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„Digitalvertriebe und Streaminganbieter haben wichtigen Einfluss darauf, dass die Musikbranche sich weiter digitalisiert“

Glitterhouse Records ist ein deutsches Independent-Musik-Label und ein Mailorder-Vertrieb mit Sitz in Beverungen, Nordrhein-Westfalen. Wie digital ist die Independent-Musikbranche? Wir wollten eine Antwort haben und fragten bei Jan Korbach, Mitarbeiter bei Glitterhouse, nach.


Breitbandbüro des Bundes: Wie hat die Digitalisierung der Musikbranche die Geschäftsbereiche „Label“ und „Vertrieb“ im Einzelnen beeinflusst? Wie haben Sie im Speziellen auf digitale Entwicklungen reagiert?

Jan Korbach: Da wir mit sieben Festangestellten ein eher kleines Unternehmen sind, hat sich die Umstellung auf die neuen Vertriebswege natürlich etwas hingezogen. Mittlerweile sind wir in Kooperation mit unserem Digitalvertrieb, eigenem Youtube Channel (Twitter, Facebook, Soundcloud, Instagram natürlich auch) und dem Streaming des Großteils unseres Kataloges, der über 900 Veröffentlichungen umfasst, eigentlich ganz gut aufgestellt.

BBB: Was ist Ihrer Einschätzung nach der Motor der digitalen Entwicklung bei der Musik?

Korbach: Ich denke wichtigen Einfluss darauf, dass die Musikbranche sich weiter digitalisiert, haben vor allem die Digitalvertriebe und Streaminganbieter. Eine entscheidende Rolle spielt hier aber auch der Verbraucher, da auf ihn die Angebote und Produkte zugeschnitten werden. Sein Hörverhalten, also wie, wo und womit Musik gehört wird, bestimmt unbewusst die Weiterentwicklung der Industrie.

BBB: Welche Chancen sehen Sie in der Digitalisierung der Musikbranche? Was kann dabei das Digitale in der Musikbranche vom Analogen lernen?

Korbach: Toll ist natürlich die schnelle und unkomplizierte Verbreitung von Musik. Als Konsument kann ich auf unendlich viel Musik online zugreifen und das quasi kostenlos bzw. für einen Umkostenbeitrag von 10 Euro im Monat (siehe Spotify). Was ich mir wünsche ist, dass die User Streamingdienste nutzen, um neue Musik zu entdecken, sich dann aber ihre neuen Lieblingsalben oder Singles auch kaufen, um die Künstler und Kulturschaffenden dahinter zu unterstützen. Ich denke, die Wertschätzung von Musik spielt hier eine entscheidende Rolle. Alles ist verfügbar und das wird als selbstverständlich wahrgenommen. Dies sollte nicht so sein. Für ein Album, das mir unendlich viel bedeutet, sollte ich auch bereit sein, eine Gegenleistung zu erbringen, oder nicht? Sei es, dass ich mir das Album kaufe, zum Konzert gehe oder mir ein Shirt hole.

BBB: Welcher Musiker, welche Musikerin, welche Band ist in Ihren Augen die „digitalste“, die Sie kennengelernt haben?

Korbach: Gemessen an Streaming- und Downloadzahlen ist wohl Scott Matthew der „digitalste“ Künstler (wenn man das so sagen kann) in unserem Artist Roster, der mittlerweile über 80 internationale Acts umfasst. Allerdings muss man hier beachten, dass viele unserer Bands wie die Walkabouts, Mark Olson oder Spain eine ältere Zielgruppe ansprechen, die nicht so streamingaffin ist und immer noch gerne auf Vinyl zurückgreift, was für uns elementar ist. Jüngere Bands wie DIE NERVEN, Nive & The Deer Children, Vita Bergen, SEA + AIR oder Immanu El sprechen wiederum Hörer an, für die Spotify und Co. die wichtigsten Medien sind.

BBB: Welche Rolle spielten für Glitterhouse Projects digitale Lösungen bei der Planung und Realisierung des „Orange Blossom Special Festivals“?

Korbach: Im Vorfeld des OBS Festivals stellen wie Playlisten für Spotify, Soundcloud oder Youtube zusammen, um die Besucher auf unser Festival einzustimmen. Auch gab es Überlegungen das OBS 2017 live auf Facebook zu streamen, allerdings war das in diesem Jahr leider noch nicht möglich, eventuell aber ab 2018!


BBB: Herr Korbach, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Foto oben: Jan Korbach, Glitterhouse.
Fotocredit: Alina Köster.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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