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„Fahrzeit wird immer mehr Arbeitszeit werden“

Ralf Neuhäuser (Botschafter, Factory Campus Düsseldorf)

Der Factory Campus in Düsseldorf ist eine von zahlreichen Coworking Initiativen, die bereits heute überall in Deutschland die flexiblen Arbeitsmodelle der Zukunft Realität werden lassen. Das Informationsmobil der Kampagne Breitband@Mittelstand erkundete heute das weitläufige Gelände und besuchte bereits gestern einige Unternehmen auf dem Campus. Ralf Neuhäuser, Botschafter des Factory Campus, begleitete uns. Im Interview erläutert er, wie das Coworking auf dem Gelände funktioniert, welche Neuerungen die digitale Transformation für die Arbeitswelt bereithält und welchen Umgang mit der Digitalisierung er selbst pflegt.

Breitbandbüro des Bundes: Wie viele Unternehmen und Projekte sind aktuell bei Ihnen in Düsseldorf auf dem Factory Campus angesiedelt und wie ist da die inhaltliche Bandbreite?
Ralf Neuhäuser: Oh, das kann ich gar nicht genau beantworten. Einige Dutzend sind es sicher, wahrscheinlich geht es schon in die Hunderte. Neben den Firmen und Gründern, die ein permanentes „Zuhause“ bei uns bezogen haben, gibt es viele, die unsere Projekträume mehr oder weniger häufig benutzen, um temporär eine inspirierende Arbeitsumgebung zu haben. Dann gibt es eine große Zahl von Veranstaltungen vieler verschiedener Initiatoren, einmalige und regelmäßige mit offenen oder geschlossenen Teilnehmergruppen – darunter einige sogenannte Meetups zum Netzwerken und Wissensaustausch. Und das alles mit zunehmender Tendenz. Wir führen sogar Wartelisten für die Büros, vor allem für den weitaus größeren Teil der zukünftig insgesamt 28.000 m² Nutzfläche, der noch aus-, um- oder neu gebaut wird.

BBB: Sie beschäftigen sich viel mit neuen Formen der Arbeit. In welchem Rahmen finden sich diese auf dem Factory Campus wieder?
Ralf Neuhäuser: Unsere Idee von einem modernen „Workspace“ ist, ähnlich den Sharing-Konzepten in anderen Bereichen, sehr flexibel nur das zu nutzen, was den eigenen aktuellen Bedürfnissen entspricht – von der ladungsfähigen Geschäftsadresse für Gründer, über Schreibtische im „Open Space“ des Coworking Bereiches, die vielen individuellen Projekträume bis zu den Büros – alles stunden- oder tageweise nutzbar, kombinierbar bzw. wenn nötig monatlich kündbar ohne langfristige Gewerbemietverträge. Dazu kommt viel Raum und Gelegenheit, sich jenseits des Schreibtisches mit den anderen Mitgliedern unserer wachsenden „Community“ zu treffen, auszutauschen, voneinander zu lernen, sich zu unterstützen und nicht zuletzt auch eine gute Zeit zu haben.
Für all das machen wir auch immer eigene Angebote, animieren unsere Gemeinschaft aber vor allem dazu, selbst aktiv zu werden. Da Vielfältigkeit ein wichtiger Faktor ist, findet man oft schon im benachbarten Büro, spätestens aber an der Kaffeemaschine inspirierende Menschen, die einen über den eigenen Tellerrand blicken lassen.
Da sitzt neben dem Start-up für Metallhandel eins aus dem Lebensmittelhandel und neben dem Designbüro der Gründungs- oder Steuerberater usw. Das wird gesucht und geschätzt.

BBB: Welche Bedeutung hat der Breitbandausbau für den Factory Campus?
Ralf Neuhäuser: Die direkte Anbindung mittels „Dark fibre“ an den Backbone des Glasfasernetzes von Frankfurt nach London gibt uns einige Freiheit und ist ein äußerst wichtiger USP für unsere Kunden. Wir haben damit uneingeschränkten Zugang zu „Europas schnellstem Internet“, was angesichts der zukünftig zu erwartenden Datenmengen und der weiter zunehmenden Digitalisierung absolut unverzichtbar ist.
Diese „Pole Position“ ist für uns ein nicht selbstverständlicher Glücksfall, der auch anderen zu Gute kommen soll: Auf dem Turm des Factory Campus wird durch den Freifunk Düsseldorf e. V. gerade eine vom Land NRW geförderte, große „Freifunk“-Anlage installiert, um mit Richtfunkantennen auch andere Stadtteile Düsseldorfs mit freiem, schnellem WLAN zu versorgen.

BBB: Bitte wagen Sie einen Ausblick: Wie wird sich Coworking entwickeln? Welche Rolle werden Angebote wie der Factory Campus bei der Ausgestaltung von Wirtschaft und Arbeit in Zukunft einnehmen?
Ralf Neuhäuser: Coworking hat heute schon sehr viele verschiedene Formen. DAS Coworking gibt es nicht. Es ist nur ein Wort für den Wandel in der Art der Zusammenarbeit zwischen Menschen, wie es ihn schon immer gegeben hat und wie sie von uns jetzt mehr mitgestaltet werden kann. Durch die Digitalisierung kommen weitere Facetten dazu, die sich vor allem auf die Ortsunabhängigkeit auswirken.
Ich selbst arbeite in wechselnden Anteilen an verschiedenen Orten – neben dem Factory Campus auch zuhause oder in einem der vielen Workspaces, die in unzähligen Ausprägungen überall, längst nicht mehr nur im urbanen Raum, aus dem Boden sprießen. Darum ist auch Mobilität ein zunehmend wichtiger Aspekt, denn Fahrzeit wird immer mehr Arbeitszeit werden, besonders durch die zu erwartende autonome Beförderung. Ich gehe davon aus, dass es möglicherweise mobile Coworking Spaces geben wird, was z. B. Fern- und Nahverkehrsbahnen längst sein sollten.

BBB: Bitte vervollständigen Sie zum Abschluss folgenden Satz: „Digitalisierung heißt für mich…“.
Ralf Neuhäuser: Ich habe mir vor wenigen Monaten einen RFID- (radio-frequency identification)/NFC- (near field communication) Chip implantieren lassen. Beantwortet das die Frage? 😉
Im Ernst: Ich plane zum Beispiel meine Mobilität im Alltag und auf Reisen zu hundert Prozent digital – meist mit den Smartphone-Apps (nativ oder webbasiert), einer Vielzahl von Angeboten aus Car- und Scooter-Sharing, Mitfahrgelegenheiten, ÖPNV und Fernverkehr usw. Die Plastikversion der Bahncard habe ich längst abgeschafft, die gemieteten Fahrzeuge öffne ich mit dem Smartphone und vielleicht bald mit dem Chip in meiner Hand.
Das Smartphone ist ohnehin schon lange mein universelles „Schweizer Messer“ für viele Lebenslagen geworden. Ich möchte als Nutzer dieser Entwicklung vorangehen und nicht hinterherlaufen – beruflich und privat. In einem größeren Kontext wird die Digitalisierung noch viele spannende Entwicklungen ermöglich, vor allem in den Bereichen des autonomen Personen- und Warentransports, aber auch bei Künstlicher Intelligenz, Robotik und vielem anderen mehr. All das soll auch auf dem Factory Campus stattfinden.


Foto: Ralf Neuhäuser, Botschafter des Factory Campus Düsseldorf.
Fotocredit: Alexander Vejnovic.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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