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VDSL2-Vectoring, Super Vectoring und G.fast

Übersicht

Durch die Vectoring-Technik kann das Übersprechen zwischen benachbarten Teilnehmeranschlussleitungen und die damit verbundene Störung reduziert werden. Dabei wird mit speziellen Algorithmen das Übersprechen einer jeden Leitung auf jede andere in einem Kabelbündel vorausberechnet; das störende Signal wird dann mit einem Gegenstörsignal eliminiert. Der Einsatz dieser Technik führt zu einer erheblichen Steigerung der Datenübertragungsraten. Voraussetzung ist jedoch der Zugriff auf sämtliche für VDSL genutzte Teilnehmeranschlussleitungen an einem Kabelverzweiger durch nur einen Netzbetreiber, da nur so für alle Kupferadern die zur Kompensation von Störsignalen erforderlichen Berechnungen durchgeführt werden können. Beim Einsatz von VDSL2-Vectoring ist die Bereitstellung einzelner Leitungen aus dem Kabelbündel an potentielle Wettbewerber nicht möglich.

Leistungsfähigkeit der Technologie

Im Vergleich mit VDSL2 ermöglicht VDSL2-Vectoring eine Übertragung höherer Bandbreite (100 Mbit/s statt 50 Mbit/s) bei größerer Reichweite (100 Mbit/s bis zu 200m, 50 Mbit/s bis zu 600m, nach dem Kursbuch der Netzallianz vom 7. Oktober 2014) über die Kupferdoppelader. Die Vectoringtechnik kommt auch bei dem neuen VDSL35b-Standard („Super Vectoring“) zum Einsatz, der voraussichtlich noch im Jahr 2018 verfügbar sein wird. Mit dieser Technik kann an den VDSL2-Vectoring-Standorten eine Spitzenbandbreite von bis zu 250 Mbit/s erreicht werden.

G.fast

Als Nachfolgetechnologie zu VDSL2-Vectoring bereits im Jahr 2014 von der ITU zertifiziert, findet G.fast seit Mitte 2017 in Deutschland praktische Anwendung. Mit G.fast lassen sich sehr hohe Übertragungsraten von bis zu 600 Mbit/s (aggregiert) auf einer Distanz von 100 Metern über herkömmliche Kupferleitungen übertragen. Bei ca. 250 Metern Leitungslänge erlischt jedoch bereits der Bandbreitenbreitenvorteil gegenüber VDSL2-Vectoring-Anschlüssen. Bei G.fast wird die Glasfaser bis an bereits erschlossene Straßenschächte (FTTdp: Fibre To The Distribution Point) oder direkt an ein Gebäude bzw. in den Gebäudekeller geführt (FTTB). Von dort aus wird die bereits bestehende Kupferverkabelung bis zum Endkunden genutzt.

Zur Erreichung der hohen Übertragungsbandbreiten ist im Vergleich zu VDSL2 (dort genutzte Frequenzen bis 17 MHz bzw. 35 MHz bei Supervectoring) die Verwendung eines stark erweiterten Frequenzspektrums bis 106 MHz notwendig. Aufgrund dieser sehr hohen Frequenzen sind Störungen durch Übersprechen bei G.fast wesentlich ausgeprägter als bei VDSL2. Daher setzt G.fast zwingend das Vectoring-Verfahren zur Reduzierung des Leitungsübersprechens ein. Als Nachfolgetechnologie zu VDSL2 ist G.fast hier vollständig abwärtskompatibel und eine Koexistenz beider Technologien mit Trennung der jeweiligen Frequenzbereiche möglich.

Auswirkungen auf Wettbewerb und Regulierung

Der angestrebte Bandbreiten- und Reichweitengewinn des VDSL2-Vectoring und Super Vectoring kommt nur zum Tragen, wenn sämtliche mit einem VDSL-Signal beschalteten Teilnehmeranschlüsse eines Kabelverzweigers (KVz) einbezogen werden. Der gleichzeitige Betrieb von Vectoring-Systemen und herkömmlichem VDSL2 reduziert die durch das Verfahren erreichbaren Vorteile erheblich. Deshalb kann immer nur ein Netzbetreiber das Verfahren in einem Leitungsbündel einsetzen; dazu benötigt er die Kontrolle über sämtliche Leitungen, die an dem KVz ankommen, wo das Verfahren zum Einsatz kommen soll. Allerdings können neben der Vectoring-Technik die wesentlich geringere Frequenzen nutzenden ADSL- und SDSL-Übertragungstechniken parallel betreiben werden.

