• Startseite
  • Fachtagung und Auftaktveranstaltung zu „MOROdigital – Breitband für ländliche Räume“ am 10.06.2015 im BMVI, Berlin

Fachtagung und Auftaktveranstaltung zu „MOROdigital – Breitband für ländliche Räume“ am 10.06.2015 im BMVI, Berlin

Die Verfügbarkeit schneller Bandbreiten und die uneingeschränkte Nutzung von digitalen Diensten ist heutzutage ein wichtiger Standortfaktor. Er trägt zu Wirtschaftswachstum und einer positiven Beschäftigungsentwicklung bei und gilt als wichtiges Kriterium für Standortentscheidungen. Gerade ländliche, peripher gelegene Regionen sind oft im Nachteil. Hintergrund des Modellvorhabens MOROdigital ist es daher, auch in strukturschwachen Regionen den flächendeckenden Breitbandausbau zu unterstützen, um diese im Wettbewerb um Einwohner und Arbeitsplätze zu stärken.

Insgesamt 112 Teilnehmer aus Wirtschaft und Industrie, Vertreter von Kommunen und selbständige Berater fanden sich am 10. Juni 2015 im Konferenzraum 1 des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in Berlin ein, um sich über den Breitbandausbau in Deutschland und das neue Modellvorhaben der Raumordnung MOROdigital zu informieren.

In seiner Begrüßung betonte Staatssekretär Rainer Bomba die Notwendigkeit weit voraus zu denken – statt in Monaten oder Tagen müsse man heutzutage in Dekaden denken, um langfristige Ziele zu erreichen. Bis 2018 soll eine flächendeckende Versorgung mit 50 Mbit/s erreicht werden – hier stelle sich die Frage, so Bomba, ob diese Bandbreiten überhaupt ausreichen. Laut Herrn Bomba könne dieser Anspruch für große Unternehmen schon jetzt kaum mehr genügen.

Auch Dr. Wilhelm Eschweiler, Vizepräsident der Bundesnetzagentur, sprach sich dafür aus, dass das Ziel 50 Mbit/s nur ein Zwischenziel in einem langfristigen Prozess sein könne. Dr. Eschweiler beleuchtete in seinem Vortrag weiterhin die Herausforderungen, denen sich die Bundesnetzagentur gegenüber sieht – neben der Frage, mit welchen Themen sie sich in Zukunft beschäftigen müsse, stellte er besonders den Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt heraus. Die Vielfalt sei von entscheidender Bedeutung. Mit den Worten „Nach dem Ausbau ist vor dem Ausbau“ betonte er auch das langfristige Denken.

In weiteren Vorträgen ging es vor allem um den aktuellen Stand des Ausbaus, die Ziele und wie diese erreicht werden könnten. Prof. Dr. Nico Grove vom Institut für Infrastrukturökonomie und Management in München ging dabei auf die Ausbaustrategien und deren Umsetzung in Europa ein. Drei Best-Practice-Beispiele aus den Niederlanden, Estland und Finnland zeigten, dass auch in dünn besiedelten Regionen ein flächendeckender Ausbau möglich ist. Ulf Bauer vom Breitbandbüro des Bundes ging auf den Ausbaustand in Deutschland ein und veranschaulichte vor allem den Status Quo in den ländlichen Räumen.

Dr. Klaus Ritgen vom deutschen Landkreistag thematisierte das Engagement für den Breitbandausbau und sprach sich für ein kommunales Betreibermodell aus, das durch offene Netze den Wettbewerb fördere. Aus seiner Sicht sollte in Zukunft vor allem in Glasfasernetze investiert werden, da diese am nachhaltigsten und zukunftssichersten seien.

In der Podiumsdiskussion wurde u.a. die Frage beleuchtet, ob das Ziel des Bundes 50 Mbit/s flächendeckend zu erreichen, sowohl für Städte als auch für ländliche Regionen gelten solle. Hohen Ausbaukosten in dünner besiedelten Regionen stünde, einigen Teilnehmern zufolge, nicht die Bereitschaft der Bevölkerung gegenüber, diese Kosten auch zu tragen. Dieser These wurde aber auch widersprochen. Gegner dieser Auffassung erläuterten, dass diese Aussage nicht den Realitäten in ländlichen Regionen entspräche, denn dort bestehe durchaus die Bereitschaft, höhere Kosten für Breitbandanschlüsse zu zahlen, wenn es entsprechende Angebote gäbe. Auf die Aussage, das Prinzip der Kohäsion müsse nicht unter allen Umständen umgesetzt werden, argumentierten die Referenten und auch Teilnehmer, dass keine Region im Stich gelassen werden sollte. Denn dadurch würde nur die Landflucht verstärkt und dies solle nicht das Ziel des Breitbandausbaus sein.

Der angeregten Diskussion folgten Praxisbeispiele des Ausbaus in ländlichen Regionen. Hierbei stellten Bernd Holter (Zweckverband Elektronische Verwaltung in Mecklenburg-Vorpommern), Richard Krause (Breitbandkompetenzzentrum Schleswig Holstein) und Axel Schulz (Stabsstelle Wirtschaft/Tourismus und technische Infrastruktur beim Altmarkkreis Salzwedel) verschiedene Projekte dem Publikum vor. Auch ein Best-Practice-Beispiel aus den Niederlanden wurde präsentiert. Jeroen von de Lagemaat der Firma NDIX – Anbieter einer offenen Breitbandplattform – sprach sich deutlich für den ausschließlichen Ausbau mit Glasfasernetzen aus. Außerdem müssten durch die Trennung von Betrieb und Diensten offene Netze zugänglich sein.

Am Nachmittag gab, Jana Brauckmüller, Projektleiterin der Transferagentur bei der atene KOM GmbH, schließlich den offiziellen Startschuss für die erste Bewerbungsphase. Sie erläuterte welche Regionen sich bewerben können, wie die Bewerbungen einzureichen sind und wie der weitere Verlauf des Projekts geplant ist. Nach einer ersten Projektskizze, die bis zum 10. Juli 2015 von den Bewerbern eingereicht werden kann, werden ca. 20 Regionen ausgewählt, welche bis Anfang Oktober einen vollständigen Zuwendungsantrag erarbeiten und einreichen können. Sechs bis zehn Modellregionen werden anschließend ausgewählt, um ab November ihre Vorhaben umzusetzen. Die Transferagentur unterstützt die Antragsteller und Modellregionen in allen Phasen des Prozesses.

In seinem Schlusswort betonte Frank Krüger, Unterabteilungsleiter Digitale Gesellschaft des BMVI, dass für den Breitbandausbau im ländlichen Raum die empirische Basis breiter aufgestellt werden müsse. Und dies solle nun im Zuge das Modellvorhaben MOROdigital erfolgen. Die Initialstudie „Breitbandausbau in ländlichen Regionen“ ist auf den Seiten der ateneKOM GmbH zum Download verfügbar. Bitte beachten Sie, dass diese PDF-Datei nicht barrierefrei ist. Bei Interesse an den Präsentationen der Referenten senden Sie bitte ein Email an info(at)moro-digital(dot)de.

BBB Logo


Breitbandbüro des Bundes
T 030 60 40 40 6-0
F 030 60 40 40 6-40
E kontakt(at)breitbandbuero.de



Postanschrift
Postfach 64 01 13
10047 Berlin