Versorgung via Seekabel

Unterwegs für Deutschlands Zukunft mit der Kampagne Breitband@Mittelstand am 06. und 07. August auf Föhr.

Zeitgemäße Strom- und Datenübertragung ist für Urlaubsorte wie die beliebten Ferieninseln in Schleswig-Holstein besonders wichtig. „Die Gäste kommen an und das erste, wonach sie fragen, ist das Passwort fürs Internet“, sagt Göntje Schwab, Bürgermeisterin der Gemeinde Utersum auf Föhr.

Das Informationsmobil der Kampagne „Breitband@Mittelstand“ ist zur Zeit auf Insel-Tour durch Schleswig-Holstein. Die vergangenen zwei Tage verbrachten wir auf Föhr und beschäftigen uns mit den besonderen Herausforderungen der infrastrukturellen Anbindung der Insel.

Strom- und Glasfaserleitungen kommen über im Meeresboden vergrabene Seekabel auf die Insel. Sie ermöglichen die sichere Überbrückung großer Distanzen. Dafür unterliegen sie einigen besonderen Anforderungen bei Material und Verlegemethoden. Von Zeit zu Zeit müssen sie auch erneuert werden. Zuletzt wurde beispielsweise im Frühjahr 2015 zwischen Amrum und Föhr ein Seekabel für die Stromversorgung ersetzt – aus Altersgründen.

Im Unterschied zu einem auf dem Festland verlegten Kabel bündelt ein Seekabel alle drei Adern der Stromleitung unter einem gemeinsamen Außenmantel. Alle Adern sind wasserisoliert und eine spezielle Struktur schützt vor mechanischen Beschädigungen und den Einwirkungen durch die Strömung im Wattenmeer. Im speziellen Fall wurde in das Seekabel zusätzlich zum 20.000-Volt-Stromkabel ein Glasfaserkabel als vierte Komponente eingeflochten. Es dient der Regelung des Energienetzes auf Föhr. In Verbindung mit dem bestehenden Glasfasernetz auf der Insel kann der Energieversorger über das Kabel die Schaltanlagen für die Verteilung von Strom vom Festland aus steuern.

Verlegemethoden für Seekabel

Für das Verlegen der Seekabel existieren verschiedene bewährte Verfahren. Eine Methode ist das Einfräsen mit einer Seekabelfräse. Sie kommt gezeitenunabhängig bei wechselnden Bodenverhältnissen bis zu einer Tiefe von zehn Metern zum Einsatz. Die Seekabelfräse öffnet mittels einer Fräskette den Meeresboden. Ein Verlegeschacht hält den Fräsgraben hinter der Fräskette auf. Das zu verlegende Kabel läuft durch den Verlegeschacht und verlässt diesen an der tiefsten Stelle. Der Fräsaushub wird durch die Fräskette hinter den Verlegeschacht ausgeworfen und verfüllt den Graben wieder. Fertig. Ebbe und Flut erledigen den Rest.

Im flachen Wasser vergraben Spezialfahrzeuge die Leitungen im Meeresboden. Ein Verlegepflug, auch Meerespflug genannt, spritzt bei sandigem Boden Wasser aus dem Wassertank des Fahrzeugs unter hohem Druck von etwa 1600 Bar in den Sand, sodass Treibsand entsteht und das Kabel einsinken kann. Der Sand verfestigt sich danach wieder und bedeckt das Kabel. Die Verlegearbeiten mit dem Meerespflug funktionieren aber nur bei Niedrigwasser.

Bei der Verlegung des 4,5 Kilometer langen Kabels zwischen Amrum und Föhr kam erstmals ein 18 Meter langes und über zehn Meter breites Raupenfahrzeug zum Einsatz. Der 1.214 PS starke und 91 Tonnen schwere Koloss ist vom Typ Nessie V und brachte das Kabel mit einem Vibrations-Pflugschwert knapp zwei Meter tief ins Watt ein. Nessie kann das Kabel selbst laden. Somit ist kein zusätzliches Fahrzeug für den Transport und das Abrollen notwendig, und die Belastung des Bodens fällt wesentlich geringer aus als bei traditionellen Verlegeverfahren. Ein großer Vorteil, denn für Bauarbeiten im Naturraum Wattenmeer existieren hohe naturschutzrechtliche Auflagen. So durften aus Rücksicht auf die Brutzeiten der Watt-Vögel die Arbeiten nur von Mitte Juli bis Ende September erfolgen. Dann greift die dem Küstenschutz geschuldete Deichruhe.


Foto: Am Ufer der Insel Föhr. Im Nordfriesischen Wattenmeer erfolgt Energie- und Datenversorgung über im Meeresboden vergrabene Seekabel.
Fotocredit: BBB/Andreas Silberbach

Weitere Impressionen unserer Informationskampagne finden Sie in unserer Mediathek.

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