messe sei „perfekt für den Breitbandtag“. Er nannte einige Themen, die es beim Breitbandausbaus zu klären gelte, unter anderem Regulierung, Technologien, Förderung sowie die Koordinierung des Ausbauprozesses.
Im Anschluss begrüßte Tim Brauckmüller (Geschäftsführer des Breitbandbüros des Bundes) ausdrücklich die zahlreichen Vertreter aus Kreisen und Kommunen, die sich unter den etwa 300 Gästen befanden. „Der Koalitionsvertrag hat die Grundlage geschaffen; jetzt müssen wir anfangen, Tempo aufnehmen“, betonte er und unterstrich damit das „jetzt!“ im Motto des Kongresstages. Ein wichtiger Punkt für den Netzausbau sei auch die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Wirtschaft. Brauckmüller erwähnte zudem eines der zentralen Themen des Breitbandtages: die Weiterentwicklung der Förderrichtlinien.
Nach der Begrüßung durch die Organisatoren folgte die Keynote von Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, in der dieser auf den aktuellen Stand und die Zukunftspläne der Infrastrukturentwicklung im Bundesland einging. Gerade für den ländlichen Raum sei der Ausbau eine „riesige Chance“. Man könne mit den besseren Netzen die Vorteile der Stadt aufs Land bringen, dies berühre Felder wie Arbeit und Mobilität, die sich dadurch massiv verändern werden. Die Digitalisierung könne auch dabei helfen, dem demografischen Wandel zu begegnen. Grundlage seien „starke Netze“, so Pinkwart.

Auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft

Danach trafen im Eröffnungspanel politische Vertreter sowie Akteure von Verbänden und Telekommunikationsunternehmen aufeinander. Zunächst ging es dort um den aktuellen Stand des Infrastrukturausbaus und die Pläne der Politik. Jürgen Grützner zeigte sich zufrieden mit dem jetzigen Koalitionsvertrag und dem darin formulierten Ziel, bis 2025 alle Haushalte mit Glasfaser zu versorgen. Dr. Andrea Huber (Geschäftsführerin ANGA) erklärte, dass die Netze der ANGA-Mitgliedsunternehmen derzeit 70 Prozent der deutschen Haushalte abdecken. Sie ging zudem auf die beiden Gigabit-Cities Bochum und Frankfurt ein, in denen das glasfaserbasierte Kabelnetz mit dem Übertragungsstandard DOCSIS 3.1 für Gigabitzugänge sorgt.

Timm Degenhardt (CEO, Tele Columbus AG) nannte den Glasfaserausbau bis zum Gebäude (FTTB, Fibre-To-The Building) als zentrale Perspektive, die anzustreben sei.

Marcus Isermann (Leiter Politische Interessenvertretung Regulierung und Bundesländer, Deutsche Telekom AG) betonte den breiten Technologiemix als Ansatz für die flächendeckende Erschließung. Ziel müsse eine zuverlässige Infrastruktur für Stadt und Land sein. Dafür sei kooperatives Vorgehen notwendig. Dr. Tobias Miethaner (Abteilungsleiter Digitale Gesellschaft im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) griff diesen Aspekt auf und betonte, wie wichtig es sei, dass alle Marktakteure die gleiche Richtung einschlagen. Es müsse ein Nebeneinander zwischen eigenwirtschaftlichem und gefördertem Ausbau geben und dies bedürfe Koordinierung.

Miethaner äußerte sich auch zum Thema Bundesförderprogramm Breitband und lobte die Kommunen und den Projektträger für die schnelle Antragstellung beziehungsweise Abwicklung. Einige vorgeschaltete Prozesse könnten nun mit der Neuausrichtung des Programms gestrichen und das Verfahren dadurch verschlankt werden. So soll beispielsweise das Scoring entfallen. Zudem soll die Förderhöchstsumme auf 30 Millionen Euro erhöht und bei Gebieten, für die ein Vectoring-Aubsau vorgesehen ist, soll ein Upgrade auf Glasfaser ermöglicht werden. Ein Fokus liege auch auf leistungsstarken Netzanschlüssen für Schulen, Krankenhäuser und Gewerbegebiete.

Mehr Glasfaser, weniger Bürokratie

Nach weiteren Panels zu Kooperationsmodellen, Verlegemethoden und zum DigiNetzG ging es am Nachmittag um die Optimierung von Markterkundungs-, Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren. Im Podium diskutierten Stephan Drescher (Geschäftsführer envia TEL GmbH), Timo von Lepel (Geschäftsführer NetCologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH), Dr. Kay Ruge (Dezernent Deutscher Landkreistag) und Tim Brauckmüller (Geschäftsführer Breitbandbüro des Bundes).

Auf die Frage, wie Kommunen zum Förderverfahren stünden, antwortete Tim Brauckmüller indem er auf die wichtige Rolle der Bauämter in den Kommunen für den Breitbandausbau und die fehlenden Ressourcen im Tiefbau einging.

Auch die anderen Diskussionsteilnehmer teilten ihre Erfahrungen mit den verschiedenen Verfahren. Von Lepel sprach ebenfalls die mangelnde Standardisierung an. Er sehe vielfach eine Überforderung der Bauämter. Ruge betonte zunächst, dass mehr als 170 von 294 Landkreisen ausbauen. Gerade kleine Kommunen seien jedoch administrativ überfordert, wobei hier erste Schritte für eine Vereinfachung getan sind.

Im Anschluss äußerten sich die Teilnehmer zu konkreten Maßnahmen, die eine Vereinfachung bedeuten könnten. Brauckmüller würde vor allem Bauamtsleiter und Wirtschaftsförderer an einen Tisch bringen und die Kooperation zwischen allen am Ausbau Beteiligten fördern. Von Lepel schlug eine Typologie und einen Masterplan vor, um alle Gebäude an das Gigabitnetz anzuschließen. Ruge forderte ein Sofortupgrade von Vectoring auf Glasfaser.

Weitere erörterte Maßnahmen waren die Förderung der Kapazitäten in Bauämtern durch Qualifizierung des Personals, eine generelle Stärkung der Verwaltung und ein Planungsbeschleunigungsgesetz für den Breitbandausbau.


Foto oben: Dr. Tobias Miethaner, Abteilungsleiter Digitale Gesellschaft im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, beim Eröffnungsdialog „Auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft – Was kann und muss Politik tun?“. „Breitbandtag – Gigabit jetzt!“ auf der ANGA COM in Köln, 14.06.2018.
Fotos unten: Teilnehmer beim Eröffnungsdialog; Paul Kempf (Verbandsgeschäftsführer, Zweckverband Breitbandversorgung Landkreis Lörrach) beim Kongresspanel „Neue Verlegemethoden – Turbo für den Netzausbau?“; Tim Brauckmüller (Geschäftsführer Breitbandbüro des Bundes) beim Kongresspanel „Neue Verlegemethoden – Turbo für den Netzausbau?“ Timo von Lepel (Geschäftsführer, NetCologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH) beim Kongresspanel „Mehr Glasfaser, weniger Bürokratie: Optimierung von Markterkundungs-, Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren „. „Breitbandtag – Gigabit jetzt!“ auf der ANGA COM in Köln, 14.06.2018.
Fotocredits: BBB/Florian Schuh.

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