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„Jede Zeit hat ihre Herausforderungen, unsere heißt Digitalisierung.“

Seit 2010 fertigt die Körber & Körber GmbH Präzisionsmechanik mit 30 hochqualifizierten Mitarbeitern und einem modernen, stark automatisierten Maschinenpark präzise CNC-Fräs- und Drehteile als Einzelteile oder Kleinserie und montiert diese anschließend zu Baugruppen oder Produkten für ihre Kunden z. B. aus der Prüfgeräteindustrie, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik und der Wissenschaft. Das Unternehmen steht damit beispielhaft für die zunehmende Individualisierung von Produktionsprozessen, die die digitale Transformation ermöglicht. Anlässlich unseres Besuches des Colloquium Industrielle IT in Großbeeren mit unserer Roadshow Unterwegs für Deutschlands digitale Zukunft hatten wir die Gelegenheit mit Benjamin Körber, einem der beiden Geschäftsführer über Potenziale und Herausforderungen der Digitalisierung zu sprechen.


Breitbandbüro des Bundes: Präzision ist Ihr Markenzeichen! Was steckt hinter Ihrer Geschäftsidee?

Benjamin Körber: Wir realisieren die Ideen unserer Kunden!
Unsere Kunden konzentrieren sich überwiegend auf die Konstruktion ihrer Produkte, die Montage und den Vertrieb. Alle Einzelteile kaufen sie daher von Lieferanten ein, die sich jeweils auf eine bestimmte Fertigungstechnologie spezialisiert haben. So sind wir ein Partner für hochpräzise Fräs- und Drehteile.
Da zunehmend auch die Montage „outgesourct“ wird, haben wir dies in unser Angebotsspektrum integriert und können so auch Baugruppen oder fertige Produkte anbieten.
Wir verstehen uns dabei als Partner, als Problemlöser, für die anspruchsvollen Aufgaben. Einfach ein Loch in ein Stück Stahl zu bohren passt nicht zu uns – wir sind diejenigen, die eine genaue Passung in ein Sondermaterial mit einer Positionstoleranz von 1/100mm herstellen.

BBB: Ihr Familienunternehmen hat eine lange Tradition: Ihr Vater produzierte 30 Jahre lang erfolgreich Zubehör für bekannte Hersteller in der Automobilindustrie. Auch in Amerika hatten Sie einen Produktionsstandort. Seit 2002 führen Sie gemeinsam mit Ihrem Vater Körber & Körber. Beschreiben sie einmal, was sich seitdem verändert hat. Worauf hat sich Körber & Körber heute spezialisiert?

BK: Das stimmt so nicht ganz. Ich bin 2002 in das damalige Unternehmen meines Vaters, die Körber GmbH Präzisionstechnik, eingestiegen – gemeinsam haben wir das Unternehmen geführt, bis mein Vater es 2010 verkauft hat.
Daraufhin haben wir gemeinsam ein neues Unternehmen gegründet – diese Gemeinsamkeit steckt auch im Namen: Körber & Körber GmbH Präzisionsmechanik. Mit diesem Unternehmen fertigen wir jetzt nicht mehr für die Automobilindustrie und nicht mehr in Großserien von 100.000 Stück und mehr pro Jahr – sondern für alle anderen Industrien und in einem Stückzahlbereich von typischerweise 1-100, in seltenen Ausnahmen auch mal mehrere 1.000 Stück.

BBB: Wie war der Weg von der Idee zum Produkt − und was können wir uns unter Zerspanungsmechanik und digitaler Montage vorstellen?

