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Für ARRI hat Ausbau digitaler Infrastruktur oberste Priorität

Die ARRI AG ist eine global tätige Unternehmensgruppe der Film- und Medienbranche mit weltweit rund 1.300 Mitarbeitern. In diesem Jahr feiert ARRI 100-jähriges Jubiläum. Die Firma wurde 1917 in München gegründet, wo sich auch heute noch der Hauptsitz befindet. Weitere Niederlassungen existieren in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien.

Die ARRI Gruppe besteht aus den fünf Geschäftsbereichen Camera Systems, Lighting, Media, Rental und Medical. ARRI ist – so das Selbstverständnis des Unternehmens – führend in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Kamera- und Beleuchtungssystemen für die Film- und Fernsehindustrie mit einem weltweiten Vertriebs- und Servicenetzwerk. Darüber hinaus ist ARRI integrierter Mediendienstleister in der Postproduktion und im Kamera-, Licht- und Bühnenverleih. Der Geschäftsbereich Medical fokussiert sich auf den Einsatz von ARRI Kerntechnologien in der Medizintechnik.
Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die vor allem durch die Verleihung der Academy Awards („Oscars“) bekannt geworden ist, hat ARRI in Anerkennung der innovativen Leistungen für die Filmindustrie bislang 19 wissenschaftliche und technische Auszeichnungen verliehen.

Franz Kraus und Dr. Jörg Pohlman, beide Vorstandsmitglieder der ARRI AG, gaben dem Breitbandbüro Auskunft über die Rolle der Digitalisierung im Unternehmen.


Breitbandbüro des Bundes: Seit über hundert Jahren wurden und werden Kinofilme auf 35-mm-Film gedreht. Mittlerweile ist die Digitalisierung der Filmbranche längst etabliert. Auch schon so stark wie bei der Fotografie oder gibt es noch relevante analoge Einsatzbereiche, die ihre Nische bewahrt haben?
Franz Kraus: Obwohl inzwischen mehr als 90 Prozent aller professionell hergestellten Filme digital aufgenommen werden, gibt es einige wenige namhafte Filmemacher, die Celluloid bevorzugen. Sei es, weil sie die Arbeitsweise mit Film am Set schätzen, sie Film für bestimmte Genres als geeigneter empfinden oder sie Film als Aufnahmemedium bewahren möchten. Mit Einführung der ARRI ALEXA 65, einem Digitalkamerasystem mit einem 65-mm-Großbildsensor, haben Filmemacher Zugriff auf eine digitale Aufnahmetechnik, die Film aus technischer Sicht in jeder Beziehung überlegen ist. Da die Wahl der Filmemacher weniger technisch als vielmehr wirtschaftlich und kreativ begründet ist, hat Film als Aufnahmemedium weiterhin seinen Platz, wenngleich aus budgetären Gründen nur bei teureren Produktionen. Fast 80 % der nunmehr 100-jährigen Firmengeschichte von ARRI beruht auf dem Erfolg von Film, sei es für die Aufnahme, die Bearbeitung, Distribution oder Archivierung. In Anerkennung des langjährigen Erfolgs der Filmtechnologie verpflichtet sich ARRI, für mindestens zehn Jahre alle aktuellen filmtechnischen Produkte einsatzfähig zu halten.
Eine Abteilung unseres Dienstleistungsunternehmens ARRI Media beschäftigt sich mit der Digitalisierung, Restauration und Archivierung von Analogfilmen. Es handelt sich um eine kleine, aber sehr wichtige Nische. Denn es geht darum, Film als Kulturgut in seiner ursprünglich intendierten Gestaltung und Qualität der interessierten Öffentlichkeit sichtbar werden zu lassen und für die Nachwelt sicher zu bewahren. Für die Digitalisierung wird der Filmscanner ARRISCAN, für die Langzeitarchivierung der Filmbelichter ARRILASER eingesetzt. Beide Systeme wurden von der A.M.P.A.S. mit Sci-Tech-Awards – den Technik-Oscars – ausgezeichnet und sind im weltweiten Einsatz. Eine spezielle, fortlaufend weiterentwickelte Version des ARRISCANs konzentriert sich auf die Verwendung von Archivmaterial, das überwiegend physisch bzw. mechanisch beschädigt ist und sich in einem fragilen Zustand befindet. Über die Parametrisierbarkeit des Scanvorgangs in einer Vielzahl von Parametern wird der ARRISCAN dem Wunsch nach einer technisch hochwertigen und materialschonenden Digitalisierung von altem Filmmaterial gerecht.
ARRIs Kamerarelevanz beim aktuellen Kinofilm lässt sich am Marktanteil bei den Cannes-Wettbewerbsfilmen, wie auch aller im Rahmen des Filmfestivals gezeigten Produktionen ablesen: Über zwei Drittel davon wurden mit Kamerasystemen von ARRI gedreht. 2017 wurden das ALEXA Kamerasystem mit einem Sci-Tech-Award der A.M.P.A.S. ausgezeichnet.

