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Einblick in die digitalen Möglichkeiten eines Fotografen

Florian Schuh ist freier Fotograf in Berlin. Bei seiner Arbeit hat er sich auf Nachrichten- und Sportfotografie spezialisiert.
Zu seinen Kunden gehören unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung, taz, FOCUS, GEO, dpa, APA, Der Standard, Financial Times, Washington Post sowie mehrere NGOs und politische Einrichtungen. Auch das Breitbandbüro arbeitet eng mit ihm zusammen, nutzt intensiv seine fotografische Erfahrung.
Im Interview mit dem Breitbandbüro gibt er einen Einblick in die digitale Verarbeitungskette eines Profi-Fotografen.


Breitbandbüro des Bundes: Digitale Kameras sind heute längst Standard. Wie digital sind für einen Foto-Profi die Prozesse hinter dem Bild, sobald das Foto „im Kasten“ ist?
Florian Schuh: Jeder Fotograf arbeitet anders. Je nach Anforderung, persönlicher Vorliebe, aber auch Budget. Im aufwendigsten Fall, wie z.B. bei Olympischen Spielen bedient ein Fotograf drei bis vier Kameras, markiert in der Kamera gleich die besten Bilder. Diese RAW-Fotos, eine Art digitales Negativ mit in die Datei eingebetteten Fotografennamen und GPS-Daten werden direkt an den Fotodesk versendet. Dort beschriften Mitarbeiter noch, was auf dem Bild zu sehen ist, wobei aufgenommene Personen auch schon mittels Gesichtserkennung beschriftet werden können. Eine der großen Agenturen hat sich als Benchmark 120 Sekunden gesetzt, in denen das Bild aus der Kamera fertig beschriftet und bearbeitet beim Kunden landet.
Ich persönlich nutze vieles davon und wenn ich beim Transfer von der Kamera auf meinen Rechner achtzig Prozent der Beschriftung fertig habe, spart mir das bei 300 Bildern jeweils ca. eine Minute. Und fünf Stunden weniger zu arbeiten reicht mir als Argument für Digitalisierung schon völlig.
Für mich stellt sich meist gar nicht die Frage, ob ein gewisser Betrag für eine neue Kamera zu hoch ist, sondern vor allem wieviel Zeit ich durch neue Funktionen sparen kann.

Breitbandbüro des Bundes: Wohin wird sich in Ihren Augen die digitale Fotografie für Profis wie auch für Amateure entwickeln?
Schuh: Ich bin kein großer Visionär. Die Profikameras haben immer wieder Features, die unspektakulär, aber praktisch sind und auch mal unbemerkt im Amateurbereich landen. Ein Beispiel: Das Color-Tracking, mit dem der Autofokus das gelbe Trikot des Führenden bei der Tour de France sicher verfolgen kann.
Sicher kommen noch umfangreichere, nachträgliche Schärfeverschiebungen, wesentlich höhere Bildreihenfolgen und ISO-Zahlen, aber auch Funktionen an die bis jetzt noch keiner gedacht hat.

Breitbandbüro des Bundes: Wenn sich für Sie ein Wunsch erfüllen würde – welche Entwicklung bei der Digitalisierung der Fotografie sollte unbedingt in Erfüllung gehen?
Schuh: Ein Bildbeschriftungsprogramm, das mir die Reihenfolge von Protagonisten ändert, wenn eine Person sich plötzlich woanders hinstellt. Der Wunsch ist aber so speziell, dass ich etwas Einfacheres hinterherwerfe: Die Fotokameras, die ich zum Fotografieren blind bedienen kann, sollen beim Filmen genauso praktisch wie eine Videokamera sein. Ich meine: Sinnvolle Bedienung, hohe Qualität und die Filmfeatures wie Neutralfilter, ausklappbarer Monitor und Bildstabilisator.

Breitbandbüro des Bundes: Augenzwinkernd gefragt, wie oft erwischen Sie sich bei dem Gedanken, die Digitalkamera zu Hause zu lassen und Aufträge mit einer alten mechanischen Kamera und Schwarzweiß-Film umzusetzen?
Schuh (augenzwinkernd): Wie oft wünschen Sie sich als Online-Redakteur, ihre Texte mit der Schreibmaschine zu verfassen … ?


Foto: Fotograf Florian Schuh.
Fotocredit: Uwe Geißler.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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