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Ein Ausbau der Internetgeschwindigkeit hilft allen Akteuren im E-Health Bereich

Telemedizin ist ein wichtiges Zukunftsfeld des Gesundheitswesens. Diagnosen und Therapien erfolgen dabei räumlich und zeitlich asynchron zwischen Arzt und Patient. Möglich wird dies durch Kommunikationsmedien. Lange Zeit galten vor allem Extremsituationen wie Raumfahrt oder Expeditionen als Anwendungsfelder der Telemedizin, da es in diesen Fällen schlicht nicht möglich ist, Spezialärzte für alle Bereiche vor Ort zu haben.
In den vergangenen Jahren verbesserten schnelle Internetverbindungen die Möglichkeiten für den telemedizinischen Alltagseinsatz deutlich. Perspektivisch kann damit die ärztliche Versorgung in dünn besiedelten Gebieten aufrechterhalten werden. In Ballungszentren ermöglicht Telemedizin die unkomplizierte Konsultation von Spezialisten oder das schnelle Einholen einer Zweitmeinung.
Für funktionierende Telemedizin sind belastbare digitale Infrastrukturen grundlegende Voraussetzung. Dafür sind wir seit Februar in Deutschland unterwegs und nahmen bei unserem Besuch in Schwerin die Gelegenheit wahr, mit Dr. Ole Roßbach vom Start-up arztkonsultation.de unter anderem über die Anforderungen, die telemedizinische Anwendungen stellen, das digitale Arzt-Patienten-Verhältnis und natürlich über das Thema Datensicherheit zu sprechen.

Breitbandbüro des Bundes: Ihr Start-up „arztkonsultation.de“ ermöglicht Online-Sprechstunden zwischen ihren Ärzten und ihren Bestandspatienten. Arzt und Patient können von überall aus einen Termin wahrnehmen – von Angesicht zu Angesicht. Wie funktioniert der virtuelle Austausch und welche Rolle spielen Computertechnologie und Internet hier bei Ihrer täglichen Arbeit?

Dr. Ole Roßbach: Der Arzt ist derjenige, der sich auf arztkonsultation.de registriert. Dazu muss er auch nachweisen, dass er in Deutschland praktizieren darf. In der Folge erhält er einen Satz Codekarten, die auf seinen Account zugeschnitten sind. Einzelne Codekarten übergibt er konkreten Patienten, nachdem die Diagnosestellung persönlich durchgeführt wurde; dabei legen die Ärzte auch die Zeit der Videosprechstunde fest, z. B. ein genauer Termin oder im Rahmen einer Art offenen Online-Konsultation. Mit seiner Codekarte loggt sich ein Patient auf dem Portal ein und wird im virtuellen Wartezimmer platziert. Dort ist er für den Arzt sichtbar und wird zur Sprechstunde aufgerufen. Computertechnologie und das Internet spielen dabei eine signifikante Rolle. Durch sie wird es möglich, dass Patienten und Ärzte zeitsparend und räumlich unabhängig zueinander finden können, insbesondere in Flächenländern. Eine Mindestgeschwindigkeit von Internetzugängen ist dafür eine absolute Prämisse.

BBB: Wie und wo konkret setzen Sie sonst noch Computer- und Internet-Lösungen bei Ihren telemedizinischen Sprechstunden ein?

OR: Über das technische System von arztkonsultation.de können Befunde, wie Laborwerte, sicher vom Arzt zum Patienten übermittelt werden, um diese in der Videosprechstunde zu vertiefen. Ferner können Ärzte miteinander sogenannte Konsile durchführen; Experten können bei speziellen Fragestellungen hinzugezogen werden. Diese Experten können z. B. in Kliniken oder in Ärztenetzen sitzen. Last but not least hält der digitale Service von arztkonsultation.de die Option von medizinischen Dolmetschern in zahlreichen Sprachen vor. Diese Dolmetscher ermöglichen oftmals erst eine Untersuchung und Therapiefestlegung in der Praxis oder am Krankenbett.

BBB: Welche Voraussetzungen müssen Ärzte und Patienten dafür die Telemedizin mitbringen? Wie machen sich die Ärzte für diesen Bereich fit?

OR: Der Ansatz von arztkonsultation.de ist es, den Prozess so einfach und simpel wie möglich zu halten. Dies gilt auch für die Hardware-Voraussetzungen. Mit handelsüblichen PCs, Laptops oder Smartdevices, die eine Kamera, ein Mikrofon und Internetzugang haben, lassen sich Videosprechstunden vornehmen. Der Prozess auf der Plattform ist auf wenige Schritte begrenzt und wird sukzessive geleitet; auch ein Technik-Check sorgt dafür, dass es nicht zu ungewollten Situationen kommt. Sollten dennoch Fragen auftauchen, steht ein Service-Team per Mail oder Telefon zur Verfügung.