Breitbandbüro des Bundes: Wie hat sich die Digitalisierung der Filmbranche in den vergangenen Jahren konkret auf Ihre Produkte, Ihren Service und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgewirkt?
Dr. Jörg Pohlman: Durch die Digitalisierung ist manches einfacher, vieles aber auch komplexer geworden. Damit steigt bei uns nach wie vor der Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitern. Wir haben in den letzten vier Jahren das Personal im Bereich Forschung und Entwicklung verdreifacht. Heute spielen Ingenieure für Elektrotechnik und Softwareentwickler bei unseren Neuentwicklungen eine deutlich größere Rolle. Die Digitalisierung ermöglicht regelmäßige Produktaktualisierungen und -erweiterungen, was angesichts der Investitionskosten auch von unseren Kunden begrüßt wird. Dadurch können wir auch kontinuierlich unser Servicelevel erhöhen, weil wir in ständigem Kontakt mit den Endnutzern sind. Wir fördern unsere Mitarbeiter und auch unsere Kunden durch Weiterbildungen, um den Ansprüchen der Digitalisierung gewachsen zu sein.

Breitbandbüro des Bundes: An welchen digitalen Themen arbeitet ARRI gerade besonders? Auf welche neuen digitalen Technologien beim Film können sich Cineasten in den kommenden Jahren besonders freuen?
Dr. Jörg Pohlman: Zukunftsthemen, an denen wir heute schon arbeiten, sind zum Beispiel Augmented Reality, Virtual Reality und Mixed Reality. Wir setzen komplette 360-Grad-Konzepte um, von der Ideenentwicklung über 3-D-Modelling, Programmierung und App-Erstellung bis hin zur Auslieferung. Für einige namhafte Kunden haben wir bereits Projekte erfolgreich realisiert. Auch bei digitalen Beleuchtungs- und Kamerasystemen arbeiten wir an weiteren Entwicklungen. Viele Technologien, die bessere Bild- und Tonqualität sowie intensivere Erlebnisse ermöglichen, existieren bereits, werden den Cineasten jedoch kaum angeboten. Um etwa Dolby Vision und Dolby Atmos in einem Kino in Perfektion genießen zu können, müssen Münchner heute noch nach Salzburg in Österreich fahren. Ein forcierter Ausbau der Breitbandinfrastruktur würde eine weitere Digitalisierung der Entertainmentbranche deutlich unterstützen. Um den Entwicklungen im Medienbereich Rechnung zu tragen, hat aus unserer Sicht die flächendeckende Verbesserung der Netze und Netzknotenpunkte sowie der Übertragungsgeschwindigkeiten oberste Priorität. Der angestrebte Ausbau des Breitbandnetzes in Deutschland wird hier positiv unterstützen.


Foto oben: Franz Kraus und Dr. Jörg Pohlman, ARRI (l-r).
Foto unten: Reinraum bei ARRI.
Fotocredits: ARRI.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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