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„Komm´ nach Hagen, werde Popstar, mach dein Glück.“ (Extrabreit, 1981)

Die Informationskampagne ist heute in Hagen. Ein guter Anlass für einen popmusikalischen Ausflug.

Als zu Beginn der 1980er Jahre die Neue Deutsche Welle durch Deutschland schwappte und mit ihren Ausläufern auch weitere Länder benetzte, war Hagen daran maßgeblich beteiligt: Landläufig bekannt ist, dass die musikalischen Wurzeln von Nena (bürgerlich: Gabriele Susanne Kerner) in dieser Stadt liegen. Bis 1981 lebte Nena in Hagen, auf Einladung ihrer Plattenfirma zog sie nach Berlin. Im Nebenjob im Kreuzberger Büro von Musikmanager und Fotograf Jim Rakete bearbeitete Nena die Fanpost der Gruppe Spliff. Die Band Spliff sah in Nena musikalisches Potential und produzierte 1982 mit ihr eine Platte – das Startsignal für den musikalischen Durchbruch.

Auch die in Hagen geborenen Schwestern Annette und Inga Humpe haben später von Berlin aus als Sängerinnen und Musikproduzentinnen die deutsche Musikszene maßgeblich geprägt: Projekte wie „Neonbabies“, „Ideal“, „DÖF“, „Ich + Ich“ und 2raumwohnung“ sind mit dem Namen „Humpe“ direkt verbunden.

Musikhistorisch etwas abseits der NDW ist die Hagener Band Grobschnitt zu verorten. Sie hatte sich zu Beginn der 70er Jahre aus mehreren Schülerbands gebildet. Das ungewöhnliche Live-Konzept der Gruppe bestand aus einer Kombination von Theater, Lichteffekten, humoristischen Einlagen und langen musikalischen Improvisationen. Das schräge Engagement der Band fand in den 1980ern verstärkt Öffentlichkeit durch Airplay im WDR. Auch in Kultursendungen wie Aspekte wurde die Band Thema. Die Band löste sich 1989 auf, existiert seit 2006 allerdings wieder. Bemerkenswert an dieser Gruppe: Die große Zahl an Musikern, die in der Band gewirkt haben, über die Jahre waren es insgesamt 21.

Der Name der Hagener Rockband Extrabreit entstammt einem besonders dicken Filzstift. Mit Hits wie „Polizisten“, „Hurra, hurra, die Schule brennt“ oder „Flieger, grüß mir die Sonne“ brach die Band in den frühen 1980er Jahren zu Konzerttourneen auf. Mit einigen Jahren Unterbrechung hat sich die Band bis heute gehalten und tourt noch immer. Übrigens: Der langjährige Nena-Gitarrist Carlo Karges spielte zu Beginn der 1980er bei Extrabreit.

Die ebenfalls aus Hagen stammende und heute in Berlin lebende Keyboarderin Barbara Morgenstern bezeichnet sich selbst als Autodidaktin. Nach Klavierunterricht als Kind und Jazzunterricht an der Hagener Jugendmusikschule spielte sie als Jugendliche in einer Band.

Etwas Kurioses zum Abschluss unserer Vorstellung Hagener Musik: Der Heimorgel-Musiker Mambo Kurt (bürgerlich Rainer Limpinsel) begeistert mit seiner ironisch-augenzwinkernden Art des Coverns bekannter Rockstücke auch Hardrock- und Metal-Fans auf Open Air-Festivals wie dem Wacken Open Air. Was man hinter dieser leichten Verschrobenheit nur erahnt: Limpinsel wurde 1982 Nordrhein-Westfalens bester Heimorgelspieler in der Altersklasse bis 14 Jahre, studierte später Medizin, hat den Doktor-Titel und ist Chirurg.

Stellt sich die Frage, wie sich in Hagen eine so lebendige und vielseitige Musikszene entwickeln konnte.
Prof. Dr. Frank Hillebrandt von der Fern-Uni Hagen erklärte dazu 2014 in einem Interview mit der regionalen Zeitung „Westfalenpost“: „Um die Frage zu klären, muss man eher ansetzen – in den 60er Jahren. In Hagen gab es schon sehr früh einen Treffpunkt, wo sich junge Menschen treffen konnten, um ihre eigene Musik zu machen. Das war in der damaligen Zeit höchst ungewöhnlich. (…) Im Rückblick kann man sagen, dass es gut war, dass die Stadt Hagen damals Räumlichkeiten wie dieses Jugendheim und Gelder für diese Art von Arbeit mit Jugendlichen bereitstellte. Erst Mitte der 70er Jahre wurden dort dann die gängigen Disco-Abende veranstaltet. Außerdem gab’s in Hagen Menschen, die die jungen Musiker unterstützten, es gab Läden, in denen man technisches Equipment auf Pump kaufen konnte, die Gründung einer Band war hier weit leichter als in anderen Städten. Der ,Musikertreff’ war lange Zeit erste Adresse für musikbegeisterte junge Leute. Und Ende der 70er Jahre lief dann die NDW an. Besonders in Hagen. (…) Das Fundament wurde in Hagen gelegt. Und das gab schließlich die Sicherheit für eine Großstadt wie Berlin.


Foto oben: Extrabreit in Hagen.
Fotocredit: Stadt Hagen / Karsten-Thilo Raab.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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