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Teilhabe an den Chancen der Digitalisierung – Interview mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann

Im Rahmen unseres heutigen Besuchs in Cuxhaven und des gemeinsamen Workshops mit der regionalen IHK zum Breitbandausbau in der Region sprachen wir mit Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Cuxhaven ließ es sich nicht nehmen, vor Ort persönlich für den Ausbau mit Glasfaser zu werben. Im Gespräch erläuterte er uns seine Sicht auf Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung, damit einhergehende gesellschaftliche Veränderungsprozesse und die Rolle der Politik.


Breitbandbüro des Bundes: Welche Chancen und Risiken birgt der Digitalisierungsprozess?

PStS Ferlemann: Die Digitalisierung ist eine einzigartige Innovationsphase, die enorme Chancen auf eine noch höhere Lebensqualität und Wertschöpfung birgt. Durch die Verschmelzung klassischer Technologien mit der digitalen Technik können Maschinen zunehmend autonomer kommunizieren und agieren. Daten werden in Echtzeit generiert, in Produkte und Prozesse eingebunden und entlang der Wertschöpfungskette vernetzt. Zum Schutz vor Datenmissbrauch müssen die technischen Systeme stets sicher sein. Gleichzeitig braucht es aber auch die Datensouveränität des Einzelnen. Ein entsprechender Rechtsrahmen muss die Verfügungsrechte über Daten klar regeln und die Persönlichkeitsrechte der Menschen mit den Wertschöpfungschancen vereinen.

BBB: Was sind für Sie die derzeit spannendsten Entwicklungen im Bereich Digitalisierung?

PStS Ferlemann: Besonders spannend finde ich die Entwicklungen im Mobilitätsbereich. Die Arbeiten am automatisierten und vernetzten Fahren sind in vollem Gange. Intensiv wird in den Unternehmen daran getüftelt. Die Bundesregierung unterstützt diese Entwicklungen tatkräftig, zum Beispiel mit Fördermaßnahmen oder der Einrichtung des „Digitalen Testfeldes Autobahn“ auf der A 9 in Bayern. Digitale Lösungen werden den Verkehr insgesamt revolutionieren. Sie werden ihn leistungsfähiger, nachhaltiger, sicherer und komfortabler machen. So wird der Verkehr durch selbstfahrende Fahrzeuge wesentlich gleichmäßiger fließen und es wird weniger Staus geben. Das senkt den Energieverbrauch. Aber noch viel wichtiger: Es senkt auch die Unfallzahlen. Die Menschen werden ihr Ziel nicht später erreichen als heute, aber deutlich entspannter. Ähnliche Vorteile werden für den Güterverkehr erwartet. Automatisierte Lkws werden in einigen Jahren ganz selbstverständlich zu unserem Straßenbild gehören. Das sogenannte Platooning wird schon heute erprobt. Dabei werden mehrere Lkws mittels Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation und zusätzlicher Sensorik aneinandergekoppelt.

BBB: Für welche Branche ist Digitalisierung von besonderem Interesse?

PStS Ferlemann: Die Digitalisierung muss im Grunde genommen für jede Branche von besonderem Interesse sein! Denn es wird in Zukunft kaum einen Lebens- und Wirtschaftsbereich geben, der nicht direkt oder indirekt von der Digitalisierung betroffen ist. Deshalb setzt sich das BMVI auch dafür ein, dass Haushalte und Unternehmen Zugang haben zu einer leistungsstarken digitalen Infrastruktur – leitungsgebunden wie mobil. Diese ist Basis für die erfolgreiche Digitalisierung in den Unternehmen. Den Unternehmen bieten digitale Lösungen die Chance, sämtliche Arbeitsabläufe und Produktionsprozesse zu optimieren. Gleichzeitig werden neue Geschäftsmodelle und damit Einnahmequellen möglich – etwa durch die Herstellung von hochindividualisierten Produkten nach Kundenwunsch. Unternehmen – auch kleine und mittlere Unternehmen – sollten sich daher frühzeitig mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen und sich an die erforderlichen Infrastrukturen anbinden, um nicht den Anschluss an die Marktentwicklung zu verpassen. Mit unserem „Sonderprogramm Gewerbegebiete“ unterstützen wir den Prozess: Wir geben hierfür 350 Mio. Euro aus. Mit der Infokampagne „Breitband@Mittelstand“, die wir gemeinsam mit dem DIHK durchführen, machen wir komplementär hierzu den Mittelstand auf Potenziale der Digitalisierung aufmerksam.

BBB: Worin sehen Sie die größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen, die durch die Digitalisierung hervorgerufen werden?

PStS Ferlemann: In erster Linie muss es darum gehen, allen Menschen und Unternehmen die Teilhabe an den Chancen der Digitalisierung zu ermöglichen. Grundvoraussetzung dafür ist der flächendeckende Aufbau einer leistungsstarken digitalen Infrastruktur. Hier sind wir aktuell auf einem sehr guten Weg. Die Maßnahmen, die in dieser Legislaturperiode vom Bundesministerium für Verkehr und die digitale Infrastruktur ergriffen wurden – wie etwa das Bundesförderprogramm für den Breitbandausbau oder das DigiNetz-Gesetz – entfalten immer mehr ihre Wirkung. Darüber hinaus ist es ganz entscheidend, die digitale Kompetenz der Menschen weiter zu stärken. Denn nur wer die digitalen Technologien versteht und beherrscht, wird den digitalen Wandel aktiv gestalten und von den Innovationen profitieren können.

BBB: Herr Ferlemann, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Foto: Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär des BMVI beim Gespräch im Informationsmobil
Fotocredit: BBB / Florian Schuh

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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