BBB: Von welchen Patientengruppen wird die Telekonsultation besonders gut angenommen? Welche Patientengruppen wollen Sie zusätzlich noch erreichen?

OR: Grundsätzlich sind Videosprechstunden für zahlreiche Patientengruppen interessant: Berufstätige müssen bei Folgeterminen nicht vorzeitig an dem Tag ihren Arbeitsplatz verlassen, chronisch Erkrankte können die Frequenz mit ihrem Arzt erhöhen und Bewohner in ländlichen Regionen haben leichteren Zugang zu Fachärzten, die oftmals weit entfernt praktizieren. Die große Bandbreite der Patienten sehen wir in Projekten mit Krankenkassen bestätigt.

BBB: Sie ermöglichen den elektronischen Datenaustausch zwischen Ärzten und Patienten. Welchen Stellenwert hat Datensicherung in diesem sensiblen Bereich?

OR: Der Datensicherung und dem Datenschutz kommen in diesem Bereich große Bedeutung zu. Sie sind eines der Produktversprechen von arztkonsultation.de. Bei der Entwicklung haben wir bewusst Wert auf Sparsamkeit der Daten gelegt. Wir haben uns permanent gefragt: Ist es wirklich notwendig, diese konkrete Information zu erheben oder nicht? Mit Sitz in Deutschland unterliegen wir auch den hiesigen Richtlinien und haben uns freiwillig dem Landesdatenschützer Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt.

BBB: Stichwort „Qualitätssicherung“: Woran messen Sie, dass Digitalisierung durch Telemedizin Fortschritte bringt?

OR: Mit der Verbreitung der Videosprechstunde werden wir mit Kliniken sogenannte Versorgungsforschung betreiben, die genau diese Fragestellung betreffen wird. Es geht immer um zwei Komponenten: um medizinische Versorgung und um den wirtschaftlichen Aspekt. Kurzum: Telemedizin hat zum Ziel, Patienten und Ärzten zu helfen und dabei auch Kosten einzusparen – das können u. a. auch verhinderte Krankenhausaufenthalte durch vorzeitige Reaktion sein.

BBB: Welche Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für Patienten und Ärzte durch Telemedizin im Berufsalltag?

OR: Telemedizin hat das Potential zum Alltag zu gehören, wie Online-Reisebuchungen oder digitales Shoppen. Ohne an Raum und Zeit gebunden zu sein, können Ärzte und Patienten situativ angepasst miteinander kommunizieren – das erleichtert auch den Berufsalltag. Auf unsere Fragen dazu haben wir von Ärzten bereits Rückmeldungen erhalten, dass sie jetzt endlich auch „Home-Office“ machen können.

BBB: Welche digitalen Herausforderungen im Bereich der Telemedizin möchten Sie künftig lösen?

OR: Unser Konzept muss immer am Puls der Zeit bleiben; wir erleben jetzt erst den Beginn. Von einem Ausbau der Internetgeschwindigkeit werden alle Akteure im E-Health Bereich profitieren. In Zukunft wird es darum gehen, bereits heute existierende Bausteine und Anbieter miteinander zu verzahnen. Zum Beispiel: Videosprechstunden mit digitalen Patientenakten, Prüfungen von Arztausweisen für Rezeptausstellung in der Apotheke vor Ort, Notfallversorgung etc.

BBB: Wenn Sie auf die E-Health-Branche blicken: Mit welchen digitalen Innovationen können wir Ihrer Meinung nach künftig im Gesundheitswesen rechnen?

OR: Die Geräte zur Erfassung des Körperstatus werden immer smarter; das sogenannte Monitoring wird zunehmen und Ärzten – auch in Echtzeit – Informationen zu Patienten liefern, sofern dies sinnvoll ist. Zahlreiche Doppeluntersuchungen werden verhindert werden können, sogenannte Compliance-Tools werden Patienten bei der Therapie unterstützen und wahrscheinlich wird die medizinische Versorgung auch globaler. So kann sich ein Patient in der Nacht eventuell an einen Arzt in den USA wenden, der gerade eine offene Praxis hat. Spannend wird es allemal.

BBB: Herr Dr. Roßbach, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Foto oben: Das Gründertrio von arztkonsultation.de, Dr. Marc Dangers, Dr. Ole Roßbach und Marc Mausch (l-r)
Fotocredits: arztkonsultation.de

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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