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Digitalisierung unterstützt die Transparenz bei Medikamentenlagerung und –transport

Ein Start-up aus Darmstadt möchte mit einer speziellen Box die Kühlung und damit die Wirksamkeit von Medikamenten sicherstellen. Warum das nötig ist, wie das im Einzelnen funktioniert und was Digitalisierung damit zu tun hat, dazu befragten wir Ina Brecheis, Co-Gründerin von Nelumbox.


Breitbandbüro des Bundes: Welche Idee steckt hinter der Nelumbox?

Ina Brecheis: Die Idee hinter der Nelumbox Home ist es, temperatursensible Medikamente sicher zu verwahren. Das ist derzeit ein Problem, denn 50 % der Privathaushalte bewahren ihre zu kühlenden Medikamente falsch auf. Eine Zahl, die auch deshalb beunruhigt, weil bereits 2020 jedes Dritte neu zugelassene Medikamente gekühlt werden muss. Das ist für Patienten ein Problem, aber auch für Pharmahersteller und Pharmalogistiker im Rahmen von klinischen Studien bei Patienten zu Hause. Die Nelumbox Home bietet hier eine Lösung an. Sie kühlt zuverlässig auf Knopfdruck, ist klein, kompakt, leicht zu bedienen und liest wichtige Parameter live mit.

BBB: Welche Daten erfasst die Nelumbox genau, was ist das Besondere daran?

Ina Brecheis: Die Nelumbox erfasst in regelmäßigen Zeitabständen die Innentemperatur der Box und die Luftfeuchtigkeit der Kühlkammer. Diese können über eine Cloudlösung zur Verfügung gestellt werden. So wird eine kritische Temperaturabweichung der Kühlkammer umgehend gemeldet und Nachschub kann sofort bestellt werden. Die Box registriert außerdem Bewegungen und Zugriffe. Zusätzlich ist sie mit einem Zugriffsschloss gesichert, sodass nur ausgewählte Personen, das Medikament entnehmen können. Das ist zum Beispiel zu Hause wichtig, damit Spritzen nicht in die Hände von Kindern geraten.

BBB: Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung Ihres Produktes und wie haben Sie diese gemeistert?

Ina Brecheis: Die größte Herausforderung war zweifelsohne den Markt kennenzulernen, um das Produkt an dessen Bedürfnisse anpassen zu können. Keiner unter uns Gründern kommt aus der Pharmazie, Biochemie oder Medizin. Wir führten daher frühzeitig Interviews mit Personen aus den relevanten Bereichen: mit Logistikern, Pharmaherstellern, Apotheken, Unikliniken, klinischen Forschungseinrichtungen und natürlich mit Patienten. So haben wir in kurzer Zeit einen tiefen Einblick in den Markt und seinen Anforderungen erhalten.

BBB: Welchen konkreten Vorteil bringt die Nelumbox Home im Vergleich zur Lagerung der Medikamente im Kühlschrank?

Ina Brecheis: Die Temperaturschwankungen sind im Kühlschrank groß: Die Kühlschranktür wird oft auf und zu gemacht und gern auch mal länger offengelassen. Für die Integrität temperatursensibler Medikamente wie zum Beispiel Biologika gegen Rheuma, Multiple Sklerose oder Morbus Crohn stellt dies eine Gefahr dar. Die Medikamente bestehen aus Proteinen, die bei Temperaturunter- oder -überschreitung in ihrer Struktur verändert werden und damit nicht mehr wirksam sind. Im Kühlschrank bleiben Temperaturabweichungen unbemerkt und der Patient spritzt sich unwissentlich ein unwirksames Medikament. Mit dem Temperaturtracking, wie wir es in die Nelumbox Home integriert haben, wird eine solche Abweichung aufgedeckt und Ersatz kann leicht bestellt werden.

BBB: Wie sehen Ihre Zukunftspläne für Nelumbox aus?

Ina Brecheis: Nach ersten positiven Reaktionen auf die Nelumbox Home seitens Pharmalogistikdienstleistern, Patienten und Pharmaherstellern, ist es natürlich unser Ziel, diesen theoretischen Zuspruch in naher Zukunft in tatsächliche Umsätze zu überführen. Wir haben die Vision, dass sich unsere Kühlbox für Medikamente als Marktführer in unseren Zielmärkten etabliert und Medikamentensicherheit und damit Patientensicherheit gewährleistet.

BBB: Bitte vervollständigen Sie zum Abschluss noch folgenden Satz: „Digitalisierung heißt für uns, …“

Ina Brecheis: Digitalisierung heißt für uns, Transparenz der Kühlkette für lebenswichtige Medikamente, und damit Medikamenten- und Patientensicherheit.

BBB: Frau Brecheis, wir danken Ihnen für das Interview.


Foto oben: Das Gründerteam von Nelumbox: Martin Vogt, Ina Brecheis, Julian Poths und Nico Höler (l-r).
Foto unten: Prototyp der Nelumbox.
Fotocredit: Nelumbox.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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