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Impressionen vom Future Internet Kongress in Frankfurt / Main

Tarek Al-Wazir, Staatsminister im Hessischen Wirtschaftsministerium, eröffnete am Donnerstag, 18.05.2017 in Frankfurt den Future Internet Kongress im House of Logistics and Mobility (HOLM).
In seiner Rede stellte Al-Wazir heraus: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss dem Menschen, seiner Würde und Lebensqualität dienen.“ Die Digitalisierung eröffne Chancen und biete Lösungen, und es bedürfe sogar eines Mehr an Digitalisierung. „Mehr Digitalisierung ist gut, aber wir müssen sie gestalten“, sagte er. So kommuniziere die Technik in Millisekunden, die Reaktionszeit des Menschen sei dafür jedoch nicht eingerichtet. Die Digitalisierung solle helfen und unterstützen, indem sie die geistigen Kapazitäten erhöhe und komplexe Vorgänge steuere. „Wir müssen die digitalen Werkzeuge so gestalten wie wir sie brauchen“, so seine Forderung. Der technologische Fortschritt habe längst begonnen, und Bürger wie Unternehmen müssten „bestmöglich mitmachen“, sonst sei der Wohlstand in Gefahr.
Zu den Herausforderungen der Digitalisierung führte der Minister unter anderem an, dass im Bereich Bildung nachqualifiziert werden müsse, um die Folgen der Digitalisierung für einfache Jobs abzufangen.
Mit Blick auf das Beispiel „3-D-Druck“ sprach Al-Wazir von gesteigerter Ressourceneffizienz als ein Vorteil der Digitalisierung. Weitere Vorteile: Arbeitsplätze würden verbessert und durch intelligente Verkehrssysteme Verkehrskollapse verhindert. Das Land Hessen habe mit einem eigenen Referat „Digitalisierung“ und einer Geschäftsstelle „Digitales Hessen“ bei der Hessen Trade & Invest GmbH als zentralem Ansprechpartner zur Digitalstrategie eine politische Infrastruktur geschaffen. Schwerpunkte des neuen Referats: „digitale Städte“, Rechenzentren und „digitale Wirtschaft 4.0“ .

Christian Baudis, ehemaliger Google-Deutschland-Chef und Vortragsredner zu allen Fragen rund um das Internet und die digitale Zukunft, sprach in seinem Beitrag über die Gegenwart und die Zukunft der Digitalisierung davon, dass „unser Echtzeitleben in Nullen gepackt“ werde. Jeder einzelne trage durch Nutzung persönlicher Computer und Smartphones zur Digitalisierung mehr bei als die Unternehmen selbst. Schließlich seien insgesamt bereits 5 Milliarden Smartphones und Tablets verkauft worden. Anhand verschiedener Beispiele illustrierte Baudis, wo die digitale Reise hingehe: Führerschein machen sei angeblich out, der PKW bei der Jugend kein Status Symbol mehr. Baudis prognostiziert für die Zukunft unter anderem, dass das Google-Auto einen nach dem Stammtisch in der Kneipe aufnehmen und nach Hause bringen werde.
Silikonpflaster, in Drogeriemärkten käuflich erwerbbar, würden zukünftig die Erfassung des Gesundheitszustands in Echtzeit ermöglichen. Die Daten würden beim Arzttermin abgerufen, eine Online-Analyse des Patienten bzw. der Patientin möglich.

Prof. Dr. Tobias Keber vom Institut für Digitale Ethik (IDE) thematisierte den Datenschutz. Bei der Frage, ob Datenschutz Innovationsbremse oder Wettbewerbsvorteil sei, verwies der Experte unter anderem auf die Charta der EU zu digitalen Grundrechten, mit der ein gesellschaftlicher Diskurs und ein Bewusstsein für Grundrechte im digitalen Raum geweckt werden soll. Insbesondere geht es dabei um die Wahrung von Datenschutz und Persönlichkeitsrechten im Netz – was im Zusammenhang mit Datensammlungen und deren Auswertung (Smart Data) eine Herausforderung für Unternehmen darstellt. Mit Hinweis auf die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) betonte Prof. Keber, dass Unternehmen schon beim Design von Produkten – und insbesondere intelligenten Produkten – ethische und datenschutzrechtliche Aspekte berücksichtigen müssten.

