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Die Digitalisierung macht aus Studierenden Bildungsreisende

Die Rheinische Fachhochschule Köln verspricht Praxisnähe, projektbezogenes Arbeiten und kleine Studierendengruppen. Mit Blick auf neue digitalisierte Lernformen, die an vielen Hochschulen seit Jahren Konjunktur haben, befragten wir Holger Berens, Studiengangsleiter für Wirtschaftsrecht und Leiter des Studiengangs Compliance and Corporate Security (LL.M.), an der RFH Köln zu Status Quo und Zukunft akademischer Ausbildung.


Breitbandbüro des Bundes: Herr Berens, wir sind neugierig, an welchen Stellen Sie in der Lehre digitale Lösungen einsetzen. Was erwartet die Studierenden konkret, ein virtueller Dozent, der sie online betreut?

Holger Berens: Nein, so verstehen wir die Digitalisierung der Lehre an Hochschulen nicht. Wichtig sind für uns die Lernerfahrung in der Gruppe und die persönliche Betreuung der Studierenden. Gerade in der heutigen Zeit ist Flexibilität – sowohl auf Seiten der Hochschule als auch bei den Studierenden – ein Muss. Ein gutes Beispiel für Flexibilität in der Lehre ist unser Masterstudiengang Compliance and Corporate Security. Dort werden einmal im Monat (jeweils freitags und samstags) die Vorlesungen im Flipped Classroom durchgeführt. Studierende, die beruflich oder anderweitig an der Teilnahme der Präsenzvorlesung verhindert sind, können sich über das Internet und einer Webcam in die Präsenzvorlesung einklinken und so an der Vorlesung aktiv teilnehmen. Die Vorlesungen sind jederzeit online oder als Podcast für die Studierenden wiederholbar. Begleitend erfolgt das Studium sodann über unser E-Learning-System. Ziel der spezifischen Blended-Learning-Lernorganisation ist, dass die Studierenden den Lernstoff durch „Learning by doing”, durch die kontinuierliche Lernbegleitung und das vernetzte Arbeiten in Lerngruppen, besser verinnerlichen. Sie werden zu Gestaltern des Lernprozesses, der Dozent versteht sich als „Enabler” und „Coach”.

BBB: Welche Anforderungen stellt Ihre Fachhochschule heute beim Thema „digitale Kompetenzen“ zum einen an ihre Dozenten, zum anderen an ihre Studierenden?

Berens: Unser Selbstverständnis als Hochschule ist, dass wir uns als lebenslanger, akademisch wissenschaftlicher Qualifizierungsbegleiter für unsere Studierenden verstehen. Digitalisierung in der Lehre bedeutet für uns, dass wir Technologien, die heute aus der Arbeitswelt nicht wegzudenken sind, als Werkzeug einsetzen. Didaktisch nutzen wir das Flipped-Classroom-Modell. Hierbei wird neu definiert, wie die Zeit während und außerhalb des Unterrichts genutzt wird, sodass das Lernen nicht von den Lehrenden, sondern von den Studierenden bestimmt wird. Im Flipped-Classroom-Modell wird die wertvolle Präsenzzeit für aktiveres, projektbasiertes Lernen genutzt, bei dem Studierende zusammenarbeiten und so das Fachthema tiefer durchdringen. Statt die Unterrichtszeit darauf zu verwenden, Informationen zu vermitteln, wird dieser Arbeitsschritt außerhalb des Präsenzunterrichts von den Studierenden selbständig erledigt, z. B. durch:

  • Rezeption von Vorlesungsaufzeichnungen
  • Podcasts und vertiefende Video-Booklet-Inhalte oder weiterführende Links
  • die Zusammenarbeit mit Kommilitonen in Online-Communities

Dies bedeutet natürlich auch neue Anforderungen an die Lehrenden. In unserem E-Learning Labor bieten wir technische, didaktische und pädagogische Schulungen für die Dozierenden an.

BBB: Die digitale, vernetzte Fachhochschule im Jahr 2030″ – Wie wird die aussehen?

Berens: Ich rechne mit dem Einsatz digitaler Technologien in allen Bereichen unserer Fachhochschule. Heute noch existierende, scharfe Abgrenzungen zwischen Lehrenden und Lernenden werden verschwimmen oder sich teilweise ganz auflösen. Die Studierenden in der Zukunft werden orts- und zeitunabhängig Wissen verarbeiten und aufbauen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Lernenden im Jahr 2030 an mehreren Hochschulen und Universitäten – auch über Ländergrenzen hinweg – studieren und ihre Kurse absolvieren; Digitalisierung als Internationalisierung der Bildung auch für die Lehrenden. Völlig neue Studiengänge und Bildungsbiografien werden entstehen. Die Präsenzveranstaltungen bekommen eine ganz neue Bedeutung. Sie werden möglicherweise den heute bereits existierenden Formen der Kolloquien und Konferenzen ähnlicher. Studierende werden zu Bildungsreisenden.

BBB: Bitte vervollständigen Sie den Satz: „Digitalisierung ist für mich …“.

Berens: … ein revolutionärer technologischer Fortschritt, wie die Ablösung der Dampftechnologie durch den elektrischen Strom. Wir sind am Anfang einer neuen Epoche von digitalisierten, benutzerorientierten Lösungen für alle Menschen im privaten Alltag und im Berufsleben.

Lernen wird in Zukunft so alltäglich sein wie heute fernsehen oder Radio hören. Damit stehen für uns an der RFH die digitalen Herausforderungen als „Bildungs-Hotspot“ für die Studierenden als „Vollzeit-Lernende“ besonders deutlich im Fokus. Ich arbeite in Netzwerken mit Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Politik daran, praxisorientierte Lösungen für die neuen digitalen Bildungsformate zu finden und weiterzuentwickeln. Für mich ist das eine sehr spannende Zeit.

BBB: Herr Berens, vielen Dank für das Gespräch.


Foto oben: Holger Berens.
Fotocredits: Holger Berens/privat.

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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