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Die Parkplatzprobleme in Großstädten digital lösen

So sperrig der Begriff „Digitalisierung“ klingt, dahinter verbergen sich viele Entwicklungen und Lösungen, die Alltägliches betreffen. Bei unserer Start-up-Tour durch Berlin, die wir gestern im Rahmen der Informationskampagne Breitband@Mittelstand unternahmen, erfuhren wir von Silvan Rath, CEO der ParkTag GmbH, wie digitale Anwendungen dazu beitragen können, das Großstadtleben entspannter zu machen und Mobilität zu vereinfachen und wie lange es von einer Idee bis zum fertigen Produkt dauert. Die intelligente App des Unternehmens verrät, wann ein Parkplatz in der Nähe frei wird und hat damit das Potenzial Zeit, Energie und Nerven zu sparen.


Breitbandbüro des Bundes: „Vorher wissen, wo etwas frei wird“: Was verbirgt sich hinter der Idee Ihres Startups ParkTAG?

Silvan Rath: ParkTAG ist eine App und eine Social Parking Community. Diese Community basiert auf einem Algorithmus, der auf dem Telefon im Hintergrund läuft. Dieser Algorithmus erkennt automatisch die Abfahrten und Ankünfte der Nutzer. Dadurch teilt jeder ParkTAGer in Echtzeit und voll automatisch seinen gerade frei gemachten Parkplatz anonym mit der Community.
Mittels neuester Technologie im Bereich Predictive Analytics erkennt ParkTAG nicht nur Parkplätze, die gerade frei sind, sondern sogar wo Parkplätze bald frei werden. Das verschafft den Nutzern einen Vorsprung auf einen freien Parkplatz.Die App kann kostenlos im PlayStore und im AppStore heruntergeladen werden.

BBB: Welche digitalen Lösungen setzen Sie dafür ein? Welche Rolle spielt Digitalisierung für Ihre Geschäftsfelder?

SR: Hinter der ParkTAG App steht ein Software Development Kit (SDK) „predict.io“. Dieses SDK nutzt die auf dem Smartphone bereits vorhandenen Sensoren (Gyroskop, Barometer, Beschleunigungsmesser, Thermometer, GPS, WiFi, etc.). Die verschiedenen Datenpunkte werden kombiniert und es lassen sich Bewegungsmuster ableiten. Erkannt werden Abfahrten, Ankünfte, genutzte Verkehrsmittel und sogar die Bereiche, in denen Nutzer wohnen und arbeiten.

BBB: Diese Technologie scheint noch weit mehr Möglichkeiten zu bieten als die Erkennung freier Parkplätze. Welche anderen Bereiche bedienen Sie noch? Welchen Zugewinn generieren Sie für Ihre Zielgruppen?

SR: Im Prinzip ist jeder Anwendungsfall denkbar, der auf Abfahrten und Ankünften beruht. Im letzten Jahr haben wir uns unter anderem auf die Bereiche Öffentlicher Nahverkehr, Handel und Infrastruktur konzentriert. Im Öffentlichen Nahverkehr hilft das SDK ein digitales und automatisches Ticketsystem zu integrieren. Mit der Erkennung der Abfahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel wird ein Ticket aktiviert, mit der Ankunft wird es deaktiviert. Für den Handel können die Informationen, wo die Nutzer wohnen, arbeiten und sich häufig aufhalten, helfen den Nutzern nur relevante Informationen auszuspielen. Für den Bereich Infrastruktur ist die Information, dass sich ein Nutzer nicht zu Hause befindet äußerst hilfreich sein. Ein Paketzusteller, z.B. braucht nicht mehr zu den Adressen zu fahren an denen er ohnehin niemanden antreffen wird. In allen Bereichen bieten die erkannten Personenströme und Geo-Hotspots in Städten zusätzliche, sehr wertvolle Informationen.

BBB: Was bedeutet Ihnen „Social Parking“ und welche Veränderungen möchten Sie weitergehend mitgestalten?

SR: Social Parking ist noch immer eines unserer Lieblingsprojekte. Es wäre schön, wenn wir die Parkplatzprobleme in den Großstädten lösen oder zumindest mindern könnten. Dazu brauchen wir eine ausreichend große Zahl an Nutzern. Diese Zahl generieren wir auch in zusammen mit Partnern, die nicht im Parkumfeld aktiv sind. Die Nutzer unserer Kunden generieren automatisch Parkplätze, die dann in unserer Community genutzt werden können.

BBB: Was motivierte Sie, dieses digitale Angebot zu entwickeln? Wie war Ihr Weg von der Idee zum Produkt? Welchen Zeitraum müssen wir uns vorstellen?

SR: 2012 haben wir uns in die Idee verliebt, das Parkplatzproblem in Städten mit Hilfe der neuen Technologien zu lösen. Der Fokus fiel auf die zunehmende Digitalisierung und die Entwicklungen im Smartphone-Bereich. Ein erster Prototyp wurde gebaut und darauf im Mai 2014 die Firma gegründet. Anfang 2016 erfolgten dann der Umschwung und die Ausweitung der Idee auf weitere Bereiche. Wir fingen also an, die einfachste, schnellste, genaueste, batteriefreundlichste Aktivitätserkennung zu bauen, die auf allen Betriebssystemen und auf den beliebtesten Smartphones funktioniert.

BBB: Aus welchen Gründen ist Digitalisierung für Sie wichtig? Wie beurteilen Sie die Entwicklung Ihres Geschäftsfeldes in fünf Jahren – welche digitalen Lösungen werden Sie aus welchen Gründen ausbauen?

SR: In den kommenden Jahren werden die Dinge um uns herum immer „Smarter“. Maschinen werden vernetzt, Autos fahren eigenständig und der öffentliche Verkehr fährt an der Haustür ab. Diese vernetzte Welt wird eine unvorstellbare Menge an Daten generieren. Diese Datenmengen sind heute größtenteils ungenutzt. Deshalb evaluieren wir schon jetzt die Entwicklung neuer Algorithmen, die diese Daten auswerten und interpretieren, wo sie auftreten. Sensoren im Auto z. B. können viel über den Fahrer verraten. Sensoren in großen Maschinen weisen spezielle Muster auf, bevor ein bestimmtes Teil ausfällt.

BBB: Herr Rath, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Foto oben: Silvan C. Rath (CEO und Gründer der ParkTag GmbH)
Foto unten: ParkTag-App Push-Meldung
Fotocredit: ParkTag GmbH

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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