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Effiziente Stromversorgung auf Pellworm dank Smart Grid

Das Informationsmobil fährt am 01.08.2018 auf Pellworm an Windrädern vorbei. Foto: BBB/Florian Schuh

Pellworm setzt konsequent auf erneuerbare Energien. Die nordfriesische Insel bietet ideale Bedingungen für Sonnen- und Windenergie. Bereits 1983 gab es hier das erste Hybridkraftwerk mit einer Photovoltaik- und Windenergieanlage. Nach der Jahrtausendwende wurde es saniert und um ein Informationszentrum ergänzt. Mit dem Hybridkraftwerk steht der Insel dreimal mehr Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung, als die Bewohner verbrauchen. Den Überschuss transportiert ein Seekabel zum Festland.

Pellworm will nun einen Schritt weitergehen und den überschüssigen Strom selbst behalten. Mit Hilfe eines SmartGrids. Das Team des Informationsmobils von Breitband@Mittelstand wollte das genauer wissen:

Für das Forschungsprojekt SmartRegion Pellworm wurde das Hybridkraftwerk 2013 um ein hybrides Speicherwerk ergänzt. Ziel war es, mit einem intelligenten Netz – dem ersten in Norddeutschland – die schwankende Einspeisung der erneuerbaren Energien in das Stromnetz abzufedern. Das Smart Grid verknüpfte dafür die Stromkunden über eine Datenverbindung und intelligente Stromzähler, Smart Meter, direkt mit den Photovoltaik- und Windkraftanlagen sowie zwei elektrische Großbatterien und thermische Speicher. Der nicht benötigte Strom wurde in den Hochleistungsbatterien und dezentralen Hausspeichern gespeichert, um diesen bei Bedarf zu nutzen.

Den erwarteten Vorteil einer solchen Anlage beschreibt Ove Struck (Leitung Unternehmenskommunikation) von der HanseWerk AG, die das Projekt betreute: „Erneuerbare Energien und Batteriespeicher können durch ein intelligentes Stromnetz so zusammenarbeiten, dass in einer definierten Region auch langfristig eine sichere und stabile Stromversorgung allein auf Basis von Wind und Sonne möglich ist.“ Die beteiligten Unternehmen der HanseWerk-Gruppe sowie verschiedene Partner aus Wirtschaft, Industrie und Forschung untersuchten in dem Projekt den technischen Einsatz und die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern im Umfeld erneuerbarer Energien und unter Einbeziehung eines intelligenten Netzes.

Vor kurzem wurde die Praxisphase des Forschungsprojektes abgeschlossen. Ove Struck zufolge sei der Betrieb einer solchen Anlage im sogenannten Primärregelleistungsmarkt bereits heute wirtschaftlich. Die Batterien können die schwankende Einspeisung ausgleichen und der durch erneuerbare Energien erzeugte Strom wird dank der Speichermöglichkeit und gezielten Verteilung an die Verbraucher besser verwertet. Struck hebt jedoch gleichzeitig den weiteren Forschungsbedarf hervor: „Für einen wirtschaftlich sinnvollen Einsatz in anderen Segmenten des Strommarktes, wie dem Intraday-Handel oder den Kurzfrist-Märkten, müssen die Investitions- und Betriebskosten, wie zum Beispiel der Eigenbedarf des Speichersystems, noch weiter gesenkt und die Dimensionierung der Batterien auf den konkreten Anwendungsfall hin weiter optimiert werden.“

Langfristig sehen die Forscher einen großen Nutzen in der Sektorenkopplung, bei der überschüssiger Strom in Wärme, Gas oder Mobilität (beispielsweise zur Ladung von Elektroautos) umgewandelt wird. „Es muss möglich sein“, so Struck, „größere Energiemengen über einen längeren Zeitraum einzuspeichern, wie es beispielsweise bei einem starken Windaufkommen in den Abendstunden der Fall sein kann.“

Auf Pellworm hat die Digitalisierung im Bereich der erneuerbaren Energien und Stromversorgung erfolgreich Anwendung gefunden. Intelligente Stromnetze tragen zu verringerten Kohlenstoffdioxid-Emissionen, mehr Energieunabhängigkeit und Effizienz bei. EU-weit finden sich Projekte und Maßnahmen, die auf diese Weise den Anteil erneuerbarer Energien in den europäischen Stromnetzen erhöhen. In Deutschland hat die flächendeckende Einführung von Smart Meter begonnen.


Titelfoto: Das Informationsmobil vor einem Windrad auf Pellworm.
Fotocredits: BBB / Florian Schuh

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