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Stand und Perspektiven der Digitalisierung in Thüringen

Das Thüringer Kompetenzzentrum Wirtschaft 4.0, ein Projekt der IHK Erfurt, unterstützt und berät Unternehmen im Bundesland Thüringen bei der digitalen Transformation. Dr. Mauricio Matthesius, Leiter des Kompetenzzentrums, erklärte uns im Interview, wie Digitalisierung dazu beiträgt, Prozesse zu optimieren, Jobs zu schaffen und wie Unternehmen die digitale Transformation am besten angehen sollten.


Breitbandbüro des Bundes: Herr Dr. Matthesius, Sie sind Geschäftsstellenleiter des Thüringer Kompetenzzentrums Wirtschaft 4.0. Was bieten Sie dort an?

Dr. Matthesius: Das Thüringer Kompetenzzentrum Wirtschaft 4.0 ist für Unternehmerinnen und Unternehmer aus allen Industriezweigen und Branchen die erste Anlaufstelle bei jeglichen Fragen zur Digitalisierung. Wir beraten hierzu Unternehmen kostenfrei und organisieren darüber hinaus Workshops und Veranstaltungen zu Themen der digitalen Transformation. Wir übermitteln relevante Informationen zu technischen Anforderungen und Entwicklungen in verständlicher Weise und geben praxisnahe Auskünfte. Wir können mittlerweile auf ein breit aufgestelltes Expertennetzwerk zurückgreifen, agieren auch als Multiplikator und können so besonders für digitale Technologien und Prozesse sensibilisieren. Unsere Beratungsschwerpunkte liegen dabei auf dem digitalen Büro, der digitalen Produktion, IT-Sicherheit, Vertrieb, dem digitalen Bauen sowie dem digitalen Handwerk.

BBB: Wie ist die Thüringer Wirtschaft hinsichtlich der Digitalisierung aufgestellt?

Dr. Matthesius: Wir kennen zahlreiche Best-Practice-Beispiele Thüringer Unternehmen. Gleichzeitig sehen wir noch ein deutliches Entwicklungspotenzial, gerade bei den im Freistaat überwiegend agierenden kleinen Unternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitern. Auch der Breitbandausbau als unbedingte Voraussetzung für die Anwendung digitaler Technologien und etwaige Fördermöglichkeiten für Unternehmen sind viel diskutierte Themen, die weiterhin großer Aufmerksamkeit bedürfen.

BBB: Auf welche Weise unterstützen Sie im Thüringer Kompetenzzentrum Wirtschaft 4.0 die regionale Wirtschaft?

Dr. Matthesius: Wir beraten Unternehmen unter anderem dahingehend, welche Möglichkeiten die Digitalisierung für Geschäfts- und Produktionsprozesse bietet und welche Umsetzungsmöglichkeiten es gibt. Ein sehr anschauliches Beispiel ist ein Schuhmacher, der sehr viel Zeit bei der Fußvermessung durch die Einführung eines digitalen Scanners einsparen konnte. Diese gewonnene Zeit kann er nicht nur anderweitig nutzen, sondern er ist sogar in der Lage, deutlich mehr Aufträge mit zusätzlichem Personal zu bearbeiten. Dies zeigt, dass Digitalisierung auch Arbeitsplätze schaffen kann. Ein anderes Beispiel ist ein Maschinenlieferant, der ein automatisches Inspektionssystem und elektrische Testsysteme in verschiedenen Prozessschritten zur Erfassung von Qualitätsdaten eingeführt hat. Diese vernetzte Prozesskontrolle ist ein Schritt auf dem Weg zur unternehmensinternen Umsetzung von Wirtschaft 4.0.
Für unsere Beratungen nutzen wir unter anderem den von uns entwickelten Selbst-Check zur Digitalisierung im Unternehmen. Anhand dieses Fragebogens – der auch auf unserer Website www.thüringen40.de zum Download bereit steht – können wir dann im persönlichen Gespräch auf die konkreten Belange der Firmen eingehen. Seit unserer Gründung im November 2015 haben wir bereits über 400 Beratungen durchgeführt und es gibt fortlaufend neue Anfragen.

BBB: Digitalisierung ist aktuell ein großes Thema in Politik, Medien und Gesellschaft. Wie ist Ihre persönliche Perspektive auf die digitale Transformation und welche Erwartungen haben Sie an die digitale Zukunft?

Dr. Matthesius: Wir merken bei unserer Arbeit, dass das Thema Digitalisierung mitunter auf die Unternehmer lähmend wirkt oder Ängste mitschwingen. Diese konnten wir in vielen Fällen bereits auflösen. Denn Digitalisierung beginnt im Kleinen. Das kann z. B. die Implementierung von Aspekten des digitalen Büros in die Geschäftsprozesse sein oder der öffentliche Auftritt im Internet. Digitalisierung ist auch ein stetiger Prozess, oft bestehend aus vielen kleinen Schritten. Anders formuliert: Der häufig als großer Berg wahrgenommene Digitalisierungsprozess im eigenen Unternehmen kann am leichtesten Stück für Stück erklommen werden. Für die Zukunft erwarte ich ein noch größeres Bewusstsein der Unternehmen für die Digitalisierung, denn sie werden sich hiermit auseinandersetzen müssen, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen.

BBB: Herr Dr. Matthesius, vielen Dank für das Interview.


Foto: Dr. Mauricio Matthesius, Leiter des Thüringer Kompetenzzentrums Wirtschaft 4.0.
Fotocredit: IHK Erfurt.

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