Der oftmals im Rahmen von Regulierungsvorgaben oder Beihilfemaßnahmen als Vorleistungsprodukt durch den Netzbetreiber zur Verfügung zu stellende physisch entbündelte Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL), die Bereitstellung einer einzelnen physischen Leitung aus dem Leitungsbündel an einem KVz an potenzielle Wettbewerber, ist beim Einsatz von Vectoring ohne Verluste nicht möglich.

Virtuell entbündelter Zugang

Eine Alternative zum physisch entbündelten Zugang zur TAL bietet der virtuell entbündelte Zugang (engl. Virtual Unbundled Local Access, VULA). Der physikalische Anschluss und Betrieb der Endkundenleitungen verbleibt beim Netzbetreiber.

Der virtuell entbündelte Zugang basiert auf dem aktiven Netzbetrieb auf Basis Layer 2-Bitstrom (Ethernet-Bitstrom). Wettbewerber übergeben hierbei ihren Datenverkehr an bestimmten Orten (Übergabepunkte) dem Netzbetreiber, der den weiteren Transport von Daten vom und zum Endkunden übernimmt. Das VULA-Produkt muss in seiner Ausprägung so gestaltet sein, dass es dem darauf zugreifenden Anbieter möglich ist, eigene Produktdifferenzierungen und Dienstangebote zu realisieren. Dabei muss dieser weitreichenden Zugriff auf die Parameter der TAL erhalten, ähnlich dem vollständig endbündelten Zugang. Der Anbieter kann somit festlegen, mit welcher Qualität bestimmte Services dem Endkunden zur Verfügung gestellt werden oder seine Endkunden bzw. die angebotenen Produkte bestimmten Nutzergruppen zuordnen.

Vectoring-Liste und Windhundprinzip

Die Kenntnis der bereits mit Vectoring erschlossenen KVz sowie der bestehenden Ausbauabsichten ist wegen der vorgenannten Wirkungen von Vectoring essentiell für Planungs- und Investitionsentscheidungen.

Der Ausbau von KVz in den Nahbereichen erfolgt durch Zuordnung von entsprechenden Anschlussbereichen auf Grundlage hierfür verbindlich getätigter Investitionszusagen der betreffenden Telekommunikationsunternehmen. Eine Übersicht der Alternativanbietern zugeordneten Nahbereiche finden Sie hier. Der Großteil wird von der Telekom Deutschland GmbH erschlossen.

Für die Erschließung von KVz in den übrigen Gebieten wird von der Bundesnetzagentur (BNetzA) eine sogenannte Vectoring-Liste geführt und tagaktuell gehalten. In diese Liste sind alle bestehenden und die innerhalb eines Jahres nach Eingang einer Anzeige beabsichtigten Erschließungen von KVz mit VDSL2-Vectoring-Technik eingetragen. Die Einsichtsrechte in diese Liste sind beschränkt. Projektbezogen können Anfragen zur Einsicht in die Vectoring-Liste über die Landeskompetenzzentren erfolgen.

Bei der Eintragung gilt das „Windhund-Prinzip“: Wer als Erster in die Vectoring-Liste eingetragen wird, um einen KVz auszubauen, hat diesen für sich reserviert. Der Ausbau des KVz mit Vectoring-Technik muss grundsätzlich nach Reservierung innerhalb eines Jahres erfolgen. Wollen mehrere Netzbetreiber denselben KVz reservieren, erhält derjenige den Zuschlag, der den am nächsten liegenden Erschließungszeitpunkt einträgt.

Im Streitfall entscheidet die BNetzA über die Vornahme, Wirksamkeit oder Löschung einer Eintragung. Im Falle der Erschließung eines KVz mit DSL-Technik im Wege der staatlichen Förderung kommt eine Untersagung oder Unwirksamkeitserklärung einer Eintragung insbesondere unter den folgenden Voraussetzungen in Betracht:

  • Keine Mitteilung einer beihilfenfreien Ausbauabsicht im zugehörigen Interessenbekundungsverfahren
  • Abgefragte Ausbaufrist ist noch nicht abgelaufen

Ergänzend dazu hat die BNetzA ein Informationsblatt veröffentlicht, welches Antworten auf die bei Fördermaßnahmen möglicherweise aufkommenden Fragen zum Einsatz der Vectoring-Technologie gibt. Damit sollen den Gebietskörperschaften und vor allem den die Fördervorhaben bearbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angesichts der teilweise komplexen Förderregelungen und mitunter komplizierten technischen Sachverhalte erste Orientierungspunkte für bestimmte Ausbaukonstellationen an die Hand gegeben werden.

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