Ein kritischer Blick auf die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz (KI) und sozialen Medien war Kern der Vortragsworte von Yvonne Hofstetter, Expertin für künstliche Intelligenz und Big Data, Bestsellerautorin und Juristin. Sie ging der Frage nach: „Was machen soziale Netze mit Gesellschaft und Demokratie?“
Nicht mehr Politiker würden die gesellschaftliche Wirklichkeit gestalten, sondern Wirtschaftsakteure mit ihren Smartphones, so Hofstetter. Maschinen würden Lebensprofile erstellen. Durch Likes und Profile, die auf der Analyse unseres täglichen digitalen Fußabdrucks basieren, legten Facebook & Co. fest, welcher sozialen Gruppe wir angehörten. Künstliche Intelligenz stehe teilweise in Konflikt mit den Grundrechten. KI-Algorithmen seien nur noch für einige wenige Experten verständlich, selbst „normale“ Experten verstünden nicht mehr, nach welchen Kriterien und Rechenwegen manche Bewertung durch künstliche Intelligenz vorgenommen würde. Das menschliche Miteinander entwickle sich zunehmend in eine Black-Box-Gesellschaft, in der unsere Daten gesammelt und ausgewertet würden, die Bürgerinnen und Bürger aber nicht mehr wüssten, was mit den Daten geschehe und nach welchen nachvollziehbaren Kriterien sie welcher Gruppe zugeordnet würden.
Ursprünglich waren, so Hofstetter, Grundrechtseingriffe zwischen Bürger und Staat geregelt. Durch amerikanische Technologiegiganten wie Facebook, Twitter & Co. werde keine Plattform für Meinungsfreiheit oder ein demokratisch-pluralistisches Medium geschaffen. Vielmehr handele es sich um reine Werbeplattformen, in denen es allein ums Geld verdienen gehe – um eine „Konstruktion der Wirklichkeit, in der gelogen und manipuliert werde“, so Hofstetter. Jeder werde durch Likes und IP-Adressenauswertungen nur noch in seiner eigenen Meinung und eigenen Welt bestärkt und mit entsprechenden Informationen versorgt. „Rosenliebhaber bekommen nur noch Informationen über Rosen“, so ein Beispiel. Dadurch würden andere Themen und Perspektiven ausgeblendet – eine „Kommunikationsstörung in der Gesellschaft“ sei die Folge.
Die gemeinsame Erfahrungswelt der „Generation Golf“ verliere sich in der heutigen „Generation Y“, die durch individualistische Einzelmeinungen und Einzelerfahrungen geprägt sei. Hofstetter warnte in ihrem Vortrag vor den Folgen: die einst geschlossene Bürgerschaft werde in eine Masse von Einzelmeinungen zerschlagen; politisches Handeln werde dadurch nicht mehr möglich, und der Ruf nach starker Führung sei die Folge.
Für Deutschland konstatierte Hofstetter, dass das Land Know-how an IT-Unternehmen in den USA abgetreten habe und forderte eine Rückbesinnung auf Konrad Zuse, ein Zurückholen deutscher IT-Kompetenz, ein Agieren in europäischer Wertewelt und damit die Mitgestaltung der digitalen Zukunft.

Dr. Markus Pfuhl, Director Corporate Development bei der Viessmann Werke GmbH & Co. KG, erläuterte in seinem Vortrag die digitale Transformation in seinem Unternehmen. Viessmann, so Dr. Pfuhl, stand vor der Frage, wie neue Geschäftsmodelle zu entwickeln seien. Die Unternehmensführung kam zu dem Schluss, dass das nur mit einer Veränderung der Unternehmenskultur einhergehen könnte.
Viessmann habe sich die Frage gestellt: „Was ist nah am Kerngeschäft? Was fern?“ und Geschäftsmodelle, Digitale Produktinnovation, Partnerschaften und Netzwerke (Digital Lab, Venture Capital Fund, Start-up-Ausgründungen), die Interaktion mit Kunden, auch das interne Arbeiten und die Veränderung bei Produkten unter die Lupe genommen.
Wenn Viessmann 99 Jahre erfolgreich gewesen sei, heiße Veränderung nicht, dass bisherige Unternehmenswerte falsch gewesen seien, sondern sich das Unternehmen an die technologischen Gegebenheiten anpasse: „weniger hierarchisch, weniger perfektionistisch, teamorientierter“, so Pfuhl. Viessmann habe nun Methoden wie Scrum, Design Thinking und Mindset sowie andere Formen modernen Arbeitens eingeführt.
Pfuhl betonte, wie wichtig es sei, die Grundarroganz, selbst alles besser zu wissen, abzulegen. Es sei vielmehr nötig, anders zu denken und einen Blick zu entwickeln, für das, was notwendig sei. Bei der Transformation des Unternehmens müsse man alle Mitarbeiter/-innen mitnehmen. Dr. Pfuhl berichtete über Strategiemeetings mit 100 Personen, um eine Veränderung der Denkkultur zu ermöglichen.
Was Viessmann dabei einsetzte: Abkehr vom Herrschaftswissen, breit gestreute Informationen, freies Kommunizieren. Wissen würde unter anderem in Kursen, Vorträgen, mit 30-minütigen „Thank god it’s Monday“-Vorträgen in der Kaffeeküche zu zahlreichen Themen vermittelt. Anhand der zunehmenden Fragen der Mitarbeiter/-innen sei klargeworden, dass das Unternehmen sein Personal erreicht habe.

Der Physiker und Kabarettist Vince Ebert bot eine humoristische Reise durch die Welt von Social Media und künstlicher Intelligenz (KI). Ebert: „Es gibt ein Leben jenseits der KI. KI ist nicht kreativ, KI kann keine menschliche Kreativität ersetzen. Computer rechnen – Gehirne verstehen.“ Computer hätten keinen Humor. Solange der PC nicht verstünde, was er lerne und was ihm an Wissen fehle, sei er nicht intelligent. Der Mensch wisse durch Hinterfragen, was er nicht wisse. Dieses Hinterfragen mache ihn intelligent. Zukunft werde mit Phantasie gestaltet – der PC habe keine Phantasie und keinen Gestaltungssinn. Die Vorstellungskraft macht den Menschen einzigartig. Diese kann der PC nicht ersetzen!“, so Ebert.


Foto: Tarek Al-Wazir, Staatsminister im Hessischen Wirtschaftsministerium, auf dem Future Internet Kongress in Frankfurt / Main.
Fotocredit: BBB/Barbara Hoffmann.

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