BK: Angefangen haben wir vor 6 Jahren mit einer Excel-Tabelle für die Auftragsverwaltung, 4 Rechnern und einem kleinen Server.
Der Anspruch an unsere Dienstleistung und deren Komplexität ist aber in den letzten Jahren enorm gestiegen: die Teile werden immer schwieriger, durch die Montage müssen wir auch mehrstufige Stücklisten mit vielen Einzelteilen pflegen, das Geschäftsvolumen hat sich vervielfacht und damit auch die Anzahl der Mitarbeiter, Maschinen, Werkzeuge, Aufträge. Dazu müssen die Lieferzeiten immer kürzer werden und preislich stehen unsere Kunden und damit auch wir unter enormen Druck.
Um diese Herausforderungen zu meistern bzw. nicht an ihnen zu verzweifeln, benötigen wir die EDV in allen Bereichen. Deswegen haben wir in den letzten Jahren enorm in EDV und Digitalisierung investiert. Heute haben wir fast so viele Rechner wie Mitarbeiter, haben fast 4km Kabel verlegt und einen sechsstelligen Betrag in Software investiert. Heute fließen Informationen aus allen Bereichen des Unternehmens digital zusammen, so dass wir genau wissen, wer, wann, aus welchem Material, mit welchem Werkzeug, mit welchem Programm, welches Teil hergestellt hat.

BBB: Was zeichnet Ihre MitarbeiterInnen aus – welche Fähigkeiten bringen Sie zusammen?

BK: Unsere Mitarbeiter müssen „wollen“, das heißt, sich voll ins Unternehmen einbringen, offen für Neues sein, interessiert und bemüht, dass wir uns als Unternehmen gemeinsam weiterentwickeln. Dieses „wollen“ ist für uns fast noch wichtiger als das „können“, wobei wir gerade bei unseren Zerspanungsfacharbeitern ein sehr hohes Know-how voraussetzen müssen.

BBB: Sie setzen ganz bewusst auf Mitarbeiter aus ihrer Region: Warum?

BK: Das hat sich so ergeben – grundsätzlich ist es uns egal, wo ein neuer Kollege herkommt. Wir haben auch ein sehr buntes Team: mit Kollegen aus den Niederlanden, Russland und sogar Bayern.

BBB: Sie haben sich für eine ganz besondere Standortlösung entschieden. 2011 verlegten Sie Ihren Unternehmensstandort in die Peripherie Berlins und entschieden sich für den Erwerb einer großen Industriehalle inmitten eines Gewerbegebiets im brandenburgischen Birkenwerder. Dort haben Sie ein ganz besonderes Mischkonzept etabliert. Was ist die Besonderheit dieses Modells und welche Vorteile hat Ihrer Standortwahl?

BK: Wir haben 2010 unsere Halle in Birkenwerder gekauft und sind mit unseren neuen Unternehmen hier eingezogen. Die Halle war für uns ideal: tolle Anbindung an den Berliner Ring und die B96, ideal ausgestattet und dazu noch optisch ansprechend. Da wir und auch die meisten Mitarbeiter hier fast so viel Zeit verbringen wie zu Hause ist es uns sehr wichtig, dass wir alle uns hier wohl fühlen können. Und natürlich haben für uns auch die Förderprogramme der ILB eine große Rolle bei der Standortwahl gespielt.

BBB: Welche Perspektiven fassen Sie mit Ihrem Unternehmen ins Auge? Wo geht die Reise hin?

BK: Wir wollen auch weiterhin den Ansprüchen unserer jetzigen und zukünftigen Kunden genügen – allein schon deshalb müssen und werden wir uns immer weiterentwickeln.

BBB: Aus welchen Gründen ist für Sie Digitalisierung ein Zukunftsthema?

BK: Die Digitalisierung betrifft uns doch in allen Bereichen, privat und beruflich. Es ist wie ein Zug – und wenn man nicht aufspringt, dann ist er irgendwann losgefahren und zwar ohne einen. Deswegen springen wir lieber auf.

BBB: Wenn Sie an die Zukunft denken, dann … wagen Sie einen Ausblick.

BK: Nach und nach werden alle Bereiche digitalisiert – die Frage ist nur wann und in welchem Ausmaß. Auf jeden Fall werden EDV-Kenntnisse immer wichtiger – allerdings werden wir auch nie auf die handwerklichen Grundlagen verzichten können. Es wird auf jeden Fall eine spannende Entwicklung sein – aber jede Zeit hat ihre spannenden Herausforderungen, unsere heißt einfach Digitalisierung.

BBB: Herr Körber, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Foto oben: Benjamin Körber
Fotocredit: Körber & Körber GmbH

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek

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